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Kommentar zu Corona-Regeln im SportExperiment mit ungewissem Ausgang

Die Schweiz geht bei der Öffnung für Sportanlässe voran. Jetzt sind die Clubs in der Pflicht, sie müssen bei Fehlverhalten rigoros durchgreifen.

Wenn die Sportler sich freuen, sollen im Stadion auch die Fans wieder mitfeiern dürfen: YB-Spieler nach dem Cupsieg.
Wenn die Sportler sich freuen, sollen im Stadion auch die Fans wieder mitfeiern dürfen: YB-Spieler nach dem Cupsieg.
Alessandro della Valle (Keystone)

Das Lobbying der Fussball- und Eishockeyclubs hat sich für sie gelohnt. Der Bundesrat ist ihnen noch weiter entgegengekommen als ursprünglich geplant: Nicht nur in Fussball-, auch in Eishockeystadien dürfen ab Oktober unter Einhaltung der Auflagen wie Maskenpflicht und Angabe der Kontaktdaten zwei Drittel der Sitzplätze besetzt werden. Die Unterscheidung zwischen Innen- und Aussenanlässen wurde fallen gelassen. Zudem auch die Idee eines Alkoholverbots (zum Pressekonferenz-Ticker).

Die Schweiz war eines der ersten Länder, das Ende Februar die Obergrenze von 1000 Besuchern für Grossveranstaltungen einführte. Nun schreitet sie bei der Öffnung für Sportanlässe voran. Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Verlässliche Studien, wie sich das Coronavirus bei Sportevents verbreitet, wenn alle Masken tragen und sich an die Vorgaben halten, liegen nicht vor. Es ist der «Tanz mit dem Tiger», von dem der deutsche Virologe Christian Drosten zu reden pflegt. Es gilt herauszufinden, was geht und was nicht.

Es kann nur eine Nulltoleranz-Strategie geben. Und die ist durchaus auch im Sinne der Clubs.

Ein grosser Teil der Bevölkerung dürfte die Lockerung bei Sportevents mit Skepsis betrachten. An den Clubs ist es nun, mit rigoroser Durchsetzung der Sicherheitskonzepte das Vertrauen des Bundesrats zu rechtfertigen. Sie haben die Hoheit in ihren Stadien und können da konsequent durchgreifen. Konkret: Wer sich nicht an die Maskenpflicht, die Abstandsregeln oder die korrekte Angabe der Kontaktdaten hält, soll mit einem Stadionverbot belegt werden. Da kann es nur eine Nulltoleranz-Strategie geben. Und die ist durchaus auch im Sinne der Clubs. Denn die Kantone können ihnen die Bewilligung auch jederzeit wieder entziehen.

Blaues Auge für den Fussball

Der Bundesrat trägt mit der Lockerung der gesellschaftlichen Bedeutung des Zuschauersports Rechnung. Die meisten Fussballclubs kommen dank dieser Regelung wirtschaftlich mit einem blauen Auge davon, da die meisten ihre Stadionkapazität ohnehin nicht ausschöpfen. Angespannt bleibt die Lage bei den Eishockeyclubs. Bei ihnen ist der Anteil an Stehplätzen weit grösser. Da diese nun auf Sitzplätze umgebaut werden müssen, ist die Kapazitätseinbusse trotz der 66-Prozent-Regel enorm, es ist mit Millionenverlusten zu rechnen. Da ist auch von den Spielern Solidarität gefragt in Form von Lohnverzicht.