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Corona-Ticker internationalNew York macht zu +++ Fortschritte bei Impfstoff

Fed senkt den Leitzins auf fast null Prozent, Deutschland bestätigt die Grenzkontrollen – die internationalen News zum Coronavirus im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die WHO stuft die Verbreitung des neuartigen Coronavirus nun offiziell als Pandemie ein.
  • US-Präsident Donald Trump hat den nationalen Notstand ausgerufen. Europäische Länder schränken die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung drastisch ein.

LIVE TICKER

Fortschritte bei Impfstoff

Die Mainzer Biotechfirma BioNTech hat nach eigenen Angaben «rapide Fortschritte» bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus gemacht. Es gehe um die Immunisierung und Prävention von Covid-19-Infektionen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung begännen die klinischen Studien mit dem Produktkandidaten Ende April. Dies sei Teil des globalen Entwicklungsprogramms, an dem auch China, die USA und andere europäische Länder mitwirkten.

Zugleich gab BioNTech eine engere Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen Fosun Pharma bekannt. Gemeinsam wollen sie BioNTechs mRNA-Impfstoffkandidaten BNT162 in der Volksrepublik weiterentwickeln. Zudem beteiligt sich das Shanghaier Unternehmen mit 44 Millionen Euro an BioNTech

United Airlines

Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines teilte in der Nacht auf Montag mit, dass sie im März rund 1,5 Milliarden Dollar weniger Umsatz erzielen werde als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. United gehe davon aus, dass sich die Situation infolge des Virus bis in die Sommerreisezeit noch verschlimmern werde.

Foto: Keystone

Gleichzeitig kündigte sie weitere Massnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen des Ausbruchs an. In einer Mitteilung erklärte United weiter, dass der Konzern die Gehälter von Führungskräften im April und Mai um 50 Prozent senke sowie die Flugkapazität um rund 50 Prozent reduziere.

Lateinamerikanische Länder schliessen Grenzen

Auch in Lateinamerika haben einige Länder in der Coronavirus-Krise drastische Massnahmen ergriffen. Die Präsidenten Argentiniens, Perus, Panamas und von Honduras verkündeten in jeweils eigenen Ansprachen an ihre Nationen am Sonntagabend (Ortszeit) die Schliessung ihrer Grenzen.

Mehrere Staaten riefen zudem inzwischen den Notstand aus. Die Gouverneurin des spanischsprachigen US-Aussengebiets Puerto Rico, Wanda Vázquez, verhängte eine inselweite Ausgangssperre jede Nacht bis zum 30. März. In Ecuador dürfen die Menschen nach den Worten von Präsident Lenín Moreno ab Montag nur noch zu bestimmten Zwecken ihre Häuser verlassen.

Kolumbien hatte bereits am Samstag seine Grenze zu Venezuela geschlossen. Der dortige Machthaber Nicolás Maduro ordnete am Sonntag zudem eine Quarantäne in sieben Bundesstaaten Venezuelas an, darunter in der Hauptstadt Caracas. Als erstes Land der Region hatte das mittelamerikanische El Salvador bereits am Donnerstag seine Grenzen geschlossen. Mehrere Länder der Region hatten die Einreise aus dem besonders betroffenen Europa und einigen Staaten Asiens verboten.

Weisses Haus misst Temperatur

Ab Montag werden die Sicherheitsmassnahmen im Weissen Haus verschärft. Bei jedem, der die Regierungszentrale in Washington betritt, werde die Temperatur gemessen, erklärt ein Sprecher des Weissen Hauses.

New York

Aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus bleiben von Montag an auch in der Millionenmetropole New York die öffentlichen Schulen geschlossen. «Ich bin sehr, sehr besorgt, dass wir eine rapide Ausbreitung dieser Krankheit sehen werden, und es ist Zeit, drastischere Massnahmen zu ergreifen.»

Dies sagte Bürgermeister Bill de Blasio am Sonntag bei einer Pressekonferenz. «Es ist eine Entscheidung, die ich ohne Freude und mit viel Schmerz getroffen habe.» Die Schulen sollen frühestens am 20. April wieder eröffnen, hiess es.

