Zum Hauptinhalt springen

Reaktionen auf die Enttäuschung in Vaduz«Jetzt weiss jeder, was es geschlagen hat»

Marc Schneider vermisste im Barrage-Hinspiel in Vaduz die Bereitschaft und Aggressivität seines Teams. Vor dem Rückspiel am Montag wählt der Thun-Trainer deutliche Worte.

Ein nachdenklicher Marc Schneider auf der Bank des Rheinpark Stadions. Der Auftritt seines Teams in Vaduz bereitete ihm lange Sorgenfalten.
Ein nachdenklicher Marc Schneider auf der Bank des Rheinpark Stadions. Der Auftritt seines Teams in Vaduz bereitete ihm lange Sorgenfalten.
Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Stimmen sind leise, die Blicke leer. Als die Spieler des FC Thun am Freitagabend am Spielfeldrand des Rheinpark-Stadions stehen, ist offensichtlich, dass sie gerade viel lieber woanders wären – ganz weit weg von fragenden Journalisten, Mikrofonen und Kameras.

Doch sie haben die Aufgabe, zu erklären, wie es passieren konnte, dieses 0:2 gegen Vaduz, das sie im Kampf um den Ligaerhalt in arge Bedrängnis bringt. «Das kann schon sein», antwortet Ridge Munsy auf die Frage, ob die Mannschaft von der Aggressivität der Vaduzer überrascht worden sei. Der Topskorer ist an diesem Abend ein Sinnbild für die Harmlosigkeit der Berner Oberländer. Als er erstmals gefährlich vor dem gegnerischen Tor auftaucht, sind bereits 74. Minuten verstrichen. Und Nicolas Hasler, der Liechtensteiner in Thuner Diensten, hätte nach der Partie eigentlich gern mit Kollegen aus alten Zeiten lockere Gespräche geführt und gewitzelt, stattdessen muss er konstatieren: «Vaduz hat schon in der ganzen Rückrunde gezeigt, über wie viel Potenzial sie verfügen. Das haben wir heute gesehen.» Der 29-Jährige schaut kurz auf, sucht den Blickkontakt, um die Wichtigkeit seines nächsten Satzes zu unterstreichen, und sagt: «Aber am Montag gibt es noch ein Rückspiel. Wir haben noch 90 Minuten Zeit, diese Barrage zu drehen.»

Es ist an diesem heissen Sommerabend die beste Nachricht aus Sicht der Equipe von Marc Schneider. Die Mängelliste des Trainers ist lang. Er erwähnt die fehlende Laufbereitschaft, die schlecht abgestimmten Laufwege, die nicht vorhandene Aggressivität. Kurz: Attribute, die im Abstiegskampf zentral wären, die der FCT aber für Schneider unerklärlicherweise lange vermissen lässt. «Wie das in so einem Spiel passieren kann, weiss ich auch nicht. Aber das ist alles eine Frage des Kopfes.» Schneider erwähnt den Erfolgsdruck – ein steter Begleiter der Thuner in dieser Rückrunde.

Der Vergleich mit Xamax

Am Montag in der Stockhorn-Arena wird sich dieser jedoch auf einem neuen Allzeithoch bewegen. Das weiss auch der 40-Jährige. Er werde die Spieler aufstellen, bei denen er das Gefühl habe, dass sie am besten mit dieser Situation umgehen könnten, sagt Schneider. «Ein Blick auf das Resultat sollte für jeden genug Motivation sein, noch einmal alles zu geben. Jetzt weiss jeder, was es geschlagen hat.» Zwei Tore brauchen die Thuner, um sich in eine Verlängerung zu retten und den ersten Abstieg seit 2008 abzuwenden.

Schneider verweist einerseits auf die Heimstärke seines Teams, das seit neun Spielen zu Hause ungeschlagen ist und sieben Partien davon gewonnen hat. Andererseits erwähnt der Coach das Beispiel von Xamax, das im letzten Jahr gegen Aarau gar ein 0:4 wettmachte und sensationell den Ligaerhalt schaffte. «Und unsere Situation ist doch noch etwas besser.» Auch wenn Vaduz-Goalie Benjamin Büchel wenige Meter daneben von einer «geilen Ausgangslage fürs Rückspiel» spricht, zeigt der Blick in die Vergangenheit, dass sich die Vaduzer ihrer Sache noch nicht zu sicher sein sollten.

Als Marc Schneider seine Analyse abgeschlossen hat, sieht er seine Familie am Spielfeldrand. Er geht hin, lacht. Das, was er vor wenigen Augenblicken noch bemängelt hat, der immense Druck vor dem alles entscheidenden Spiel – alles scheint auf einen Schlag weit weg. Der Montag kommt früh genug.