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Thun gastiert in SionKrasse Gegensätze

Für Thun steht am Samstag (18.15) eine kapitale Partie in Sion auf dem Programm. Der Sieger aus dem Vergleich der zwei komplett unterschiedlichen Clubs hat gute Chancen, den direkten Klassenerhalt zu schaffen.

Gegensätze: Thun verpflichtete Chris Kablan (links) vom kleinen SC Kriens, Sion holte Pajtim Kasami vom Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus.
Gegensätze: Thun verpflichtete Chris Kablan (links) vom kleinen SC Kriens, Sion holte Pajtim Kasami vom Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus.
Keystone

Christian Constantins Beziehungsnetz umspannt den ganzen Globus. Immer wieder gelingt es dem umtriebigen Präsidenten des FC Sion, interessante Spieler aus allen möglichen Winkeln der Erde zu verpflichten. Allein in dieser Saison repräsentierten Akteure aus 20 verschiedenen Nationen die Farben der Walliser. Das steht im grellen Kontrast zum FC Thun. Die Berner Oberländer setzten in den 33 Partien in der Spielzeit 2019/20 nur fünf Fussballer ein, die nicht im Besitz des Schweizer Passes sind. Während die Thuner mit Vorliebe in den unteren helvetischen Ligen nach unbekannten, aber entwicklungsfähigen Perlen tauchen, sucht Constantin zusammen mit seinem Sohn und Sportchef Barthélémy sein Glück meistens lieber im Ausland, engagiert dabei gerne auch mal einen sehr gestandenen Spieler oder sogar ehemaligen Topstar, dessen sportliche Vita schon reich geschmückt ist.

Wenn Sion am Samstag den FC Thun zu jenem Duell empfängt, das vorentscheidenden Charakter darüber aufweist, welche der Equipen in die Barrage gegen den Abstieg muss, ist das auch ein Match der Gegensätze. Hier die Multikulti-Truppe aus dem Wallis um ihren schillernden, allmächtigen Präsidenten, der kein Mikrofon scheut und auch schon von sich gesagt hat: «Ich bin ein Diktator, aber ein guter.» Dort die bodenständigen Oberländer mit ihren ruhigen, besonnenen Exponenten um Präsident Markus Lüthi, Sportchef Andres Gerber und Coach Marc Schneider.

Sions vierter Trainer

Nichts verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den Clubs besser als der Umgang mit den Trainern. Bis zum Beginn des Lockdown standen bei Sion trotz guten Saisonstarts mit Stéphane Henchoz, Christian Zermatten und Ricardo Dionisio gleich drei verschiedene Coaches an der Seitenlinie. Seit dem Re-Start der Meisterschaft darf sich mit dem Italiener Paolo Tramezzani (er trainierte die Walliser bereits im Jahr 2017 für 16 Partien) der vierte Übungsleiter versuchen. «Trainer sind wie Melonen. Wenn du sie siehst von aussen, sehen sie alle mehr oder weniger gut aus. Aber sobald du sie geöffnet hast, haben sie nicht unbedingt den gleichen Geschmack», sagte Constantin einst gegenüber «Le Matin».

Diametral anders verhalten sich die Thuner: Sie hielten Chefcoach Marc Schneider auch in jener schwierigen Phase im letzten Herbst die Treue, als der Rückstand am Ende der Tabelle immer grösser wurde und die Felle davonzuschwimmen drohten. Seit über drei Jahren leitet Schneider schon die Geschicke der Thuner. Eine Zeitspanne, die auf dem Planet Constantin in Sion unmöglich erscheint. Durchschnittlich brachte es ein Coach in der langen Ära Constantins auf knapp 20 Wochen Amtszeit.

Im selben Boot sitzend

Unterschiedlicher können zwei Fussballclubs kaum funktionieren. Nichtsdestotrotz befinden sich kurz vor Ende der Saison beide Vereine im selben Boot, wollen beide mit Macht den achten Platz und damit den direkten Klassenerhalt erreichen. «Die Wichtigkeit des Spiels und die Anspannung der Teams werden wohl deutlich spürbar sein», mutmasst Thun-Coach Marc Schneider, der am Donnerstag, einen Tag nach dem 5:1-Kantersieg gegen Servette, seinen 40. Geburtstag feierte.

«Wir wollen unbedingt gewinnen. Mit einem Sieg könnten wir uns in der Tabelle etwas von Sion abzusetzen», sagt Schneider. Derweil die Thuner in der heimischen Stockhorn-Arena zuletzt fünf Siege in Serie aneinanderreihten und mit Vollgasfussball entzückten, kamen sie seit dem Re-Start auswärts noch nicht wie gewünscht auf Touren. Aus fünf Partien in der Fremde resultierte lediglich ein einziger Punkt, zuletzt beim 1:1-Remis in Lugano. «Wir haben im vergangenen halben Jahr bereits die eine oder andere Statistik über den Haufen geworfen. Es ist an der Zeit, dass wir die Leistungen der Heimspiele auch in der Fremde auf den Platz bringen», erklärt Schneider.

So könnte Thun spielen: Faivre; Glarner, Havenaar, Stillhart, Kablan; Bertone; Hasler, Fatkic, Castroman, Karlen; Munsy. – Thun ohne Roth (verletzt), Sutter (fraglich).