Zuvor hatten im Grossraum New York schon vereinzelt Schulen geschlossen, landesweit haben auch schon in einigen ganzen Bundesstaaten wie Ohio die Schulen zu. Die Millionenmetropole New York aber hat mit rund 1,1 Millionen Kindern und Jugendlichen das mit Abstand grösste öffentliche Schulsystem des Landes. Zudem gelten rund 114'000 Schüler als obdachlos, sie und auch viele andere bekommen häufig all ihre Mahlzeiten und medizinische Betreuung von der Schule. Dafür und beispielsweise für die Kinder von Eltern mit für die Stadt «essenziellen Jobs» wie Krankenpflegern und Ärzten solle ein Notfallplan organisiert werden.

New Yorker Bürgermeister de Blasio lässt ab Dienstag zudem Geschäfte, Restaurants, Theater und Kinos schliessen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Restaurants, Bars oder Cafés könnten weiterhin Lieferservice oder Take-Away anbieten, so der Bürgermeister am Sonntag weiter. Mehr als 50'000 Restaurants in New York sind davon betroffen. Nach Angaben der National Restaurant Association erwirtschaften diese einen Jahresumsatz von mehr als 51 Milliarden Dollar und beschäftigen mehr als 800'000 Mitarbeiter.

Chinas Industrie schrumpft

Infolge des Ausbruchs des Coronavirus schrumpft die chinesische Industrie mit dem schnellsten Tempo seit 30 Jahren. Die Industrieproduktion in China ging den offiziellen Angaben vom Montag zufolge mit 13,5 Prozent im Zeitraum Januar-Februar deutlich stärker zurück als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Sie zeigte damit den stärksten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen der Nachrichtenagentur Reuters im Jahr 1990. Die durchschnittliche Prognose von Analysten lag bei einem Anstieg von 1,5 Prozent.

Die Anlageinvestitionen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 24,5 Prozent zurück und blieben damit hinter den Erwartungen der Ökonomen von 2,8 Prozent. Chinesische Regierungsvertreter gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie vorbei sei, aber Analysten warnen, dass es noch Monate dauert, bevor sich die Wirtschaft wieder normalisiere. Die weltweite Ausbreitung des Virus schürt die Angst vor einer globalen Rezession, welche die Nachfrage nach chinesischen Waren treffen wird.

Nach Musikevent steigt Zahl

Japans Gesundheitsministerium identifiziert 15 neue Herde an Coronavirus-Infektionen im ganzen Land. Die grösste Ansammlung befände sich laut Angaben des Ministeriums vom Montag in der Gegend von Osaka, mit mehr als 50 betroffenen Personen.

Die Ansteckung sei bei einer Musikveranstaltung erfolgt. Die Präfekturen Hokkaido, Aichi und Wakayama und die Stadt Tokio berichten jeweils von mehr als 10 infizierten Personen, hiess es.

Tui unterbricht Betrieb

Der Touristikkonzern Tui setzt den grössten Teil aller Reiseaktivitäten bis auf weiteres aus. Nach Angeben des Konzerns sind davon Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb betroffen. Dies solle einen Beitrag zu den weltweiten Bemühungen der Regierungen leisten, die Auswirkungen der Verbreitung des COVID-19 abzuschwächen, so der Konzern in einer Mitteilung am späten Sonntag Abend.

Angesichts der Situation habe der Vorstand beschlossen, die am 11. Februar 2020 veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2020 zurückzuziehen. Darüber hinaus sehe die Unternehmensführung unter den gegenwärtigen Umständen auch davon ab, eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2020 abzugeben, hiess es in der Mitteilung. «Wir ergreifen einschneidende Kostenmassnahmen, um die Auswirkungen auf unser Ergebnis abzumildern. Darüber hinaus haben wir beschlossen, Staatsgarantien zur Unterstützung des Unternehmens zu beantragen, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann», erklärt der Reisekonzern.

