«Die Mehrheit der Vorwürfe ist lächerlich»

Nachdem Rolf Dobelli von Star-Ökonom Nassim Taleb des Ideenklaus bezichtigt worden ist, nimmt der Schweizer Autor nun gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz Stellung.

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Guido Kalberer@tagesanzeiger

Was ist passiert, dass Nassim Taleb so ausser sich ist? Ich habe keine Ahnung! Es ist nichts passiert zwischen uns, das in irgendeiner Weise Ursache für solche Vorwürfe hätte sein können. Nassim Taleb hat mein ins Englische übersetztes Buch lange vor der Veröffentlichung gesehen, er hat sogar eine Empfehlung geschrieben, was er selten macht. Nassim Taleb war stets über alles informiert, und es gab nichts, was er auszusetzen gehabt hätte. Selbst bei der Buchvernissage im Schweizer Konsulat in New York im Mai 2013 waren wir zusammen auf der Bühne. Danach gingen wir Sushi essen.

Was ist dann der Grund für die Angriffe? Wollen Sie meine Hypothese wissen? Seit Talebs neues Buch, «Antifragile», nicht den gleichen von ihm erhofften Erfolg hat wie «Der Schwarze Schwan», ist er enttäuscht und fängt an, bösartig gegen alle möglichen Leute zu schiessen. Er will vielleicht nicht, dass ein Europäer erfolgreich ist in der intellektuellen Szene der USA. Und dass mein neues Buch in England besser läuft als sein neues Buch – könnte auch ein Problem für ihn sein. Seit einem halben Jahr ist Nassim Taleb aggressiv, schlägt wild um sich und wirft die Leute der Social-Media-Meute vor. Auch die Star-Denker Richard Dawkins und Steven Pinker hat er angegriffen und allerlei Fehler bezichtigt.

An 23 Beispielen wirft er Ihnen vor, abgeschrieben zu haben. Die Verlage und ich sind diese alle durchgegangen. Die Mehrheit der Vorwürfe ist lächerlich oder absurd, da die Textstellen gar nicht von ihm sind, sondern von Warren Buffett oder anderen Leuten beziehungsweise aus der europäischen Denktradition stammen. Die Via negativa ist ein altes Denkkonzept, das nicht von Taleb stammt, sondern von den alten Griechen. Das sind also nicht Talebs Gedanken oder Ideen. An zwei oder drei Stellen hätte ich ihn im Text nennen sollen (da wird er nur im Anhang erwähnt). Ich werde dies nun ändern. Ich zitiere ihn ohnehin schon 30-mal, in der nächsten Ausgabe werden es zwei oder drei Male mehr sein.

Werden Sie sich gegen diese Vorwürfe wehren? Rechtlich kann man nichts machen.

Taleb wusste ja, dass Sie ähnlich denken wie er. Ja, selbstverständlich. Wir sind seit zehn Jahren befreundet. Er sagte bei «Zurich. Minds» im Dezember 2011, dass ich ihm wahnsinnig geholfen hätte beim «Black Swan», ja, dass das Buch ohne mich nicht so gut geworden wäre. Das Video ist auf Youtube. Er bedankt sich im Buch ja an erster Stelle bei mir.

Verletzen Sie Worte wie «Trottel», «Arschloch» usw.? Das ist sehr verletzend für mich. Ich bin enttäuscht, auch darüber, dass er mir das nicht privat gesagt hat und wir dies auf diesem Weg hätten klären können. Was jetzt passiert, ist unnötig und traurig.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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