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Entscheidung in der Serie AJuve feiert – doch Ronaldo geht es um: Ronaldo

Nach dem 2:1 gegen Lazio stehen die Turiner vor dem 9. Titel in Serie. Cristiano Ronaldo schiesst beide Tore und verrät mit einer Szene: Er denkt vor allem an CR7.

Immer wieder Grund zum Jubeln: 30 Mal hat Ronaldo in dieser Saison für Juve getroffen.
Immer wieder Grund zum Jubeln: 30 Mal hat Ronaldo in dieser Saison für Juve getroffen.
Foto: Keystone

Am Ende, wenn dieser wunderliche Fussballsommer auch noch die letzten Kräfte aus den Spielern gesogen haben wird, steht «Madama», die «Verlobte Italiens», wieder da, recht rüstig trotz Strapazen und in Eile gekämmt, als wäre nichts geschehen, kein zwischenzeitlicher Zweifel und kein Rütteln an alten Unverrückbarkeiten. Juventus Turin wird auch diese Meisterschaft der Serie A gewinnen.

Es wird die neunte in Folge sein, es ist nur noch eine Frage der Mathematik: vielleicht am Donnerstag schon, vielleicht erst am kommenden Wochenende, wenn alles schiefläuft nächste Woche. «Die beste Mannschaft war nur weniger schlecht als die anderen», schreibt «La Repubblica». Der Calcio, hingeschmolzen bei 30 Grad in der Nacht. «Auch die Pfosten schwitzten.»

Sie schütten sich literweise Wasser über die Köpfe

Im Schlüsselspiel gegen Lazio Rom am Montagabend im Juventus Stadium, Anpfiff 21.45 Uhr, war es nach 23 Uhr noch so heiss und schwül, dass der Schiedsrichter auch in der zweiten Halbzeit eine «Cooling break» anordnete, wie die Italiener die Wasserpause nennen. Und da standen sie also, Juventini und Laziali, und schütteten sich literweise Wasser über ihre Köpfe.

Ein Abnützungskampf bei verhaltenem Spieltempo, eine Folter. Juve gewann 2:1, weil Juve immer gewinnt, wenn es zählt. Nicht überlegen, nicht souverän, aber eben doch. Alles passierte in der zweiten Halbzeit, als die Müdigkeit alle übermannt hatte und die Verteidiger Fehler begingen, derer man sie nicht für fähig gehalten hätte. Von den Stürmern muss dann gleich noch die Rede sein.

Juves Vorsprung auf den Zweiten, Inter Mailand, beträgt jetzt acht Punkte, der auf Atalanta Bergamo neun, der auf die zuletzt völlig kollabierte Lazio gar elf. Und es bleiben noch vier Spieltage. «Matchpoint Juve», titelt der «Corriere della Sera». Es sind gleich mehrere nacheinander, um beim unverwandten Bild zu bleiben: Matchball und am Netz, bereit für den letzten Smash. Wer hätte sich ein solch gewöhnliches Finale vor dem Restart der Serie A ausdenken können?

Man muss sich das noch einmal in Erinnerung rufen. Als die Meisterschaft ihren Betrieb wieder aufnahm, trennte Juve und Lazio nur ein einziger Punkt. Die Römer galten als das inspiriertere, selbstsicherere Team. Maurizio Sarri, der Trainer Juves, wurde kritisiert für Resultate und Spiel. Nichts machte er richtig, vor allem schaffte er es nicht, seiner Startruppe den «Sarrismo» beizubringen, seinen schnellen und oftmals begeisternden Kombinationsfussball aus Zeiten bei Napoli. Das lag natürlich nicht nur an ihm, es fehlten Sarri die Spieler dafür. Doch Juve war so fragil wie in einer Dekade nicht mehr, so schlagbar.

Von diesem 34. Spieltag hatte es deshalb geheissen, er würde den spektakulären Showdown einer ungewöhnlichen Saison bieten, die Wasserscheide, die Entscheidung im Kopf-an-Kopf, bei Lazio träumten sie vom historischen Triumph beim dauersiegenden Drachen, von einem Bruch der Ära. Und halb Italien träumte mit, wenigstens ein schöner Teil des nicht juventinischen Italiens. Dauersieger sind ja auch Langweiler. Doch dann fiel Lazio nach dem Restart, den es selbst so sehr herbeisehnte, völlig auseinander. Spieler verletzten sich in Serie, die Moral war schnell dahin.

Wichtiger sei die Mannschaft, sagt Ronaldo. Man muss ihm das nicht glauben.

Und so diente der grosse Showdown des 34. Spieltags nur noch der letzten Beweisführung, der Zurechtrückung des kurzzeitig Verrückten. Maurizio Sarri soll nun vorderhand Trainer Juves bleiben dürfen, obwohl schon viele Namen möglicher Nachfolger herumgereicht worden waren. «Natürlich» bleibe er, liess der Verein ausrichten.

Ein Spiel im Spiel lieferten sich die beiden besten Torschützen der Serie A, Cristiano Ronaldo und Ciro Immobile, bei ihnen geht es jetzt noch um individuelle Rekorde und Titel, das Beigemüse einer Saison – für manche sind die bekanntlich wichtiger als die kollektiven. Die zwei erzielten alle drei Tore. Und was auch zu dieser Spielzeit der vielen und oft kontroversen Strafstösse passt: Von den drei Toren entfielen zwei auf Elfmeter, je einer.

Der Weltstar aus Madeira und der Heimstar aus Torre Annunziata bei Neapel, sie haben nun beide 30 Mal getroffen, bei beiden sind zwölf Penaltys dabei, vielleicht ist auch das ein Rekord. Der goldene Schuh der Uefa ist nur noch vier Tore entfernt, im Moment wird das Klassement mit 34 Treffern von Robert Lewandowski von Bayern München angeführt, und bei dem kommt ja keines mehr hinzu.

Die Grimasse, die so viel sagt

Ronaldo gewann den goldenen Schuh schon in Spanien und in England, gewänne er ihn auch in Italien, wäre das eine Premiere. Mit 32 Toren wäre er der beste Torschütze in der Geschichte Juves, die bisherige Bestmarke von Felice Borel ist ewig lang her: 1934. Wären es am Ende sogar 37, würde Ronaldo auch den italienischen Allzeitrekord von Gonzalo Higuaín schlagen. Ausgeschlossen ist das keineswegs, seine kreativsten Mitspieler werden ihm nun jeden Ball auf den Fuss legen.

Diese Rekorde seien ihm schon wichtig, erzählte Ronaldo nach dem Spiel, aber wichtiger sei die Mannschaft. Man muss ihm das nicht unbedingt glauben. Als ihm das 3:0 misslang, ein Kopfball aus nächster Nähe, den er an die Latte setzte, war er darüber so unglücklich, dass er sein Gesicht in Verzweiflung zur Grimasse verzog. Es ging wohl doch ums grosse Ganze, um CR7.

Ronaldo trifft per Kopf nur die Latte – und zeigt sich sehr frustriert.
Video: vidia.tv