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Massnahmen gegen CoronavirusDas unternimmt der Kanton Bern

Der Kanton Bern informierte am Freitagnachmittag über die nächsten Schritte im Kampf gegen das Coronavirus.

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Zusammenfassung: Kanton Bern hart bei Veranstaltungen und weich bei Skigebieten

Der Kanton Bern setzt die Bundesvorgaben zur Eindämmung des Coronavirus bei den Veranstaltungen hart um: Er wird keine Ausnahmen erteilen vom Versammlungsverbot ab 100 Personen. Der Bund hätte eigentlich Ausnahmen zulassen wollen.

Verwirrung bei den Skigebieten

Weicher ist der Kanton Bern bei den Skigebieten. Wie der Berner Regierungspräsident Christoph Amman am Freitag in Bern vor den Medien sagte, ist es den Skigebieten überlassen, ob sie ihre Saison beenden oder nicht.

Bundesrat Alain Berset hatte zuvor an der Bundesrats-Medienkonferenz gesagt, dass sich an privaten und öffentlichen Veranstaltungen nur noch 100 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen, bedeute für die Skigebiete den vorzeitigen Saisonschluss. Ammann hingegen sagt, «Social Distancing» auf Skipisten sei möglich.

Es gibt allerdings Berner Skigebiete, welche die Saison ab Freitagabend zuerst für beendet erklärt haben, so etwa Adelboden-Lenk.
Später nahm Adelboden-Lenk dies aber wieder zurück. «Es ist aktuell unklar, ob ein Skibetrieb am Wochenende möglich ist. Update folgt...», teilten die Bergbahnen auf ihrer Homepage mit gegen 18.30 Uhr mit.

Hart bei Altersheimen und Spitälern

Hart ist der Kanton Bern auch bei Altersheimen und Spitälern: Besuche sind dort ab sofort mit Ausnahmen verboten. Der Kanton wolle sicherstellen, dass ältere und geschwächte Menschen in Heimen und Spitälern konsequent geschützt würden, hiess es dazu an der Medienkonferenz der Kantonsregierung zu den neuen Vorgaben in Sachen Coronavirus.

Am Freitag gab es 67 bestätigte Coronavirus-Fälle im Kanton Bern und neun wahrscheinliche, noch nicht definitiv bestätigte.

Ein Mix an den Schulen

Bei den Schulen setzt der Kanton Bern auf einen Mix aus Fernunterricht und Betreuung. Prinzipiell sollen die Lehrpersonen im Kanton Bern bis zu den Frühlingsferien die Schülerinnen und Schüler fernbetreuen, wie Erziehungsdirektorin Christine Häsler sagte.

Die Schulleiterinnen und -leiter sind aber auch aufgefordert worden, für eine Betreuung der Kinder dann zu sorgen, wenn Eltern Kinder nicht betreuen können. Es gelte, dafür zu sorgen, dass nicht verletzliche Grosseltern die Schüler betreuten. Die Schulleitungen seien gefordert, entsprechend vorzusorgen.

Häsler ist es wichtig, dass bei dieser Schülerbetreuung ältere oder gesundheitlich angeschlagene Lehrpersonen möglichst nicht eingesetzt werden, um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden. «Ich bin überzeugt: Unsere Lehrpersonen werden es gut machen», sagte Häsler.

Welle von Kurzarbeitsgesuchen

Regierungspräsident Christoph Amman sagte weiter, der Alltag werde sich in den kommenden Wochen «in grossen Schritten vom Gewohnten entfernen». «Wir müssen zueinander auf Distanz gehen, aber gleichzeitig solidarisch zusammenstehen, um die Pandemie möglichst gut zu bewältigen.»

Wegen des Coronavirus hat der Kanton Bern in den letzten Tagen 283 Gesuche für Kurzarbeit erhalten. Die Gesuche betreffen über 4000 Angestellte. 70 dieser Gesuche mit der Begründung Coronavirus seien bereits bewilligt worden, sagte Ammann.