Afrika verschärft Massnahmen

Mehrere afrikanische Regierungen haben ihre Landesgrenzen geschlossen. Zudem streichen sie Flüge und erlassen strenge Einreise- und Quarantäneauflagen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa hat den nationalen Notstand ausgerufen und warnte am Sonntag, dass der Ausbruch «potenziell dauerhafte» Auswirkungen auf die am weitesten entwickelte Wirtschaft des Kontinents haben könnte, die sich bereits in einer Rezession befände. «Jedem Ausländer, der in den letzten 20 Tagen Länder mit hohem Risiko besucht hat, wird ein Visum verweigert», sagte er.

Südafrikaner, die betroffenen Länder besuchten, würden bei der Rückkehr in ihre Heimat unter Quarantäne gestellt und Versammlungen von mehr als 100 Menschen verboten, sagte Ramaphosa weiter.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa. (Bild: Reuter)

Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta sagte unterdessen, seine Regierung setze Reisen aus jedem Land mit gemeldeten COVID-19-Fällen aus. «Nur kenianische Staatsbürger und Ausländer mit gültigen Aufenthaltsgenehmigungen dürfen einreisen, sofern sie in Selbstquarantäne gehen», führte er in einer Fernsehansprache am Sonntag aus. Das Verbot werde innerhalb von 48 Stunden in Kraft treten und mindestens 30 Tage in Kraft bleiben. Schulen sollten sofort schliessen und Universitäten bis Ende der Woche, fügte er hinzu. Die Bürger würden ermutigt, bargeldlose Transaktionen zu tätigen, um das Risiko des Umgangs mit kontaminiertem Geld zu verringern.

In Westafrika werde Ghana ab Dienstag jedem, der in den letzten 14 Tagen in einem Land mit mehr als 200 Coronavirus-Fällen war, die Einreise verbieten, es sei denn, es handelt sich um einen Reisenden mit offiziellen Wohnsitz oder um einen ghanaischen Staatsangehörigen. Ghana hat bisher sechs Fälle der Viruserkrankung registriert. Präsident Nana Akufo-Addo erklärt, dass Universitäten und Schulen ab Montag bis auf weiteres geschlossen seien. Öffentliche Versammlungen würden für vier Wochen verboten, sagte er, obwohl private Bestattungen für Gruppen von weniger als 25 Personen erlaubt seien.

Im südlichen Afrika ordnete Namibia die Schliessung von Schulen für einen Monat an, nachdem die ersten beiden Fälle am Samstag bestätigt worden waren. Dschibuti, das bisher keinen bestätigten Fall von COVID-19 hat, werde Regierungsangaben zufolge alle internationalen Flüge aussetzen. Tansania, das ebenfalls noch keine Fälle verzeichnet, sagte Flüge nach Indien ab und setzte Schulmeisterschaften aus. Das Virus hat bisher in mindestens 26 Ländern des Kontinents Fuss gefasst.

Frankreich bereitet Ausgangssperre vor

Nach Italien und Spanien bereitet Insidern zufolge auch Frankreich wegen der Coronavirus-Pandemie eine landesweite Ausgangssperre vor. Die Einwohner würden demnach angewiesen, zu Hause zu bleiben. Davon abweichen dürfe man nur in Notfällen, für Lebensmitteleinkäufe oder wenn man zur Apotheke, ins Krankenhaus oder zur Arbeit müsse, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Massnahme könnte ab Dienstagmitternacht gelten.

Niederlande und Luxemburg

Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat die niederländische Regierung an Sonntag die Schliessung aller Schulen, Bars, Restaurants, Sexclubs und Cannabis-Cafés angeordnet. Auch Luxemburg verkündete die Schliessung aller Bars und Restaurants in der Nacht auf Montag.

Alle Restaurants und Bars mussten laut dem niederländischen Gesundheitsminister Bruno Bruins am Sonntag um 18 Uhr schliessen. Vor den sogenannten Coffee Shops, in denen Cannabis verkauft wird, bildeten sich kurz nach der Ankündigung lange Schlangen.

