Sein Erstling war ein Kraftakt

Wer meint, ein guter Thriller schreibe sich so leicht, wie man ihn liest, wird bei Peter Beck eines Besseren belehrt. Fünf Jahre hat der Berner Unternehmensberater an seinem Erstlingsroman «Söldner des Geldes» gearbeitet.

Multitalent geht unter die Autoren: Peter Beck, Unternehmensberater und Judokämpfer (im Anzug), hat einen Thriller geschrieben.

Multitalent geht unter die Autoren: Peter Beck, Unternehmensberater und Judokämpfer (im Anzug), hat einen Thriller geschrieben. Bild: Urs Baumann

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Dem Aussehen nach könnte er ebenso gut ein kluger Wissenschaftler sein wie ein erfolgreicher Sportler. Beim Treffen indes sieht er im Anzug aus wie ein smarter Unternehmer. Peter Beck (47) vereint vieles in sich. Nun ist er gar zum Thrillerautor geworden. «Seit ich lesen kann, wollte ich ein spannendes Buch schreiben», erinnert er sich.

Vielfältige Erfahrung

Vorher aber hat er an der Uni Bern in Organisationspsychologie doktoriert und in Manchester einen MBA (Master of Business Administration) gemacht. Zehn Jahre arbeitete er bei der Schweizer Post, zuletzt in der Geschäftsleitung der Briefpost. Seit 2008 ist er selbstständig, unterstützt Organisationen bei der Weiterentwicklung ihrer Unternehmenskultur.

«Es gibt Leute, die ein Leben lang dasselbe machen und sich dabei zu Tode langweilen», sagt Peter Beck. «Das soll mir nicht passieren.» Deshalb begann er, seine Erfahrungen für ein Buch zu nutzen. An Vorbildern fehlt es ihm nicht. In seiner grosszügigen Berner Wohnung, die auch als Büro dient, ist das Büchergestell vollgestopft mit Spannungsliteratur: von Lee Child, John Grisham über Denise Mina, Ian Rankin zu Henning Mankell und Jo Nesbo. Am meisten bewundert er John le Carré: «Vor allem die frühen Agentenromane mit George Smiley, später wird er etwas langfädig.»

Das kann man seinem eigenen Thriller sicher nicht vorwerfen: Schlag auf Schlag folgen sich darin Szenen tödlicher Gefahr. Tom Winter, Sicherheitschef einer Bank, meistert sie kaltblütig. Nicht zufällig am elegantesten mit Judo: Peter Beck ist Schwarzgurtträger. Obwohl Winter sich seiner Gegner brutal erledigt, ist er ein sympathisch feinfühliger Mann. «Ich wollte keinen knorrigen Kommissar oder versoffenen Privatdetektiv, sondern einen Helden, mit dem man sich identifizieren kann», betont der Autor.

Starke Charaktere

Prägnant skizziert er auch die zahlreichen Nebenfiguren. «Kollegen mögen sich in den geschilderten Bürogefechten wiedererkennen», schmunzelt ihr Schöpfer. Und die Frauen sind keine dekorativen Püppchen, wie oft in dieser Literaturgattung, sondern starke Charaktere. Dass Beck die Schauplätze in Ägypten, Norwegen und den USA aus eigener Anschauung beschreibt, beweisen die vielen Reiseführer in seinem Büchergestell. Ausserdem stütze er sich auf seine Fotos, von denen ein paar sehr gelungene an seinen Wänden hängen. Man glaubt ihm sofort, wenn er sagt: «Ich bin ein sehr visueller Typ, in meiner Vorstellung sehe ich jede Szene in allen Einzelheiten.»

Ernsthafte Botschaft

Deshalb fühlt man sich bei der Lektüre seines Thrillers wie in einem James-Bond-Film. Er liebäugle tatsächlich mit dem angelsächsischen Buchmarkt und würde ein Angebot aus Hollywood sicher nicht ablehnen, gesteht der Autor. Deshalb überlegt er sich eine englische Übersetzung – seine Lebenspartnerin ist schliesslich Anglistin. Aber vorläufig freut er sich einfach, seinen Erstling schön gedruckt in der Hand zu halten.

Während fünf Jahren hat er daran gearbeitet: die Handlung gestrafft, die Kapitel strukturiert, an der Sprache gefeilt. Mindestens zehn Fassungen hat er fertiggestellt und sie an viele Verlage geschickt. «Das ergibt einen Stundenlohn von weniger als einem Franken», lacht er selbstironisch. Und ist der Meinung, ein Buch zu schreiben, bedeute vor allem Fleissarbeit. Zur Frage, ob es ihm denn nie verleidet sei, sagt er trocken: «Ich bin Marathonläufer, da gibt man nicht auf.»

Wichtig ist ihm noch die Feststellung, dass er in erster Linie spannende Unterhaltung bezweckt habe und nicht etwa ein Manifest gegen den Kapitalismus: «Ich bin zwar ein kritischer Mensch, zum Beispiel in Bezug auf Atomkraftwerke», betont er «aber ich bin der Ansicht, dass die Globalisierung zum Wohlstand auf der Welt beiträgt. Doch Transparenz muss sein!» Es ist deshalb durchaus beabsichtigt, wenn «Söldner des Geldes» trotz aller Spannung auch ein wenig zu Nachdenklichkeit anregt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.09.2013, 07:18 Uhr

Zum Buch

Das Debüt von Peter Beck ist intelligenter Lesespass für Liebhaber von Wirtschaftsthrillern: Im Gebirge stürzt ein Helikopter ab mit einem superreichen Scheich, Kunde einer Berner Privatbank. Deren Sicherheitschef Tom Winter verliert dabei seine geliebte Arbeitskollegin Anne. Bald wird klar, dass es sich um einen Anschlag handelt. Doch wer steckt dahinter: arabische Konkurrenten um den Bau eines Atomkraftwerks in Kairo oder Terroristen? Bei seinen Nachforschungen an internationalen Schauplätzen stösst Winter, ehemaliger Einsatzleiter der Spezialeinheit Enzian, auf verzweigte Intrigen von Finanzhaien, die durch die Kontrolle wichtiger Infrastrukturen die Weltherrschaft anstreben. Das bringt ihn immer wieder in Todesgefahr, aus der er sich brillant befreit. Erholung findet er in der Affäre mit einer schönen ägyptischen Karrierefrau.

Peter Beck: «Söldner des Geldes», Emons-Verlag, 480 S., www.peter-beck.ch.

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