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Am Meer mit Steinen in den Taschen

Lesenswert sind in Zoë Jennys neuem Erzählband jene Geschichten, in denen die Figuren Todessehnsucht haben.

Jenny verarbeitete in ihrem neuen Buch auch den Tod des Autors Jürg Federspiel.
Jenny verarbeitete in ihrem neuen Buch auch den Tod des Autors Jürg Federspiel.
Tom Kawara
Preisträgerin: Jenny (ganz rechts) am renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1997.
Preisträgerin: Jenny (ganz rechts) am renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1997.
Keystone
Mädchenhaftigkeit wird ihr häufig vorgeworfen: Jenny am 6. Dezember 2011 in Basel.
Mädchenhaftigkeit wird ihr häufig vorgeworfen: Jenny am 6. Dezember 2011 in Basel.
Keystone
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Vor zehn Jahren streifte ein merkwürdiges Pärchen durch New York. Hier der wütend alternde Derwisch Jürg Federspiel, der seit langem schon in der Stadt lebte und als Autor der «Ballade von der Typhoid Mary» bekannt wurde. Dort das durch den Rummel irritierte «Fräuleinwunder» Zoë Jenny, die als 23-Jährige mit ihrem «Blütenstaubzimmer» das meistverkaufte Debüt der Schweizer Literaturgeschichte geschrieben hatte, deren nachfolgende Bücher von der Kritik aber sehr ungnädig aufgenommen worden waren und die sich neu sammeln wollte. In New York kannte sie niemanden ausser Federspiel, und niemand kannte sie. Federspiel stellte Jenny seinen Freunden vor und führte sie in die Szene ein; sie tauschten und begutachteten ihre Manuskripte; er zeigte ihr die Bars, die guten Restaurants und die Jazzclubs und gab für ein paar Wochen den sarkastischen Unterhalter. «Er konnte bitterböse sein», sagt Jenny während eines Gesprächs in Zürich, wo sie nun seit Anfang Jahr mit ihrer Tochter wohnt. Sie lacht und fügt dann eilig an: «Es war eine platonische Beziehung, wohlverstanden!»

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