Sexclub in Amsterdam. (Bild: Reuters)

In den Niederlanden bleiben von Montag an für drei Wochen auch die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, wie Bildungsminister Arie Slob abkündigte. Ausnahmeregelungen gelten für Kinder von Eltern mit «lebenswichtigen Berufen». Viele Schulen hätten bereits Massnahmen ergriffen, um Fernunterricht per Internet einzuführen, teilte der öffentlich-rechtliche Sender NOS mit.

In den Niederlanden war der Druck auf die Behörden zuletzt gewachsen, nachdem das benachbarte Belgien Massnahmen wie Schul- und Restaurantschliessungen bereits am Donnerstag angeordnet hatte. Die offizielle Zahl der Todesfälle in den Niederlanden durch die Lungenkrankheit Covid-19 liegt bei 20. Bislang wurden 1135 Infektionen registriert.

Auch Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel verkündete am Sonntagabend die Schliessung aller Restaurants und Bars. Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sollen weiter geöffnet bleiben. In Luxemburg sind bislang 50 Coronavirus-Fälle bekannt. Ein Mensch ist gestorben.

China fürchtet sich vor «Importen»

Die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen bleibt in China laut offizieller Zahlen auf niedrigem Niveau. Jedoch steigt die Sorge vor Erkrankten, die aus dem Ausland einreisen.

Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Montag mitteilte, gab es landesweit 14 weitere Todesfälle und 16 neue Infektionen mit der Lungenkrankheit Covid-19. Dabei handelte es sich in zwölf Fällen um Personen, die nach ihrer Einreise nach China diagnostiziert und somit in der offiziellen Statistik als «importierte Fälle» geführt werden.

Die Hauptstadt Peking verschärfte ihre Quarantänemassnahmen für Reisende aus anderen Staaten. Seit Montag müssen alle Passagiere, die aus dem Ausland am internationalen Flughafen ankommen, für zwei Wochen zur Beobachtung in Quarantänezentren. Zuvor war auch eine Quarantäne in Hotels oder Zuhause möglich.

Trump warnt vor Panikkäufen

US-Präsident Donald Trump hat die Amerikaner aufgerufen, Panikkäufe wegen der Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Dies sagte Trump am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus nach einer Telefonkonferenz mit Chefs grosser Handelsketten.

Er betonte an die Adresse der US-Bürger: «Sie müssen nicht so viel kaufen. Nur keine Hektik, entspannen Sie sich einfach.» Seine Gesprächspartner hätten ihm zugesagt, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Sie würden ihre Läden während der Krise offenhalten.

(Bild: Keystone)

Trump sagte, die Menschen kauften derzeit «drei bis fünf Mal so viel, wie sie normalerweise einkaufen würden». Als Reaktion darauf würden Supermärkte ihre Lager deswegen in einem Ausmass auffüllen, das jenes für das Weihnachtsgeschäft übersteigen werde. Trump betonte: «Es gibt für niemandem im Land die Notwendigkeit, Grundnahrungsmittel zu horten.» Seine Gesprächspartner hätten ihn gebeten, den Amerikanern auszurichten, dass sie «bitte ein bisschen weniger kaufen» sollten.

In den USA gibt es - wie auch in anderen von dem Virus betroffenen Ländern - einen Run auf Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Konservendosen sowie Wasser. Vor manchen Supermärkten bildeten sich in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Einige Läden begrenzen den Verkauf von Waren, die wegen der Ausbreitung des Coronavirus besonders gefragt sind, auf eine bestimmte Stückzahlen.

Fed senkt Leitzinsen auf fast null Prozent

Die US-Notenbank Federal Reserve senkt die Leitzinsen wegen der Folgen des Coronavirus überraschend zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen. Die neue Spanne liegt bei null bis 0,25 Prozent - einen Prozentpunkt niedriger als bisher, wie die Notenbank am Sonntagabend mitteilte. Sie will die US-Wirtschaft damit vor den Folgen der Pandemie schützen.

«Die Auswirkungen des Coronavirus werden die wirtschaftliche Aktivität kurzfristig belasten und ein Risiko für die konjunkturelle Entwicklung bedeuten», begründete das Fed den Schritt. Die neue Spanne werde so lange auf diesem Niveau bleiben, bis die Wirtschaft die jüngsten Entwicklungen überstanden habe und wieder auf Kurs sei, ihre Ziele für Beschäftigung und Preissatabilität zu erreichen.

Zuletzt hatte das Fed die Leitzinsen am 3. März um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Es war die erste Zinssenkung seit der Finanzkrise 2008 ausserhalb eines regulären Treffens ihrer Mitglieder. Die nächste Sitzung steht am Dienstag und Mittwoch an.

Bayern ruft den Katastrophenfall aus

Bayern will wegen der grassierenden Coronavirus-Pandemie den Katastrophenfall ausrufen. Das bestätigte Ministerpräsident Markus Söder am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. «Es muss eine Strategie geben unter einer Führung», begründete der CSU-Politiker den Schritt. «Die Herausforderung wächst täglich.» Zudem sollen Clubs, Bars, Schwimmbäder oder Spielhallen sowie nicht für die Grundversorgung notwendige Geschäfte geschlossen werden. Für Supermärkte und andere Lebensmittelläden könnten dagegen die Öffnungszeiten sogar verlängert werden. Ausgangsbeschränkungen wie in Österreich seien zunächst nicht geplant.

Für den Mittelstand plane er einen «grossen bayerischen Schutzschirm», kündigte Söder an. «Da braucht es schnelle und unbürokratische Hilfe.» Näheres will er am Montag in München in einer über das Internet übertragenen Pressekonferenz mitteilen.

1809 Tote in Italien

Trotz drakonischen Massnahmen nimmt die Zahl der Coronavirus-Todesopfer in Italien weiterhin zu. Am Sonntag wurden 368 zusätzliche Todesfälle gemeldet, das sind fast doppelt so viele wie jene, die am Samstag gemeldet wurden. Damit stieg die Zahl der Opfer seit Beginn der Epidemie am 21. Februar auf 1809, wie der Zivilschutz am Sonntag in Rom mitteilte.

Die Infektionen kletterten um 2853 auf 20'603. 1372 Personen lagen auf der Intensivstation. 2335 Personen sind inzwischen genesen.

Die Lombardei ist mit 1218 Todesopfern die am stärkste betroffen Region, gefolgt von der Emilia Romagna (284 Todesopfer), vom Veneto (63) und den Marche (46). Im Friaul gab es 14 Todesfälle, in der Provinz Südtirol waren es fünf.

Deutschland bestätigt Grenzkontrollen

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hat die Rückkehr zu Grenzkontrollen wegen der Corona-Krise bestätigt. Es sollen vorübergehend wieder Grenzkontrollen an den Grenzen zu Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Dänemark und Frankreich eingeführt werden, wie Seehofer am Sonntagabend in Berlin sagte. Die Kontrollen greifen demnach ab Montagmorgen 8 Uhr.

«Die Ausbreitung des Coronavirus schreitet schnell und aggressiv voran», sagte Seehofer. «Wir müssen davon ausgehen, dass der Höhepunkt dieser Entwicklung noch nicht erreicht ist.»

«Deutsche Staatsangehörige haben selbstverständlich das Recht, wieder in ihr Heimatland einzureisen», sagte Seehofer. Die Dauer der Massnahmen sei noch nicht absehbar. Wie Seehofer sagte, geht es dabei vor allem um den Reiseverkehr. Der Warenverkehr und auch der Grenzübertritt für Berufspendler bleibe möglich.

Zuvor hatten schon andere EU-Staaten ihre Grenzen weitgehend dicht gemacht, darunter Dänemark, Polen, die Slowakei, Tschechien und Österreich. Frankreich kündigte als Reaktion auf die deutschen Massnahmen ebenfalls verschärfte Kontrollen an.

Die Grenze wird wohl nicht vollständig geschlossen, es handelt sich um verschärfte Kontrollen und mögliche Zurückweisungen. Grenzübergang in Basel. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Hintergrund ist nicht nur die Eindämmung des Coronavirus, sondern auch der Versuch, Hamsterkäufe von Ausländern zu unterbinden, die im grenznahen Raum bereits zu Versorgungsproblemen geführt haben, wie die «Bild-Zeitung» ebenfalls berichtete.

Frankreich: «Das ist keine Grenzschliessung»

Bei den offenbar für Montag geplanten verschärften deutschen Kontrollen an der Grenze zu Frankreich, Österreich un der Schweiz handelt es sich Frankreich zufolge nicht um eine Schliessung der Grenze. «Das ist keine Grenzschliessung.

Dies sind Schritte zu verstärkten Kontrollen», erklärt das Präsidialamt. Mehrere Medien berichten, Deutschland wolle verschärft kontrollieren und auch Menschen zurückweisen. Berufspendler oder der Warenverkehr seien aber nicht betroffen.

Nationalisten scheitern mit Bildung einer Krisenregierung in Belgien

In Belgien ist die Bildung einer Krisenregierung zum Kampf gegen die Covid-19-Epidemie vorerst gescheitert. Die französischsprachigen Sozialisten erteilten am Sonntag einem befristeten Bündnis mit der flämischen Nationalistenpartei N-VA eine Absage. Stattdessen signalisierten sie Unterstützung für Notmassnahmen der amtierenden Regierung.

Diese hat seit einem Koalitionsbruch im Herbst 2018 keine eigene Mehrheit. Nach der Parlamentswahl vom 26. Mai 2019 gelang keine neue Koalition. Die amtierende liberale Ministerpräsidentin Sophie Wilmès kann sich nur auf 38 der 150 Abgeordneten im Parlament stützen.

N-VA-Chef Bart De Wever hatte am Samstag die Gründung einer Übergangsregierung für ein Jahr vorgeschlagen, um die Coronavirus-Pandemie und die erwartete Rezession zu bewältigen. Daraufhin führten die wichtigsten Parteien Gespräche bis tief in die Nacht zum Sonntag hinein. Für eine stabile Mehrheit würden sowohl die N-VA als auch die Partei der französischsprachigen Sozialisten PS gebraucht.

PS-Chef Paul Magnette wies den Vorstoss der N-VA aber am Sonntag zurück. «Es geht nicht um eine Regierungsbildung», sagte er dem Sender RTL-TVi. «Wir sind mitten in einer grossen Krise.» Priorität habe die Eindämmung des Coronavirus. Man dürfe keine Zeit verlieren. «Die PS wird im Parlament alle nötigen Massnahmen der Regierung gegen die Krise unterstützen», kündigte Magnette an.

Am Montag sollen die derzeit mit Sondierungen beauftragten liberalen Parteivertreter Patrick Dewael und Sabine Laruelle König Philippe Bericht erstatten.

Spanien meldet hundert neue Corona-Todesopfer innert 24 Stunden

Spanien hat innert 24 Stunden hundert neue Corona-Todesopfer und 2000 neue Infektionsfälle registriert. Das teilten die spanischen Behörden am Sonntag mit. Damit verzeichnet das Land nunmehr 288 Todesopfer und mehr als 7750 Infektionsfälle.

Spanien ist das am zweitstärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa - nach Italien. Am Samstag hatte die Regierung in Madrid den Notstand ausgerufen und das Land fast vollständig unter Quarantäne gestellt.

Alitalia geht Geld aus, Italien plant Übernahme

Der ohnehin angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia geht einem Insider zufolge das Geld aus. Die Fluglinie stehe trotz einer 400-Millionen-Euro-Kapitalspritze des Staates Anfang des Jahres kurz vor der Zahlungsunfähigkeit, sagt ein Insider Reuters. Die Regierung stehe kurz vor einer Übernahme. Die Zeitung «Il Maeesaggero» berichtet ebenfalls vor einer bevorstehenden Komplett-Verstaatlichung.

Ein Airbus A330 der Alitalia Fluggesellschaft rollt über die Bahn des Leonardo da Vinci-Fiumicino Flughafens in Rom.
Ein Airbus A330 der Alitalia Fluggesellschaft rollt über die Bahn des Leonardo da Vinci-Fiumicino Flughafens in Rom.
Foto: Alberto Lingria/Reuetrs

REUTERS/SDA