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670’000 Franken für den CEOJochams Lohnerhöhung sorgt im Inselspital für Konsternation

Spitalangestellte und die Gewerkschaft kritisieren den Lohnsprung von Uwe E. Jocham, Direktionspräsident der Insel-Gruppe.

Uwe E. Jocham verdiente im vergangenen Jahr über ein Drittel mehr als sein Vorgänger.
Uwe E. Jocham verdiente im vergangenen Jahr über ein Drittel mehr als sein Vorgänger.
Foto: Beat Mathys

Unter den Angestellten der Berner Insel-Gruppe macht sich Unmut breit. Grund dafür ist eine Lohnerhöhung des Direktionspräsidenten Uwe E. Jocham. Wie diese Zeitung im Rahmen des Jahresergebnisses des Unternehmens publik machte, verdiente er im vergangenen Jahr über 670’000 Franken. Das sind 34 Prozent oder 170’000 Franken mehr, als sein Vorgänger bekam. Und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem rund 120 Stellen gestrichen sowie weitere Sparmassnahmen umgesetzt worden sind.

«Bei vielen Mitarbeitern stösst die Lohnerhöhung auf Unverständnis», sagt ein Insel-Insider, der seinen Namen aus Angst vor Sanktionen nicht in der Zeitung lesen will. Schliesslich würden die Gehälter der Angestellten seit Jahren stagnieren oder seien nur leicht nach oben angepasst worden. «Auch nach der diesjährigen Lohnrunde konnte nicht bei allen Personen eine Gehaltsanpassung vorgenommen werden, bei welchen eine solche längst überfällig gewesen wäre», sagt die Quelle.

Hinzu kommt ein genereller Unmut über die Kommunikationsart der Insel-Führung. Denn auch wenn diese von einem sehr guten Ergebnis spreche – das Unternehmen machte 2019 über 37 Millionen Franken Gewinn –, sei das vergangene Jahr für die Pflegepersonen und Ärzte enorm schwierig gewesen. «Der Stress und die Überstunden haben sich durch die Sparmassnahmen massiv erhöht.» Den Jahresgewinn nun in einem derart positiven Licht zu kommunizieren, wie es die Insel-Spitze getan habe, habe wenig mit der Realität in den einzelnen Kliniken zu tun.

Harzige Lohnverhandlungen

Eine ähnliche Meinung vertritt auch die Gewerkschaft VPOD. Man habe die Lohnentwicklung von Jocham mit Befremden zur Kenntnis genommen, sagt Beatrice Stucki, stellvertretende Gewerkschaftssekretärin Gesundheitsbereich. Der Sprung sei in Anbetracht der Sparmassnahmen und «einer sehr zurückhaltenden Lohnpolitik für das Personal» schlicht nicht zu rechtfertigen.

Sie bestätigt den Eindruck des Insel-Mitarbeiters, dass die vergangenen Lohnverhandlungen «harzig» verlaufen seien. Letztlich hat man sich im Januar mit der Insel-Führung darauf geeinigt, 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen bereitzustellen. Bereits kurz darauf hätten sich Personen aus dem Spital beim VPOD gemeldet, die das als «knausrig» bezeichneten. «Gerade bei Pflegepersonen, dem Reinigungsdienst oder den Küchenangestellten wurden die Löhne in den letzten Jahren unzureichend erhöht», sagt Stucki. Insofern sei die Gehaltsanpassung von Jocham Öl ins Feuer gegossen.

Aussprache mit Pulver

Die Gewerkschaftssekretärin will aber keinesfalls bestreiten, dass es sich beim Job des CEO um eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe handle. «Ein Spital finanziell zu sanieren, ist eine Herkulesaufgabe. Trotzdem sehe ich hier eine groteske Ungleichbehandlung.» Der VPOD werde deshalb gemeinsam mit den beiden anderen Personalverbänden VSAO und SBK beim Verwaltungsratspräsidenten Bernhard Pulver eine Aussprache verlangen.

Pulver äusserte sich schon am Dienstag zur Gehaltsanpassung, die durch den Verwaltungsrat genehmigt wurde. Er habe «bei den Löhnen unserer Direktion im Vergleich zu anderen Unternehmen dieser Grössenordnung ein sehr gutes Gefühl», sagte Pulver. Und: Die 670’000 Franken würden dem Maximum entsprechen. «Es wird keine weitere Erhöhung geben», so der Alt-Regierungsrat.

Diese Ankündigung vermochte offenbar weder im Inselspital noch bei der Gewerkschaft zu beruhigen. Und auch aus der Politik äusserten manche Personen ihr Unverständnis. Der abtretende EVP-Grossrat Ruedi Löffel twitterte etwa: «Sparen, sparen, sparen. Riesiger Druck beim Pflegepersonal. Keine neuen Stellen, dort, wo es nötig wäre. Aber sich selber die eh schon hohe Entschädigung massiv erhöhen. Einfach eine Unverschämtheit!»