«Berge sind mein natürliches Habitat»

Er ist Frauenschwarm, Patientenversteher und weit gereister Bergbube: Hans Sigl verkörpert seit 2008 den Titelhelden Martin Gruber in der TV-Serie «Der Bergdoktor». Aber wie hält er es selber mit den Bergen?

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Hans Sigl: Hallo?

Ja, hallo, Herr Sigl?
Ja, guete Tag! Wie geits?

Danke, sehr gut. Sie sprechen ja Schweizerdeutsch! Wie kommt das?
Ich habe zehn Jahre lang in Vorarlberg gelebt, und der Dialekt, der dort gesprochen wird, ist dem Schweizerdeutsch sehr ähnlich. Weil ich gut mit Dialekten umgehen kann und ein paar Schweizer Freunde habe, habe ich irgendwann gedacht, dass ich es ja lernen könnte. Und das habe ich dann getan.

Sie stammen aus der Steiermark, sind als «Bergdoktor»beruflich ständig in den Bergen. Können Sie Berge noch sehen?
Berge sind mein natürliches Habitat. Für mich sind sie Normalität, ich bin ja in dieser Umgebung aufgewachsen. Wenn mich jemand aus der Grossstadt fragt, wie meine Beziehung zu den Bergen sei, sage ich, dass sie einfach da sind, dass sie zu meinem Lebensraum gehören. Oder anders gesagt: Berge sind nichts Besonderes für mich. Wenn ich Lust habe, zu wandern, gehe ich einfach hoch, wandere und mache kein grosses Ding draus.

Haben Sie einen Lieblingsberg?
Natürlich schon den Wilden Kaiser im Tirol, wo der «Bergdoktor» spielt. Es ist jener Berg, der mir ständig vor der Nase steht. Seit ich mit der Serie angefangen habe, mache ich jeden Tag ein Foto von ihm.

«Ich habe u huere viele Fotos vom Wilden Kaiser. Dieser Berg ist mein Begleiter.»Hans Sigl

Sie fotografieren seit über zehn Jahren jeden Tag den Wilden Kaiser?
Ja! Er ist jeden Tag eindrucksvoll. Wenn es neblig ist, wenn es regnet, wenn die Sonne scheint, er sieht immer anders aus. Ich habe u huere viele Fotos von diesem Berg. Er ist mein Begleiter.

Welches Gefühl verbinden Sie mit Bergen?
Ein Berg vermittelt und gibt Kraft. Das war für mich schon als Kind so, auch wenn damals die Berge noch höher schienen, weil ich ja noch kleiner war. Berge schenken den Menschen Ruhe, Gelassenheit, Geborgenheit. Wenn ich in Hamburg oder Berlin oder sonst wo unterwegs auf der Welt bin, merke ich relativ schnell, dass ich Sehnsucht habe nach diesen Kraftorten. Ich gehe dann ein bisschen in mich. So kann ich gedanklich hoch auf den Berg fliegen und runterschauen. Das beruhigt mich.

Waren Sie auch schon auf einem Schweizer Berg?
Es ist hart, das zu sagen, aber: Nein. Ich nehme es mir allerdings fest vor. Das Matterhorn schaffe ich. Diesen Winter!

Sie spielen seit 2008 den Bergarzt Martin Gruber. Sind Sie im Laufe der Jahre selbst ein bisschen zu ihm geworden?
Nein, gar nicht. Er ist eher wie ein guter Freund, ich kenne ihn in- und auswendig, ich habe ein sehr vertrautes Verhältnis zu ihm.

Ein guter Freund nervt manchmal auch.
Er nervt mich gar nicht. Sie können mich um 3 Uhr nachts wecken und ich spiele ihn. Für mich ist es eine schöne Sache, dass ich die Figur über so viele Jahre spielen darf. So konnte und kann ich auch seinen Charakter verändern und prägen. Es gibt ja viele Schauspieler, die keine Lust auf solche Rollen haben. Aber ich mag diese Kontinuität.

Können Sie im richtigen Leben Erste Hilfe leisten?
Ich hoffe natürlich, dass ich das nicht muss. Aber ich glaube, es würde gehen. Ich habe Zivildienst als Pfleger in einer Klinik in Innsbruck geleistet. Stabile Seitenlage, Erste Hilfe, da ist schon was hängen geblieben.

Können Sie Blut sehen?
Ja. Da bin ich durch den Zivildienst abgehärtet.

Wird die Arbeit eines Bergarztes in der Serie realistisch dargestellt?
Nein. Das ist natürlich eine fiktionale Unternehmung. Man muss romantisieren, dramatisieren. Film ist immer ein bisschen bigger than Life und ein bisschen harder than Life. Wenn wir im «Bergdoktor» alles genau so darstellen würden, wie es in der Realität ist, bräuchten wir ja den ganzen Abend, um einen Arzteinsatz zu erzählen.

Die Serie ist seit Jahren einPublikumsrenner und hat eine aussergewöhnlich treue Fan­gemeinde, auch in der Schweiz. Was ist das Geheimnis?
Ich denke, dass das Publikum von der ersten Staffel an gemerkt hat, dass wir emotional hochstehende Geschichten erzählen. Es ist keine heile Welt dort oben. Nach den ersten 2 Minuten geht es jedes Mal drunter und drüber, in der Familie, mit den Krankheitsfällen. Selbstverständlich hat es uns am Anfang auch geholfen, dass die Leute den «Bergdoktor» von früher kannten, als die Serie mit anderen Schauspielern bereits Erfolge feierte. Seit wir 2008 angefangen haben, hat sich viel verändert. Die Episoden wurden von 45 auf 90 Minuten verlängert, wir haben viel am Look gearbeitet, an den Bildern. Die Zuschauer sind diesen Weg mitgegangen. Der wichtigste Schlüssel für den Erfolg ist aber wohl, dass die Leute Sehnsucht haben.

Wonach?
Nach den Gefühlen, die sie mit Bergen verbinden: Gelassenheit, Geborgenheit, Bodenständigkeit, Heimat. Sie kommen am Donnerstagabend zusammen und besuchen gemeinsam die Grubers im Tirol. Das ist ein bisschen wie früher, als die Menschen am Lagerfeuer zusammenkamen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 21:34 Uhr

Zu Person und Serie

Seit 2008 ist Hans Sigl der «Bergdoktor». In der deutsch-österreichischen TV-Serie gibt der 49-Jährige den Titelhelden Martin Gruber, der nach Wanderjahren in München, Paris und New York in seinen Heimatort Ellmau im Tirol zurückkehrt und dort die Aufgaben als Dorfarzt übernimmt. Er kümmert sich nicht nur um seine Patienten, sondern auch um allerhand Probleme und Katastrophen.

«Der Bergdoktor» läuft auf ZDF und ORF und ist eine der erfolgreichsten deutschsprachigen TV-Serien überhaupt. Die letzte Staffel erreichte in diesem Jahr in Deutschland regelmässig über 20 Prozent Marktanteil, was im hart umkämpften dortigen TV-Markt ein sehr hoher Wert ist. Derzeit laufen die Dreharbeiten zur zwölften Staffel, die Anfang 2019 auf Sendung geht.

Sigl wurde nach diversen Engagements an Theatern durch die Krimiserie «Soko Kitzbühel» bekannt, in der er von 2001 bis 2006 zu sehen war. Er ist verheiratet, hat einen Sohn aus früherer Ehe und lebt in Bayern. fs

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