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Sportlerinnen und Sportler trotzen der KriseKarrieresprung im Coronajahr

Trotz vielen Schwierigkeiten im Jahr 2020, gelang es einigen Berner Athletinnen und Athleten den Umständen zu trotzen und der Karriere einen Schub zu verleihen.

Skicrosserin Marie Karoline Krista posiert an den Olympischen Jugendspielen mit der Goldmedaille.
Skicrosserin Marie Karoline Krista posiert an den Olympischen Jugendspielen mit der Goldmedaille.
Foto: Keystone

2020 war ein schwieriges Jahr, auch für viele Sportlerinnen und Sportler. Es gab aber auch Berner Athletinnen und Athleten, welche das Jahr nutzten und der Karriere einen Schub verliehen.

Namen wie das 18-jährige Tennistalent Dominic Stricker (Best Talent 2020) oder der 22-jährige Radrennfahrer Marc Hirschi (Etappensieger bei der Tour de France) waren zuletzt in aller Munde. Wir stellen acht weitere Berner Sportlerinnen und Sportler vor, die in diesem Jahr ebenfalls von sich reden machten.

Amélie Klopfenstein

Skifahrerin Amélie Klopfenstein war für die Olympischen Jugendspiele in Lausanne als Ersatz vorgesehen. Als sich Teamkollegin Delphine Darbellay vor den Titelkämpfen den Fuss brach, rückte Klopfenstein nach.

Die Allrounderin aus La Neuveville am Bielersee nutzte ihre Chance. Und wie! Im Super-G und im Riesenslalom holte sie die Goldmedaille. Mit dem Gewinn von Bronze in der Kombination veredelte die Seeländerin ihre märchenhafte Woche.

Am 18. September 2020 feierte die Absolventin der Sportschule des Nationalen Leistungszentrums in Brig den 18. Geburtstag. Einige Wochen später gewann Klopfenstein den ersten nationalen Titel bei der Elite. In Diavolezza sicherte sie sich in Abwesenheit von Wendy Holdener und Michelle Gisin Gold im Slalom.

Amélie Klopfenstein war bei den Olympischen Jugendspielen in Topform.
Amélie Klopfenstein war bei den Olympischen Jugendspielen in Topform.
Foto: Keystone

Marie Karoline Krista

Sie ist die «Goldmarie» aus dem Oberland: Skicrosserin Marie Karoline Krista aus Unterseen trumpfte bei den Olympischen Jugendspielen zu Beginn des Jahres 2020 auf.

Das Mitglied des Skiclubs Matten gewann in Villars die goldene Auszeichnung im Einzelrennen und triumphierte auch mit dem gemischten Team in der Disziplin Ski- und Snowboardcross.

Die in Deutschland aufgewachsene Krista ist seit knapp zwei Jahren im Besitz des Schweizer Passes und besucht das Gymnasium Hofwil in Münchenbuchsee. Diese Ausbildung ermöglicht es ihr, alle Trainings und Wettkämpfe wahrzunehmen und gleichzeitig die Matura zu absolvieren.

Skicrosserin Marie  Karoline Krista gewann bei den Olympischen Jugendspielen zwei Goldmedaillen.
Skicrosserin Marie Karoline Krista gewann bei den Olympischen Jugendspielen zwei Goldmedaillen.
Foto: Keystone

Leo Luginbühl

Rugbyspieler stehen in der Schweiz kaum im Fokus. Der Stadtberner Leo Luginbühl möchte diesen Umstand ändern. Das Kraftpaket (174 cm/ 86 kg) verfolgt seinen Traum, möchte sich als Profi durchsetzen.

Deshalb wechselte Luginbühl, der als «Fullback» oder als «Wing» spielt, im Sommer vom Schweizer Meister GC zu Servette. Die Genfer sind nicht Teil der NLA, sondern spielen in der vierthöchsten Liga in Frankreich. «Servette bietet mir die Möglichkeit, mich in Frankreich zu zeigen. Vielleicht entdeckt mich dort ein grosser Club», sagte Luginbühl im Sommer.

Seit März spielt Luginbühl auch für das Schweizer Nationalteam. Mit Beharrlichkeit will der 21-Jährige seinen Traum verwirklichen. Der erste Schritt ist mit dem Wechsel zu Servette getan.

Rugbyspieler Leo Luginbühl möchte dereinst als Profi spielen.
Rugbyspieler Leo Luginbühl möchte dereinst als Profi spielen.
Foto: Manuel Zingg

Joël Schmied

Bei YB schaffte Joël Schmied den Sprung von der U-21 in die erste Equipe nicht. Doch der elegante Innenverteidiger wurde bei YB top ausgebildet. Zudem verfügte er über Ehrgeiz, sich über einen «zweiten Bildungsweg» für einen Profivertrag aufzudrängen.

Bei Breitenrain, Rapperswil-Jona und Wil machte Schmied Werbung in eigener Sache, spielte sich in den Notizblock diverser Sportchefs. Im Sommer verpflichtete Aufsteiger Vaduz den kopfballstarken (1.88 Meter gross) Berner. Schmied nutzte seine Chance im «Ländle». Er kam in der Super League zu 11 Einsätzen, ist Stammspieler und erzielte beim 1:4 gegen Zürich sein erstes Tor in der Super League.

