Rosenkavaliere und Glückskartendiebe

Ein neuer Berner Kommissar taucht auf der literarischen Landkarte auf: Mit liebevollem Humor nimmt Godi Huber in dreizehn unblutigen Kürzestkrimis das Genre aufs Korn.

Godi Huber: Bärige Menschlichkeit durchzieht seine Kürzestkrimis.

Godi Huber: Bärige Menschlichkeit durchzieht seine Kürzestkrimis.

(Bild: zvg)

Was für ein Auftakt: «Bruno Peretti, ein altgedienter Tschugger der Berner Kantonspolizei, gehörte nicht zu denen, die Tage zählen. Deshalb war die Pensionierung plötzlich da. Noch eine Woche Akten ausmisten, dann würde er sich von den Kollegen und Büropflanzen verabschieden. Da trat der Chef ins Büro, ein Dossier in der Hand. ‹Bruno, du bist der einzige, der Zeit hat. Ein Taxi mit Fahrer ist spurlos verschwunden. Kümmere dich darum.›» Brunos letzter Fall bei der Kantonspolizei ist zugleich sein erster Fall im Land der Literatur.

Stapel Bierdeckel in der Stammbeiz

Blut fliesst nicht in den Kürzestkrimis von Godi Huber, dem Kommunikationsleiter der Gemeinde Köniz und früheren Mitarbeiter der Berner Zeitung. Dafür durchzieht feiner Humor die Geschichten. Seine Hauptfigur hat der 1958 geborene Autor bestehenden Kommissaren nachempfunden – Donna Leons unermüdlicher Brunetti klingt in dessen Namen an oder auch Bruno, der Chef de Police der Périgord-Krimis von Martin Walker. Ausgestattet ist Peretti aber mit bärigen – pardon bernischen Attributen: Er ist gutmütig, menschlich und ein notorischer Beizengänger.

In seiner Stammbeiz bestellt er jeweils ein Bier und einen Stapel Bierdeckel: «Indem er die Deckel auslegte, einsammelte, auslegte und wieder einsammelte, ordnete er seine Gedanken, bis sich Beobachtungen und Ahnungen zu einer Spur verdichteten.» Peretti beschattet einen Rosenkavalier, lauert einer Diebin von Glückskarten auf oder spürt einem gelben Taxi nach, das sich bis San Remo verfahren hat. Und über die dreizehn Kurzkrimis, die je für sich selbst stehen, bahnt sich eine Liebesgeschichte an mit Frau Huber, Perettis Lieblingsnachbarin.

Berner Verlag

Erschienen sind die Krimis im Berner Verlag Sage und Schreibe, der mit dem Büchlein seinen Einstand gibt. Gegründet wurde er unter anderem von Tina Uhlmann, einer langjährigen Mitarbeiterin der Berner Zeitung. Weil die Krimis aus dem Bernbiet so kurz, so dialogisch und dialektal gefärbt sind, vertonte sie der Radiomann Pierre Kocher – gelesen von Schauspieler Dieter Stoll und mit Akkordeonklängen untermalt.

Anne-Sophie Scholl;«Bruno Peretti – Bärenstark»: Godi Huber, Sage und Schreibe, 72 Seiten. Vernissage: 6. Mai, Thalia Thun; Radio: Radio Berner Oberland, ab 26. April, 20 Uhr; Radio Rabe, ab 28 .April, 18.30 Uhr. Info und weitere Termine:

www.sageundschreibe-verlag.ch

Berner Zeitung

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