Zum Hauptinhalt springen

Joel Bieri: Ambitionierter Schnupperlehrling

Trotz beschwerlichen Saisonstarts hat Nordisch-Kombinierer Joel Bieri (Kandersteg) das Olympia-Ticket so gut wie in der Tasche.

Geballte Faust: Mit der Schweizer Staffel erreichte Joel Bieri in Schonach Rang 4 – die Weichen nach Vancouver sind gestellt.
Geballte Faust: Mit der Schweizer Staffel erreichte Joel Bieri in Schonach Rang 4 – die Weichen nach Vancouver sind gestellt.
Keystone

Die Erleichterung bei den Schweizer Nordisch-Kombinierern war vergangenen Sonntag nach dem Teamwettkampf in Schonach gross – die Staffel hatte mit Rang 4 die Weichen Richtung Olympische Spiele gestellt. Zum helvetischen Quartett gehörte der Kandersteger Joel Bieri, mit soliden Leistungen auf der Schanze und in der Loipe trug er seinen Teil zum Spitzenergebnis bei. «Einige Teams sind nicht in Bestbesetzung angetreten. Unser Wettkampf war aber gut, ein Podestplatz wäre möglich gewesen», erklärt der Oberländer. Fünf Athleten wird Swiss Olympic am Sonntag selektionieren; die Arrivierten Ronny Heer und Seppi Hurschler sowie Talent Tim Hug sind gesetzt. Bieri streitet sich mit Tommy Schmid und Michael Hollenstein um die letzten Tickets; nach der Darbietung im Schwarzwald befindet er sich in der Pole-Position. «Es sieht gut aus», sagt der 20-Jährige schmunzelnd. «Die Qualifikation war das Saison- und mein erstes grosses Karriereziel.» In den Weltcup-Bewerben vom Wochenende in Seefeld (Ö) kann er Eigenwerbung betreiben.

Prominenter Schulkamerad

Noch kurz vor dem Jahreswechsel deutete wenig auf eine Olympia-Qualifikation Joel Bieris hin. Die Saison hatte er in den USA im zweitklassigen Continental-Cup begonnen, seine Resultate waren nicht herausragend. Auf höchster Stufe war er nicht konkurrenzfähig. Er habe sich matt gefühlt, die Energiespeicher seien leer gewesen, sinniert Bieri. Er litt am Pfeifferschen Drüsenfieber – mitunter eine Folge des intensiven Sommertrainings. Seit dem Abschluss der Handelsschule am renommierten Ski-Gymnasium in Stams setzt das A-Kader-Mitglied auf die Karte Spitzensport. «Ich wollte im Sommer einen Schritt nach vorne tätigen, habe dabei wohl etwas übertrieben und zu wenig auf meinen Körper geachtet.»

Vier Jahre lebte Bieri in Österreich; mit Skispringer Gregor Schlierenzauer drückte er die Schulbank. Er pflegt ein freundschaftliches Verhältnis mit dem Weltmeister und 31-fachen Weltcup-Sieger. «Es ist beeindruckend, wie Gregor von Erfolg zu Erfolg eilt. Seine Leistungen spornen mich an.» Bieri bewegt sich in anderen Sphären als sein ehemaliger Schulkamerad; im Weltcup ist Platz 26 sein Bestergebnis, an der WM 2009 wurde er 28. Medaillen gewann er einzig an nationalen Titelkämpfen: Bei den Junioren zweimal Gold, bei den Aktiven zweimal Bronze.

Erfahrungen für 2014

Mittlerweile wohnt Bieri unweit des nationalen Leistungszentrums in Einsiedeln, mit Tim Hug bildet er eine Wohngemeinschaft. «In Kandersteg ist die Schanze nicht mehr in Betrieb», begründet der Oberländer seinen Auszug. Der Stellenwert der Kombination ist in der Schweiz gering, hinter den Alpinen, Langläufern und Springern fristen sie ein Schattendasein. «Kommt der Erfolg zurück, wird sich das Interesse erhöhen. Potenzial ist in der jungen Equipe vorhanden.» In vier Jahren will Bieri zum Favoritenkreis gehören. «Olympia ist etwas Besonderes. Es wäre ein Vorteil, könnte ich in Vancouver Erfahrungen sammeln. Simon Amman sagte, er hätte 2002 kaum zweimal Gold gewonnen, wäre er vier Jahre zuvor nicht bereits mit den Spielen in Kontakt gekommen.»

Erhält Joel Bieri das Flugticket nach Kanada, hegt er aber grössere Ambitionen, als nur olympische Luft zu schnuppern. «Ich will kein Olympia-Tourist sein. Im Sport ist vieles möglich. Falls die Konkurrenz im Teamwettkampf schwächelt, gilt es, bereit zu sein.» Ein Medaillengewinn der Schweizer Kombinierer – es wäre erst der vierte in der olympischen Geschichte – käme indes einer Sensation gleich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch