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Neues Video zu CoronaKarl Klammer konnte kein Zufall sein

Gut für die Psychohygiene: SRF-Comedian Stefan Büsser stellt seine eigene Verschwörungstheorie ins Netz.

Sein neustes Video ist eine smarte Volte: Comedian Stefan Büsser.
Sein neustes Video ist eine smarte Volte: Comedian Stefan Büsser.
Foto: Ellin Anderegg

Stefan Büsser gelingt, wovon viele Medien träumen: Er erreicht mit seinen Corona-Erklärvideos Hunderttausende in den sozialen Medien. Büsser ist ein Influencer der Vernunft.

Doch Corona polarisiert, und die Videos des Zürchers stehen in direkter Konkurrenz zu den populärsten Verschwörungstheorien, die gerade auf Whatsapp herumgeboten werden. Und so wird der SRF-Mann, bisher auf die leichte Unterhaltung spezialisiert, mit den Untiefen der Youtube-Kanäle und obskurer Gruppen konfrontiert.

Büsser gilt als Handlanger der «Mainstreammedien», wird als Agent von Bill Gates attackiert. Sein drittes Corona-Video, das Büsser gestern veröffentlicht hat, kontert den Hass.

Das Video ist eine witzige Volte: Der Comedian spinnt sich in seine eigene Verschwörungstheorie ein. Karl Klammer, der virtuelle Assistent von Microsoft Office, habe ihn als Jugendlichen rekrutiert. Mit dem ersten Geld habe er sich ein Töffli kaufen können. Danach allmählicher Aufstieg in den Medien, schliesslich jeden Morgen das Briefing von Bill Gates per Facetime, der ihm «Befehle mündlich und per Mail» durchgab. Seine zystische Fibrose gibt Büsser als miesen Marketingtrick zu erkennen.

Auch formal entspricht das Video einem typischen Verschwörungsvideo: Titelei mit Grossbuchstaben und Ausrufezeichen, irres Getrommel und dramatisches Klavier als Soundteppich, der dringende Hinweis, sich das Video anzuschauen, «bevor es gelöscht wird». Mit verpixeltem Gesicht und verfremdeter Stimme bekennt der «Systemling», «nicht mehr länger schweigen» zu wollen.

Stefan Büsser sagt, er sei in den letzten Tagen beschimpft worden wie noch nie. In seinem zweiten Corona-Video versuchte er, die besten Argumente der Corona-Skeptiker nachzuvollziehen. Ist das dritte Video nun das Eingeständnis eines Scheiterns? Dass man eben doch nicht vernünftig ins Gespräch kommen konnte? Darauf angesprochen, lehnt Büsser diese Interpretation ab. Für ihn ist das neuste Video viel eher eine Art Psychohygiene – «eine Form, die Hasskommentare zu etwas Kreativem umzuwandeln, statt mich von ihnen runterziehen zu lassen.»

Das Video ist denn auch nicht ganz so informativ geworden wie Büssers bisherige Corona-Filme, aber mindestens so witzig.