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Booker Prize geht nach Jamaika

Für seine Nacherzählung eines versuchten Attentats auf Reggae-Sänger Bob Marley hat Marlon James den renommierten Man Booker Prize gewonnen.

Die Auszeichnung mit dem Man Booker Prize sei für ihn «surreal»: Marlon James nimmt den Preis von Camilla entgegen. (13. Oktober 2015)
Die Auszeichnung mit dem Man Booker Prize sei für ihn «surreal»: Marlon James nimmt den Preis von Camilla entgegen. (13. Oktober 2015)
Neil Hall, Keystone

Als erster Jamaikaner überhaupt hat Marlon James den prestigeträchtigen Man Booker Prize für englischsprachige Literatur gewonnen. Die Auszeichnung erhält der 44-Jährige für den lebhaften, brutalen und überschäumenden Roman «A Brief History of Seven Killings», in dem er die Geschichte eines versuchten Attentats auf Reggae-Legende Bob Marley nacherzählt, wie die Jury am Dienstag mitteilte. Überreicht bekam James den Preis in London von Camilla, der Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles. 2014 hatte der australische Autor Richard Flanagan den Preis gewonnen.

«A Brief History of Seven Killings» sei das aufregendste der nominierten Bücher und voll von «blosser Freude» an der englischen Sprache gewesen, sagte der Vorsitzende der Auswahljury, Michael Wood. «Eine der Freuden am Lesen (des Buches) ist, dass man die Seite umblättert und nicht sicher ist, wer der nächste Erzähler sein wird», so Wood. Die fünf Juroren hätten ihre Wahl einstimmig getroffen. James' Buch setzte sich in der Endauswahl gegen fünf andere Werke durch.

50'000 Pfund Preisgeld

James bekam den mit 50'000 Pfund prämierten Preis während eines Gala-Dinners in der mittelalterlichen Londoner Guildhall überreicht. «A Brief History of Seven Killings» ist sein dritter Roman als Schriftsteller. Dabei habe er das Schreiben vor gut einem Jahrzehnt fast aufgegeben, nachdem sein Debütwerk «John Crow's Devil» einst von 70 Verlagen abgelehnt worden sei, sagte der mittlerweile in der US-Stadt Minneapolis lebende Jamaikaner bei der Preisverleihung. Dass er nun den Booker Prize bekomme, sei «surreal».

In dem ausgezeichneten Buch schildert James neben dem Attentatsversuch auf Bob Marley 1976 auch das Aufkommen von politischer Gewalt in Jamaika und des Konsums der Droge Crack in den USA. Marley wird in dem Werk nur als «der Sänger» beschrieben. Die Handlung wird von etlichen Stimmen wiedergegeben, darunter Gangster, Geister, Drogenhändler und CIA-Agenten. James lässt sie die Geschichte in mehreren Dialekten, angefangen beim amerikanischen Englisch bis hin zur jamaikanischen Mundart, erzählen.

Kritiker haben das Buch mit den Bewusstseinsströmen eines William Faulkner und den gewalttätigen Filmen eines Quentin Tarantino verglichen. James selbst führt dagegen Charles Dickens als eine Inspirationsquelle an.

Preis kurbelt Verkaufszahlen an

Der Booker Prize wurde seit seiner Einführung im Jahr 1969 jahrzehntelang nur an Autoren aus dem Vereinigten Königreich, Irland und dem Commomwealth vergeben. Seit vergangenem Jahr steht er für englischsprachige Werke von Autoren aller Nationalitäten offen.

Die Auszeichnung sorgt in der Regel dafür, dass die Werke eines Preisträgers deutlich häufiger verkauft werden. Als Hilary Mantel 2009 für die Tudor-Saga «Wolf Hall» («Wölfe») den Preis gewann, wurde aus der bis dato durchschnittlich erfolgreichen Autorin ein Superstar der Literatur.

James sagte, er erhoffe sich, dass der Literatur auf Jamaika und in der gesamten Karibik durch seinen Sieg mehr Beachtung geschenkt werde. «Ich denke, es gibt einige brandneue Stimmen, die die zeitgenössische Gesellschaft erkunden, die erforschen, was hinter Politik, was hinter Kolonialismus steckt.»

AP/chk

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