Erotik in «1001 Nacht» – Islamisten fordern Zensur

Im Orient wird das literarische Meisterwerk wegen seiner erotischen Passagen angefeindet.

«So wandte er sich zu ihr und löste den Halsschluss ihres Hemdes, also dass er ihren Leib und ihren Busen enthüllte und Liebesglut und Sinnengier noch wuchsen»: Bild zur Textpassage aus der Geschichte des Prinzen Kamar es-Saman.

«So wandte er sich zu ihr und löste den Halsschluss ihres Hemdes, also dass er ihren Leib und ihren Busen enthüllte und Liebesglut und Sinnengier noch wuchsen»: Bild zur Textpassage aus der Geschichte des Prinzen Kamar es-Saman.

Im islamischen Königreich Saudiarabien steht «Tausendundeine Nacht» auf dem Index. In Kairo befasst sich der Generalstaatsanwalt gerade mit einer Klage gegen das Werk, die eine Gruppe von Anwälten eingereicht hat.

Die empörten Muslime fordern, die Verantwortlichen einer Behörde zu verurteilen, die kürzlich eine vom Kulturministerium subventionierte Ausgabe auf den Markt brachte. Die beiden Bände, die extrem günstig angeboten wurden, waren rasch ausverkauft.

Ein Exemplar des Buches, das von hübschen Sklavinnen, listigen Händlern und abenteuerlustigen Königen handelt, fiel auch den sittenstrengen ägyptischen Anwälten - zwei Frauen und acht Männer – in die Hände. Am 17. April übergaben sie den Justizbehörden eine Klageschrift.

Darin zitieren sie einige Passagen aus dem Werk, die aus ihrer Sicht anstössig sind und deshalb «der öffentlichen Moral schaden». In diesen Auszügen geht es unter anderem um erotische Spielchen und die Frage, wie man Erektionsprobleme beheben kann.

Erigierter Penis als Kulturgut

Zu den Intellektuellen, die in der Klageschrift genannt werden, gehört auch der bekannte ägyptische Schriftsteller Gamal al-Ghitani («Das Buch der Schicksale»). «Diese Klage ist Teil einer Kampagne gegen Intellektuelle», sagt er. Die Islamisten hätten es aber nicht nur auf Kulturschaffende wie ihn abgesehen, sondern auch auf die Regierung, die sie durch ihre Klage zwingen wollten, Position zu beziehen.

Faruk Hosni, der ägyptische Kulturminister, hat dies auch schon getan. Er urteilte, die Forderung, «Tausendundeine Nacht» zu zensieren, sei ungefähr so absurd wie die Idee, Statuen und Reliefs des altägyptischen Fruchtbarkeitsgottes Min zu zerstören. Min wurde teilweise nackt und mit erigiertem Penis dargestellt.

Viele Fassungen

Es ist nicht das erste Mal, dass sittenstrenge ägyptische Muslime die erotische Komponente der Erzählungen von Scheherazade zensieren wollen. 1985 hatten Islamisten die Justiz mit einer illustrierten libanesischen Ausgabe des Werkes konfrontiert, die in Ägypten verkauft worden war.

Sie forderten das Gericht damals auf, zu prüfen, ob der Verlag den authentischen Text veröffentlicht habe. Doch eine verbindliche Standardfassung der spannenden Erzählungen, mit denen Scheherazade den König davon abhalten will, sie zu töten, gibt es nicht. Vielmehr kursieren mehrere Versionen, zu denen auch die nun neu veröffentlichte ägyptische «Bulak-Ausgabe» zählt.

Die Islamisten hatten damals zunächst ein Verbot des Werkes bewirken können, dieses wurde jedoch im Januar 1986 wieder aufgehoben. Der Richter sagte damals in seiner Urteilsbegründung, die erotischen Passagen dürfe man nicht aus dem Zusammenhang reissen.

Den Klägern gab er folgendes zu Bedenken: «Wenn jemand das Buch nur zur Lektüre dieser Passagen erwirbt, dann muss er entweder krank oder dumm sein.»

phz/sda

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