Zauberhafte Schmetterlinge

Die Ausstellung «Faltertanz und Hundefest. Ernst Kreidolf und die Tiere» zelebriert die Tierwelt des beliebten Bilderbuchillustrators und zeigt ihn als begnadeten Naturbeobachter mit einem Flair für das Zauberhafte.

«Sommervögel: Schwalbenschwanz» ist Naturstudie und Fantasiewelt Ernst Kreidolfs aus dem Jahre 1908.

«Sommervögel: Schwalbenschwanz» ist Naturstudie und Fantasiewelt Ernst Kreidolfs aus dem Jahre 1908.

(Bild: zvg)

Heuschrecken widmen sich einem lustigen Ballspiel, Hunde veranstalten rauschende Ballnächte, und ein Schmetterling erholt sich in einer Hängematte von seinem anstrengenden Flug. Die bunten Bildwelten des in Bern geborenen Künstlers Ernst Kreidolf (1863–1956) sind von Tieren aller Art bevölkert. Zum 150. Geburtstag widmet ihm das Kunstmuseum eine Schau, die den Bilderbuchillustrator von seiner naturwissenschaftlichen und gleichzeitig märchenhaften Seite präsentiert.

Die von Claudine Metzger und Barbara Stark konzipierte Ausstellung zeigt neben Originalentwürfen zu den Bilderbüchern auch einige bisher noch nie gezeigte Werke aus dem Frühwerk Kreidolfs. Diese lassen erkennen, dass sein künstlerischer Werdegang stark von seinen Jugendjahren, die er auf dem Bauernhof seiner Grosseltern in Tägerwilen verbrachte, geprägt ist. Dort verrichtete er im Sommer nicht nur Hofarbeit. Er widmete sich auch der Naturbeobachtung und verarbeitete diese Eindrücke im Winter zu detaillierten Studien.

Faszinierende Kleintiere

Ganz besonders interessierten den Künstler kleine, leicht übersehbare Tiere wie Schmetterlinge und Heuschrecken. Kreidolf erlebte diese «Welt im Kleinen» als genauso schön und sinnreich wie die «sogenannt grosse Welt».

Um diese Wesen besser studieren zu können, legte er sich zum Beispiel seine eigene Sammlung aufgespannter Schmetterlinge an. Dies tat er jedoch nicht ohne Gewissensbisse, denn für ihn waren die Insekten «Blumen, die fliegen können». Hier zeigt sich, dass Kreidolf ein ganz spezielles Verständnis der natürlichen Welt hatte. Die von ihm gezeichneten Lebewesen entsprechen zwar der zoologischen Wirklichkeit, doch waren sie für ihn nicht einfach nur wissenschaftliche Objekte.

Fantasie und Märchenhaftigkeit sind selbstverständliche Bestandteile seiner Bildwelt. Als Kreidolf 1889 im Alter von 26 Jahren aus gesundheitlichen Gründen die Münchner Kunstakademie verlassen musste, zog er sich auf das Land zurück. Hier begann er die unsichtbaren, ja magischen Kräfte der Natur wahrzunehmen und diese in seine Bilder einfliessen zu lassen.

Menschliche Tiere

Kreidolf zeigt ein grosses Einfühlungsvermögen in das Wesen der Tiere und bringt ihre individuellen Eigenschaften geschickt zu Papier. Er verleiht ihnen menschliche Züge, ohne sie zu entfremden. Heuschrecken werden so zu Frühlingsboten, und Schmetterlinge symbolisieren den Lebenszyklus. Es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein bei Kreidolf. Die Vergänglichkeit des Lebens wird in seinen Werken immer wieder thematisiert: Der Mistkäfer tritt als Totengräber auf, und die Totenkopfraupe mischt sich immer wieder als unheimlicher Bote unter das fröhliche Treiben. So erzählen die Bilder fantastische Geschichten, die Gross und Klein in ihren Bann ziehen. Christina Steffen

Ausstellung: bis am 29.09. im Kunstmuseum Bern.

Berner Zeitung

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