Joël Schmied (rechts) gewinnt das Laufduell gegen Basels Julian von Moos. Der Berner Innenverteidiger hat sich bei Aufsteiger Vaduz einen Stammplatz erkämpft.
Joël Schmied (rechts) gewinnt das Laufduell gegen Basels Julian von Moos. Der Berner Innenverteidiger hat sich bei Aufsteiger Vaduz einen Stammplatz erkämpft.
Foto: Freshfocus

Marlen Reusser

Im Kampf gegen die Uhr gehört Radrennfahrerin und Schweizer Meisterin Marlen Reusser zur absoluten Weltelite. In dieser Saison gewann die Bernerin aus Hindelbank nicht nur bei der EM im französischen Plouay die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren.

Bei der WM im italienischen Imola doppelte die 29-Jährige sensationell nach und sicherte sich die silberne Auszeichnung. Trotzdem stand Reusser im Herbst plötzlich ohne Team da, weil die Schweizer Equipe Paule Ka ihren Rückzug verkündete.

Doch das Happyend für die Ärztin folgte: Das italienische World-Tour-Team Alé BTC Ljubljana nahm sie kurz darauf für das Jahr 2021 unter Vertrag. «Marlen ist eine Verstärkung. Sie ist eine der besten Zeitfahrerinnen der Welt», sagt Teammanager Fortunato Lacquaniti.

Marlen Reusser gewann im Jahr 2020 im Einzelzeitfahren Medaillen bei der EM und bei der WM.
Marlen Reusser gewann im Jahr 2020 im Einzelzeitfahren Medaillen bei der EM und bei der WM.
Foto: Keystone

Ditaji Kambundji

Das sportliche Talent liegt in der Familie. Hürdenläuferin Ditaji Kambundji, die 18-jährige Schwester von Sprinterin Mujinga Kambundji, sorgte in diesem Jahr für Furore und zeigte, dass sie ein Versprechen für die Zukunft ist.

In Abwesenheit der Langnauerin Noemi Zbären kürte sich Kambundji zur Schweizer Meisterin über 110 Meter Hürden. Mit ihrer Zeit von 13,07 Sekunden kam sie nicht nur bis auf 1/100 an die Schweizer Jahresbestzeit von Zbären heran. Mit dieser grandiosen Leistung katapultierte sich die Bernerin auch in der europäischen Bestenliste in der Kategorie der U-20-Juniorinnen zur Nummer 2 in diesem Jahr.

Hürdensprinterin Ditaji Kambundji machte im Jahr 2020 einen grossen Sprung nach vorne.
Hürdensprinterin Ditaji Kambundji machte im Jahr 2020 einen grossen Sprung nach vorne.
Foto: Keystone

Sascha Lehmann

Der Burgdorfer Sascha Lehmann ist einer der begabtesten Sportkletterer. Auch in diesem Jahr zeigte der 22-Jährige seine Klasse. Bei der EM in Moskau sorgte er für ein Ausrufezeichen.

Lehmann, der 2015 im Weltcup debütierte, überzeugte im Final, kletterte höher als alle Kontrahenten und gewann die Goldmedaille in der Disziplin Lead. Im Kombinationswettkampf, bestehend aus den Sparten Speed, Bouldern und Lead, wurde der Emmentaler hinter dem Russen Alexei Rubzow Zweiter. Er verpasste trotz Rang 2 den letzten freien Startplatz an den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in Tokio.

Sascha Lehmann zeigt an einem Wettkampf im «Magnet» in Niederwangen seine Fähigkeiten an der Kletterwand.
Sascha Lehmann zeigt an einem Wettkampf im «Magnet» in Niederwangen seine Fähigkeiten an der Kletterwand.
Foto: Manuel Zingg

Anojen Kanagasingam

Am 24. August 2019 pfiff Schiedsrichter Anojen Kanagasingam aus Ittigen erstmals einen Match in der Challenge League. Im Jahr 2020 etablierte sich der 26-jährige Sohn tamilischer Einwanderer in der zweithöchsten Schweizer Liga als umsichtiger Spielleiter.

Gemäss der Plattform «transfermarkt.ch» pfiff Kanagasingam in diesem Jahr sechs Partien in der Challenge League. Er zückte dabei 21 Gelbe Karten, zeigte in drei Fällen auf den Elfmeterpunkt, kam aber ohne Platzverweis aus und empfahl sich für höhere Aufgaben.

Der smarte Ittiger kam auch in der Super League bereits diverse Male als vierter Unparteiischer zum Zug. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der talentierte Kanagasingam auch in der höchsten Liga Spiele pfeifen wird.

Hat sich in der Challenge League etabliert: Schiedsrichter Anojen Kanagasingam aus Ittigen.
Hat sich in der Challenge League etabliert: Schiedsrichter Anojen Kanagasingam aus Ittigen.
Foto: Christian Pfander