Kartellverdacht: EU geht gegen die Credit Suisse vor

Die Schweizer Grossbank und drei weitere Geldhäuser sollen sich bei Anleihen über Jahre abgesprochen haben.

Die EU-Kartellbehörde ermittelt gegen die Credit Suisse. Foto: Keystone

Die EU-Kartellbehörde ermittelt gegen die Credit Suisse. Foto: Keystone

Holger Alich@Holger_Alich

Die Spuren führen in einen Chatroom. Händler von vier Grossbanken sollen sich hier virtuell getroffen haben, um Preise von bestimmten Staatsanleihen und Papieren staatsnaher Agenturen wie der Europäischen Investitionsbank abzusprechen.

Die Ermittlungen im Fall laufen seit knapp drei Jahren. Gestern nun teilte die Kartellbehörde der EU-Kommission mit, dass sie konkret vier namentlich nicht genannte Grossbanken verdächtige, dass einige ihrer Händler illegale Preisabsprachen im Handel mit diesen Anleihen getätigt hätten. Die Ermittler untersuchen dabei die Periode von 2009 bis 2015.

Credit Suisse, die Deutsche Bank sowie die französische Grossbank Crédit Agricole erklärten, Teil der Untersuchung zu sein. Die vierte Bank könnte die Bank of America sein. Diese hatte sich in dem Fall wie die Deutsche Bank bereits im August 2017 mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung von 65,5 Millionen Dollar geeinigt.

Credit Suisse beteuert ihre Unschuld. «Wir glauben nicht, dass Mitarbeiter von Credit Suisse gegen Wettbewerbsregeln verstossen haben, und hoffen, die Bedenken der EU-Kommission zerstreuen zu können», teilte die Bank mit. Laut Finanzkreisen gehe es bei Credit Suisse in diesem Fall um einen Anleihehändler, der die Bank 2016 verliess.

Die Deutsche Bank teilte mit, dass sie in dem Fall nicht mit einer Busse rechne: Der Grossbank wurde Immunität gewährt, weil sie sich als Kronzeugin angedient hatte. Die UBS ist dem Vernehmen nach nicht von der Untersuchung betroffen.

Sollten die EU-Kartellwächter zum Schluss kommen, dass es illegale Absprachen gab, kann die Behörde im Extremfall eine Busse von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes verhängen.

Bei der aktuellen Untersuchung geht es um den Markt von Papieren staatsnaher Schuldner wie zum Beispiel der deutschen Förderbank KfW, der Weltbank oder Anleihen deutscher Bundesländer. Experten schätzen das Volumen dieser Papiere auf umgerechnet 1,5 Billionen Franken. Die Margen im Handel dieser Papiere sind sehr tief – auf der Käuferseite steht eine beschränkte Zahl an Grossinvestoren. Absprachen könnten daher lohnend sein. Neben der EU-Kartellbehörde ermitteln auch die britische Finanzaufsicht

Ähnlichkeiten mit Libor-Fall

Nach der Finanzkrise kam eine ganze Reihe von Kartellabsprachen ans Tageslicht. So haben Händler von Grossbanken wie der Deutschen Bank oder der UBS jahrelang die Referenzzinsen Libor und Euribor manipuliert. Von diesen Referenzzinsen leiten sich die Preise von Tausenden Bankprodukten ab – von der Hypothek in der Schweiz bis zum Grosskredit in den USA. Wegen dieser Zinsmanipulationen mussten zehn Banken Bussen von über 6 Milliarden Dollar bezahlen.

2013 hatte die EU-Kommission in jenem Fall sechs Grossbanken zu Strafen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro verdonnert. Damals kamen UBS und Barclays ungeschoren davon, weil beide Banken die Absprachen offengelegt hatten. Die UBS entging so einer Busse von 2,5 Milliarden Euro. Auch damals fanden die Absprachen in Onlinechats statt.

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