Langenthal

Hommage an Bruno Hesse

LangenthalVon der Kinderzeichnung bis zum letzten Aquarell: Die Hommage an Bruno Hesse im Kunstlokal Adhoc in Langenthal wird die bisher umfassendste Ausstellung mit zum Teil noch nie gezeigten Bildern des Malers aus den Buchsibergen.

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Er stand sein ganzes Leben lang im Schatten zweier grosser Männer: Vater Hermann Hesse war der weltweit meistgelesene deutsche Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger («Steppenwolf», «Siddhartha»), der Maler Cuno Amiet sein Pflegevater und Lehrer. Im Alter von 15 Jahren kam der 1905 geborene Bruno Hesse nach Oschwand. Seine Eltern hatten sich getrennt.

In der von Ruth Blum und Beat Hugi gestalteten Ausstellung ist die allererste bekannte Kinderzeichnung von Bruno Hesse zu sehen: ein Affe, signiert von Vater Hermann Hesse – aber auch das letzte Aquarell von 1993. Erstmals zu sehen sind eine Reihe von Bildern aus den Jugendjahren. Die ausgeprägten Farben deuten darauf hin, dass er sich stark von Cuno Amiet inspirieren liess. Von ihm wird gesagt, er habe die Farbe in die Schweizer Kunst gebracht. Als besondere Zugabe sind denn auch einzelne Werke von Cuno Amiet zu sehen.

Wasser und Wolken

Während Amiet grosse Formate liebte, malte Hesse vorwiegend kleine. Mit dem Verkauf seiner Bilder musste er seine Familie durchbringen. Deshalb malte er, was sich verkaufen liess: Landschaften, Wälder, Häuser, Blumen. Besonders liebte er das Wasser und die Wolken oder den Blick auf den Jura. Ausgewählte Aquarelle, Radierungen und Lithografien stehen während der bis am 12.Januar dauernden Ausstellung zum Verkauf.

Zahlreiche Leihgaben

1926/1927 besuchte Bruno Hesse die Ecole des beaux-arts in Genf. In den folgenden drei Wintern war er an der Académie Julian in Paris. Seine erste Ausstellung hatte er 1929 in Zürich. In jungen Jahren unternahm er ausgedehnte Reisen mit Malerfreunden, oft zu Fuss oder mit dem Velo. Am liebsten nach Italien. Trotzdem blieb er den Buchsibergen immer treu. Im Buchser Kreuz stellte er bis ins hohe Alter regelmässig einmal jährlich aus.

Die meisten der in Langenthal zu sehenden Bilder befinden sich im Besitz der Familie. Ein Aufruf in dieser Zeitung führte aber auch zu zahlreichen Leihgaben von teilweise unbekannten Bildern. «Vor allem aber kam es zu sehr interessanten Begegnungen und Geschichten», sagt Beat Hugi. Walter Ischi, der 90-jährige frühere Posthalter von Oschwand, oder die Lehrerin Heidi Kirchhofer wussten besonders Spannendes zu berichten.

In Spych zu Hause

Zuerst lebte Bruno Hesse mit seiner Familie in Juchten, ab 1939 bis zu seinem Tod 1999 in Spych. Seine erste Frau, Kläri Friedli, war dort aufgewachsen. Sie starb 1966 nur 56-jährig an einer Hirnblutung. 1974 heiratete Bruno Hesse seine damalige Haushälterin Rosa Berger-Bühlmann.

Zum 85.Geburtstag ihres Vaters organisierte Christine Widmer 1991 eine Ausstellung im Kornhaus Herzogenbuchsee. Im Jahr 2000 folgte eine weitere grössere Ausstellung im Museo Hermann Hesse in Montagnola. Das Oberaargauer Jahrbuch brachte ebenfalls im Jahr 2000 Fotos und einen ausführlichen Text, verfasst von Schwiegersohn Fritz Widmer (bekannt als Berner Troubadour).

Hohe Erwartungen

Bruno Hesse arbeitete gerne ungestört und alleine. Er litt aber unter den hohen Erwartungen, die er an sich selber stellte. Vater Hermann Hesse riet ihm in einem Brief, sich selbst zu finden und nicht andere Ideale anzustreben: «Sich selber spüren, nur dann ist man in Harmonie mit der Welt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.12.2013, 12:02 Uhr

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