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Leichtathletik-Meeting Josephs Rekord dank Sondermoral

Beim zweiten grossen Rendezvous der Schweizer Leichtathleten im Corona-Sommer brilliert bei der Berner Citius Champs einer besonders: Hürdensprinter Jason Joseph.

Liess seiner Freude freien Lauf: Jason Joseph nach seinem Rekordspurt.
Liess seiner Freude freien Lauf: Jason Joseph nach seinem Rekordspurt.
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Der Basler verbesserte seinen eigenen Schweizer Rekord um fünf Hundertstel.
Der Basler verbesserte seinen eigenen Schweizer Rekord um fünf Hundertstel.
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Der Basler Silvan Wicki liess im Rennen über 100 Meter alle stehen, sogar Europameister Christoph Lemaitre.
Der Basler Silvan Wicki liess im Rennen über 100 Meter alle stehen, sogar Europameister Christoph Lemaitre.
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Gross gewesen war die Zuversicht. Jason Joseph, der U-23-Europameister über 110 m Hürden vor einem Jahr, hatte bei seinem Saisoneinstand Anfang Juli in Luzern neue Perspektiven gesehen: In 13,47 Sekunden lief er die Distanz mit den zehn Hürden bei schwierigen Bedingungen und in einem mässigen Rennen: «Mir fehlte am Start und über die ersten Hürden die Geduld», sagte er. Dennoch: Nur acht Hundertstel fehlten damals zum Schweizer Rekord.

In Bern machte es der 21-Jährige besser. In 13,34 wurde er gestoppt. Seinen eigenen Rekord, zwei Mal gelaufen, im letzten und im vorletzten Jahr, verbesserte er um 5 Hundertstel. Joseph bewies damit vieles. Sein Talent, seine unausgeschöpften Möglichkeiten und vor allen seinen Fokus in diesem Sommer. «Corona ermöglicht, gezielt und ohne Zeitdruck zu arbeiten», sagte er. Zweifel im Hinblick auf eine Topleistung befielen ihn dennoch, kurzfristig: Bei der Hinfahrt realisierte er, dass «das Wetter nicht mitspielt». Zu kalt, zu windig, zu feucht. Allerdings spürte Joseph die Bereitschaft seines Köpers, und er erinnerte sich an einen weiteren Vorsatz: «Es ist eine Selbstverständlichkeit, voll zu gehen – gegenüber den Organisatoren, den Coaches, den Zuschauern und mir selber.»

Was mit seiner mentalen und körperlichen Verfassung herausschaute, zeigte sich im Resultat. Von einem optimalen Rennen reden wollte der Filigrantechniker mit den Gardemassen aber nicht. «Zwar glückte der Start ziemlich perfekt, aber als ich die neunte und zweitletzte Hürde touchierte, sah ich all das zuvor Geleistete infrage gestellt.» Es reichte dennoch.

Del Pontes neuer Anspruch

Josephs Leistung überragte alle anderen. Für ein weiteres Glanzlicht sorgte Ditaji Kambundji. Die jüngste Schwester der 200-m-WM-Dritten Mujinga Kambundji siegte im Gegenwind über 100 m Hürden der Frauen in ansprechenden 13,55 Sekunden. Von deutlich höherer Qualität ist die Siegerleistung von Ajla Del Ponte über 100 m. Die Tessinerin bestätigte ihre persönlichen Rekordwerte von Bulle von Mitte Monat eindrücklich. In 11,15 Sekunden wurde sie gestoppt, nur knapp über ihren jüngsten Zeiten. Zwar profitierte sie von Rückenwind, dafür wars kühl und regnerisch geworden. Wie sich die Ambitionen der 24-Jährigen gewandelt haben, zeigt sich an ihrer Kurzanalyse: «Zufrieden? Jein. Die Zeit ist ansprechend, auf der zweiten Streckenhälfte sackte die Frequenz zusammen.»

Wicki vor Lemaitre

Und eine erstaunliche Schweizer Positionierung gab es durch Silvan Wicki. Der Basler führt weiterhin mit 10,11 und 20,45 Sekunden über 100 und 200 m die europäische Jahresbestenliste an. In Bern nun liess er den einstigen Doppel-Europameister und 9,92-Sekunden-Sprinter Christophe Lemaitre hinter sich. «Ein wunderbares Gefühl», sagte Wicki. Indes, blenden lassen will er sich weder durch den Erfolg von Bern noch durch die Jahresbestenliste. In anderen Nationen sind die Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten derzeit längst nicht so gut. Lemaitre ist ein Beispiel dafür. Er bestritt seinen ersten Wettkampf des Jahres und reiste hierfür in die Schweiz.

Für ein internationales Topergebnis sorgte Femke Bol. Die erst 20-jährige Niederländerin lief über 400 m europäische Jahresbestzeit. Interessantes Detail: Trainiert wird sie vom Schweizer Trainer Laurent Meuwly – wie Del Ponte und 400-m-Hürden-Europameisterin Léa Sprunger.

Citius Champs. Männer. 100 m (GW 0,3 m/s):1. Wicki (Aarau) 10,33. 2. Lemaitre (FRA) 10,42. 3. Petrucciani (LC Zürich) 10,58. – 400 m: 1. Dobber (NED) 45,94. 5. Hussein (LC Zürich) 47,27. – 110 m Hürden (GW 1,0 m/s): 1. Joseph (LC Therwil) 13,34 (CH-Rekord). 2. Pena (GG Bern) 14,22. – 400 m Hürden: 1. Ramsey (NED) 49,60. 2. Brand (LC Zürich) 50,46. – Hoch: 1. Gasch (US Yverdon) 2,25. – Stab: 1. Alberto (LC Zürich) 5,20. – Weit: 1. Ehammer (TV Teufen) 7,74. – Speer: 1. Wieland (ST Bern) 75,13.Frauen. 100 m (RW 0,9 m/s): 1. Del Ponte (Ascona) 11,15. 2. Reinle (TV Unterseen) 11,61. – 400 m: 1. Bol (NED) 51,13.– 800 m: 1. Mageean (IRL) 1:59,69. – 4. Büchel (Bütschwil) 2:01,79. – 100 m Hürden (GW 0,7 m/s): 1. Ditaji Kambundji (ST Bern) 13,55. – Hoch: 1. Engondo (Lausanne) 1,80. – Weit: 1. Kälin 6,33. – Speer: 1. Ruckstuhl (Altbüron) 51,81.