Kurzarbeit neu definieren

Der Regierungspräsident sagte weiter, er habe dem Bundesrat vorgeschlagen, die Möglichkeiten für die Bewilligung für Kurzarbeit auszudehnen.

Dies zugunsten von Eltern, welche bei geschlossenen Schulen Kinder betreuen müssen. Die Idee ist, dass Unternehmen solche Personen freistellen für ihre Aufgaben in der Kinderbetreuung und dafür vom Staat – wie eben bei Kurzarbeit – finanziell unterstützt werden. (sda)

Medienkonferenz ist beendet

Damit ist die Medienkonferenz der Berner Regierung zu den neuen Sofortmassnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beendet.

Wie verhalten sich Coop und Migros?

Gibt es bei Migros und Coop künftig Einlasskontrollen? Christoph Ammann sagt, man habe zwei Stunden nach dem Bundesratsentscheid keine diesbezüglichen Empfehlungen abgegeben. Aber man werde die Personen an der kantonalen Hotline entsprechend instruieren, damit sie solche Fragen beantworten können. Pierre Alain Schnegg betont zudem, dass die Eigenverantwortung auch künftig gross geschrieben werde. Social Distancing gelte somit auch in Einkaufsläden.

Verwirrung um die Skigebiete

Auf Nachfrage betont Christoph Ammann, dass der Kanton der Meinung sei, die Skigebiete könnten ihre Anlagen weiter betreiben. In anderen Kantonen haben aber bereits mehrere Gebiete das Saisonende verkündet. Und auch die Skiregion Adelboden-Lenk kündigt auf ihrer Homepage an, dass heute der letzte Tag der Saison sei. Was gilt nun? «Die Skigebiete können selber entscheiden», sagt Ammann. Es werde denn auch unterschiedliche kantonale Regelungen diesbezüglich geben.

Ferien sollen nicht gekürzt werden

Ein Journalist will wissen, ob die Unterrichtszeit, die nun verloren geht, möglicherweise in den Ferien nachgeholt werden muss. Christine Häsler verneint das. Aber: Man sei momentan noch ganz am Anfang der Umsetzungsphase der Massnahmen. Solche Fragen müssten erst noch im Detail geklärt werden.

Kitas bleiben vorerst offen

Jetzt beginnt die Fragerunde. Ein Journalist will wissen, ob auch die Kindertagesstätten im Kanton Bern geschlossen werden. Pierre Alain Schnegg sagt dazu: «Kitas sollen so weit möglich geöffnet bleiben. Denn sonst werden die Kinder durch ältere Personen betreut.» Man werde die Situation aber laufend neu beurteilen müssen.

Skigebiete dürfen offen bleiben

Die neuen Massnahmen haben auch Auswirkungen auf die Skigebiete. Christoph Ammann sagt: «Die Gastronomie in den Skigebieten wird sich anpassen müssen.» Die Transportanlagen seien hingegen nach Lesart der Berner Regierung derzeit nicht vom Verbot betroffen. Konkret heisst das: Die Restaurants müssen möglicherweise schliessen, die Skilifte im Kanton Bern dürfen aber vorerst weiter betrieben werden.

283 Gesuche für Kurzarbeit

Wirtschaftsdirektor Christoph Ammann kommt nun auf die Folgen für die Unternehmen zu sprechen. Bereits heute sei die Wirtschaft massiv betroffen. Bis am Donnerstagabend gingen beim Kanton 283 Gesuche für Kurzarbeitsentschädigungen ein. Betroffen sind 4144 Mitarbeiter. 70 Gesuche wurden bereits bewilligt. Ammann lobt in diesem Zusammenhang den Bundesrat. Dieser habe die Anwendung der Kurzarbeit in kürzester Zeit auf die aktuelle Situation angepasst.

