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«Viel zu simpel»

Literaturwissenschaftler Caspar Battegay sieht die «Wolkenbruch»-Bestseller kritisch. Sie vertieften die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden in der Schweiz.

Verfilmung eines Bestsellers: Szene aus der «Wolkenbruch»-Adaption von Michael Steiner.

Verfilmung eines Bestsellers: Szene aus der «Wolkenbruch»-Adaption von Michael Steiner.

(Bild: DCM)

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Ihrer Meinung nach bestehen die «Wolkenbruch»-Romane von Thomas Meyer aus plumpen jüdischen Stereotypen. Meyer arbeitet mit Satire – und basiert Satire nicht stets auf Stereotypen?
Fragt sich halt, was man mit den Stereotypen genau anstellt. Die Romane von Meyer «verheben» einfach nicht, um einen passenden Helvetismus zu verwenden. Dem Autor fehlt offensichtlich das kulturelle Wissen, um souverän mit den Stereotypen umgehen zu können. Das zeigt sich etwa am von Meyer verwendeten Pseudojiddisch, das das echte Jiddisch letztlich infantilisiert. Andererseits überzeichnet Meyer die jüdischen Stereotypen nicht stark genug, als dass sie als solche erkenntlich werden. Meyers Romane vertiefen die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden in der Schweiz, der Autor bestätigt einfach Vorurteile und Hierarchien.

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