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Zukunft im Radsport gesichertJetzt hofft Gino Mäder auf viel Schnee

Nach Marc Hirschi hat in der Corona-Saison auch Gino Mäder den Durchbruch bei den Profis geschafft. Der Berner hat schon vor der Vuelta ein neues Team gefunden.

Der 23-jährige Gino Mäder überzeugte an der Vuelta.
Der 23-jährige Gino Mäder überzeugte an der Vuelta.
Foto: zvg

Der zweite Platz am vergangenen Samstag in der 17. und vorletzten Etappe der Vuelta hat aufhorchen lassen. «Das ist mein bestes Resultat bei den Profis», weiss Gino Mäder seinen Exploit in Spanien einzuschätzen. Dass ihn einzig der Franzose David Gaudu bezwingen konnte, wurmt ihn nicht. «Mich freut vor allem, dass ich die drei Wochen ohne einen einzigen schlechten Tag überstanden habe. Damit habe ich nicht rechnen können. Dass es mir derart gut gegangen ist, macht mich mega zufrieden und erfüllt mich mit grösster Zuversicht», berichtet der Berner über seine erste Grand Tour. Schliesslich war bisher 2019 die neuntägige Tour de Suisse seine längste Rundfahrt gewesen.

Weil sein südafrikanisches Team NTT für nächstes Jahr keinen Sponsor mehr hat und unmittelbar vor dem Aus steht, dürfte man annehmen, dass Mäder auch um seine Zukunft als Radprofi gefahren ist, zumal sein Vertrag nach zwei Jahren Ende 2020 ausläuft. Doch der 23-Jährige gibt Entwarnung, sagt, dass er bereits vor dem Start zur Vuelta ein anderes Team gefunden habe. «Aber weil noch ein paar Details zu klären sind, ist noch nichts offiziell.»

Der Absolvent einer KV-Lehre bei Swiss Olympic verheimlicht nicht, dass ihm sein Auftritt in Spanien trotzdem für die weitere sportliche Karriere geholfen hat. «Dass ich ein Ausrufezeichen setzen konnte, war für beide Seiten wichtig. Dem neuen Team zeigt es, dass ich kein Fehltransfer war, und mir beweist es, dass ich bei den Profis angekommen bin. Jetzt werde ich im Fahrerfeld anders wahrgenommen.»

Gino Mäder zeigte sich in Spanien immer wieder an der Spitze.
Gino Mäder zeigte sich in Spanien immer wieder an der Spitze.
Foto: Social Media

Viele hatten ihm einen schnelleren Durchbruch prophezeit, als er 2018 an der U-23-WM mit seiner Fahrweise dem Ittiger Kollegen Marc Hirschi zum Triumph verholfen hatte und selber Vierter geworden war. Im gleichen Jahr hatte Mäder auch mit zwei Etappenerfolgen an der prestigeträchtigen Nachwuchsrundfahrt Tour de l’Avenir aufhorchen lassen. Im ersten Profijahr hatten ihn aber nicht zuletzt ein Handgelenkbruch und Krankheiten gebremst.

Strategie gewechselt

Zu Beginn der Spanien-Rundfahrt verfolgte Mäder vor allem das Ziel einer guten Platzierung im Gesamtklassement. Denn anders als Hirschi gilt der Oberaargauer mehr als Allrounder denn als Etappenjäger. Erst als er realisierte, dass kein Rang in den Top 10 mehr möglich war, setzte er in der dritten Woche auf die einzelnen Tage. Dabei konnte er sich immer wieder mit Vorstössen oder in Fluchtgruppen präsentieren. «Ich habe auf mich aufmerksam machen können», kennt Mäder die Wirkung und ist damit «mega zufrieden». Am Ende resultierten der 20. Rang im Gesamtklassement und Platz 4 in der Rangliste der Jungprofis. Mäder verlor 43 Minuten auf den Sieger Primoz Roglic (SLO), war damit klar der beste Schweizer und der Beste seines Teams.

Erholung in den Bergen

Seit Montag ist der Berner zurück in der Heimat. Der Oberaargauer wohnt bereits seit eineinhalb Jahren in Zürich, nahe der WM-Strecke 2024. «Man muss sein Ziel immer im Auge behalten», meint er dazu schmunzelnd. Doch vorerst ist Erholung angesagt. Diese Woche trainiert er noch, um den Körper langsam auf die Pause vorzubereiten. «Aber danach kenne ich das Velo während dreier Wochen nur noch vom Hörensagen.» Für ihn ist auch klar, wie er nach dieser speziellen und anstrengenden Corona-Saison abschalten wird: «Ich hoffe auf viel Schnee. Denn Winterwanderungen in den Bergen sind für mich etwas vom Schönsten.»