Noch immer unklar ist, welche unterstützenden Massnahmen der Kanton für die Wirtschaft ergreifen kann. Seine Direktion, so Ammann, kläre diese Frage momentan «mit Hochdruck», Resultate sind allerdings frühestens kommenden Mittwoch zu erwarten. Dann soll der Regierungsrat darüber beraten.

Kanton will Kinderbetreuung gewährleisten

Auch wenn die Schulen auf allen Stufen bis am 4. April geschlossen bleiben, solle das Unterrichtsangebot aufrechterhalten bleiben, sagt Bildungsdirektorin Christine Häsler. «Wir bieten den Schulleitungen Unterstützung für die Sicherstellung eines Unterrichts ohne Präsenz in den Klassenzimmern.» Denkbar sei der Einsatz elektronischer Hilfsmittel oder die Übermittlung von Aufgaben via Post und Mail. «Es ist aber absolut klar, dass kein Unterricht nach Lehrplan oder gar Stundenplan möglich sein wird», so Häsler.

Der Kanton werde zudem Betreuungsangebote für jene Kinder schaffen, für die daheim keine solchen bereitstehen. Keinesfalls sollten die Kinder von den Grosseltern betreut werden.

Bei den weiterführenden Schulen sei ebenfalls Fernunterricht vorgesehen. Ob die Abschlussprüfungen, etwa an den Gymnasien, durchgeführt werden können, ist noch unklar. «Wir sind in intensiven Gesprächen mit dem Bund und den anderen Kantonen. Es muss eine gemeinsame Lösung geben», so Häsler.

Keine Besuche in Spitälern und Altersheimen

Damit die älteren und geschwächten Menschen in Spitälern und Altersheimen so gut wie möglich vor dem Coronavirus geschützt sind, erlässt der Kanton ab sofort ein generelles Besuchsverbot. Ausgenommen davon sind lediglich Hospitalisationen von Kindern, Gebärenden und Sterbenden. «Wir befinden uns in einer extremen Lage. Jetzt sind ausserordentliche Massnahmen notwendig», sagt Schnegg.

67 bestätigte Fälle

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg gibt die neusten Berner Zahlen bekannt. Momentan gibt es im Kanton 67 bestätigte Coronavirus-Fälle, bei neun weiteren fehlt noch das Resultat des zweiten Tests. Drei Personen befinden sich in Intensivpflege.

Keine Ausnahmen im Kanton Bern

Regierungspräsident Christoph Ammann macht gleich zu Beginn der Medienkonferenz klar: «Ich danke dem Bundesrat für die heute beschlossenen Massnahmen. Diese sind schlicht notwendig.» Deswegen werde der Kanton Bern diese auch ohne Ausnahmen und per sofort umsetzen.
An der heutigen Sitzung der Regierung seien keine kantonale Sonderregelungen beschlossen worden, so Ammann.

Das ist die Ausgangslage

Im Kanton Bern gibt es mittlerweile 62 bestätigte Coronavirus-Fälle, schweizweit sind es über 1000. Um eine weitere Ausbreitung möglichst zu verlangsamen, hat der Bundesrat heute Nachmittag die Massnahmen drastisch verschärft. Bis am 4. April findet im ganzen Land an den Schulen kein Unterricht mehr statt. Zudem sind Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen bis Ende April verboten. Betroffen sind auch Freizeitbetriebe wie Museen, Sportzentren, Schwimmbäder oder Skigebiete. In Restaurants, Bars und Clubs dürfen sich schliesslich noch maximal 50 Menschen aufhalten.

Um 16.30 Uhr informiert eine Delegation des bernischen Regierungsrats mit Christoph Ammann (SP), Pierre Alain Schnegg (SVP) und Christine Häsler (Grüne) darüber, wie der Kanton die neuen Vorgaben umsetzen will und ob noch zusätzliche Massnahmen vorgesehen sind. Zudem wird erwartet, dass die Regierung bekannt gibt, wie sie den betroffenen Unternehmen in dieser Zeit unter die Arme greifen will. Wir berichten live.

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