«Am Anfang waren Liveauftritte Horror»

Bern Stadt

Letzten Sommer landeten sie mit «Estavayeah» einen Sommerhit: Am Samstag geben Jeans for Jesus ihr Gurten-Debüt. Die vier Berner Jungs über iPad-Pannen auf der Bühne, Chili züchten und warum sie vor lauter Nervosität das Interview nicht auf dem Gurten geben konnten.

  • loading indicator
Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Wann wart ihr zum ersten Mal am Gurtenfestival?Mike: 1994 mit meinen Eltern am Gianna-Nannini-Konzert. Ich war sechs, es war lustig. Philippe: Keine Ahnung. Demi: Als Motörhead spielten. Ich war zwölf und mit meinem jüngeren Bruder ganz vorne am Gitter. Der Bronco fragte uns ständig, ob wir raus wollen. Wir hatten zwar Angst, aber wollten nicht weg. Marcel: Als Björk gespielt hat.

Erst letzten Sommer ist Eure Single «Estavayeah» erschienen und hat für viel Wirbel gesorgt in der Schweizer Musikszene. Hättet ihr Euch träumen lassen, ein Jahr später auf dem Gurten zu spielen?Mike:Das haben wir uns damals gar nicht überlegt. Ein paar DJs haben letztes Jahr auf dem Gurten bereits unseren Song gespielt. Es gibt offenbar Leute, die meinen, wir seien selbst nur ein DJ-Team. Manchmal wäre uns das wohl fast lieber gewesen.

Warum?Mike: Am Anfang waren Liveauftritte Horror für uns. Die Plattentaufe im Dachstock im Februar war erst unser vierter Aufritt. Den konnte ich noch überhaupt nicht geniessen. Aber mittlerweile macht es uns grossen Spass, live zu spielen. Marcel: Zuerst auf Partys und kleinen Bühnen zu spielen, den Weg, den die meisten Bands gehen, mussten wir komplett auslassen. Darum sind wir eigentlich erst seit einem Monat bühnenshowmässig dort, wo wir sein wollen. Es war ein steiniger Weg, live die gleiche Ästhetik zu erzeugen wie auf der CD.

Was hat sich an der Liveshow verändert mit den vielen Konzerten im letzten halben Jahr?Mike:Wir haben vor allem deutlich mehr Spass. Marcel:Als «Estavayeah» so eingeschlagen hat, standen wir bereits unter enormen Druck für das Album. Die Erwartungen an uns war dementsprechend hoch. Es war extrem, wir haben alle nebenbei Vollzeit gearbeitet. Aber nun sind wir zufrieden mit der aktuellen Bühnenshow.

Mike, du hast gesagt, dass du am Tag vom Auftritt kein Interview geben kannst, weil du viel zu nervös bist.Mike: Die Nervosität geht mittlerweile auf der Bühne weg. Und Baze ist zum Glück manchmal dabei. Aber der ist auch immer nervös (lacht).

Könnt ihr das Gurtenfestival bis zu Eurem Konzert überhaupt geniessen?Marcel: Ich werde am Samstag an kein Konzert gehen. Das braucht immer viel Energie, nach zwei, drei Konzerten bin ich jeweils kaputt. Aber an den anderen Tagen werde ich mir schon ein paar andere Bands angucken. Mike: Ich würde eigentlich lieber über was anderes reden.

Bitte, nur zu!Mike: Über meine Chili-Zucht, die ich neu habe. Ich habe vier verschiedene Sorten aus Peru. Die einen werden gelb... Philippe: ...woher weisst du, dass die gelb werden? Mike: Das stand auf dem Zettel, den ich beim Kauf erhalten habe.

Widmest du dich also am Samstag vor dem Konzert lieber deinen Chilis zur Beruhigung?Mike: Nein, die Chilis sind für mich eher wie Kinder. Aber wenn wir auf der Bühne mal mit Visuals arbeiten, mache ich eine Powerpoint-Präsentation und erzähle allen mehr davon. Das Interesse scheint riesig zu sein.

Haben die anderen auch so ein spezielles Hobby?Marcel: Ich habe leider keinen grünen Daumen, bei mir zu Hause sind alle Pflanzen gestorben. Philippe: Ich habe ein Bienenhaus. Demi: Und ich habe Hühner. Aber sagen Sie das meinem Vermieter nicht.

Wieder zurück zu Eurem Auftritt am Samstag. Mike, wirst du den Text vom Song Kapitalismus Kolleg wie im Dachstock vom Tablett ablesen oder hast du für den Gurten den Text auswendig gelernt?Mike:(lacht) Das war gar nicht ich, sondern Demi. Eigentlich wollte er einen Rollkragen-Pulli anziehen und den Text vom Mac Tablet ablesen, als Anlehnung an Steve Jobs Apple-Präsentationen. Marcel meinte, dass sei pietätlos wegen dem Tod von Steve Jobs. Schlussendlich hat Demi den Pulli vergessen und dann hat man leider den Witz nicht verstanden.

Letzte Frage: Wer von den anderen Bands, die am Gurten spielen, wünscht ihr Euch im Publikum bei Eurem Konzert?Demi:Cypress Hill fänd ich geil. Demi: Modestep. Hm, aber die spielen leider gleichzeitig wie wir.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt