Inländervorrang verärgert die Gastronomie

Ob Spitzenkoch oder Hilfspersonal: Beides fällt künftig unter die Kategorie Küchenpersonal.

Hilfskräfte gibt es viele, Spitzenköche wie Franck Giovannini (rechts) sind dagegen rar. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Hilfskräfte gibt es viele, Spitzenköche wie Franck Giovannini (rechts) sind dagegen rar. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Rahel Guggisberg

Wenige Wochen vor der Einführung wird klar: Das Gastgewerbe hadert mit dem «Inländervorrang light». Hinter den Kulissen ringt der Wirteverband Gastro Suisse noch in letzter Minute um Änderungen an der Regelung. Gespräche gab es jüngst gar auf oberster Ebene: zwischen dem Gastro-Suisse-Präsidenten Casimir Platzer und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, wie Platzer gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz einräumte.

Der «Inländervorrang light», der die Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer bremsen soll, verpflichtet Unternehmer ab dem 1. Juli, den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) offene Stellen zu melden, wenn die Arbeitslosenquote landesweit in einer Berufsart 8 Prozent beträgt. 75'000 Jobs sind jährlich davon betroffen, schätzt das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Nach einer Übergangsfrist sinkt der Schwellenwert im Jahr 2020 auf 5 Prozent. Das Ziel ist, Arbeitssuchenden in der Schweiz einen Vorsprung gegenüber Bewerbern aus dem Ausland zu gewähren.

Vorerst keine Anpassung

«Der Inländervorrang mit Stellenmeldepflicht an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren bedeutet für unsere Branche insbesondere im Küchenbereich einen totalen Leerlauf und viel Mehraufwand», sagte Gastro-Suisse-Präsident Casimir Platzer gestern in Bern. Das Problem liegt in der Begriffsdefinition für die Gastronomie, wo es bis jetzt nur die Kategorie Küchenpersonal gibt. Darunter fallen einerseits die Hilfskräfte, aber auch die Spitzenköche. Platzer fordert, dass die Berufsart Küchenpersonal in realitätsnahe Kategorien aufgeteilt werde. «Hilfskräfte können wir relativ rasch finden», sagt er. Ganz anders sehe es bei den ausgebildeten Köchen aus. «Köche sind extrem gesucht. Es herrscht Mangel auf dem Arbeitsmarkt», sagt Platzer, der selber in Kandersteg ein Hotel führt. Dass Köche ein Mangelberuf sind, habe auch das Seco bestätigt.

Seco-Sprecher Fabian Maienfisch stellt klar, man müsse sich an die Vorgaben des Parlaments halten. Man sei sich der Unzufriedenheit von Gastro Suisse bewusst und sei derzeit auch mit anderen Branchen im Gespräch, die nicht zufrieden seien mit den neuen Regelungen. Es sei aber unmöglich, für alle eine individuelle Lösung zu finden.

«Wir können derzeit den Begriff ‹Küchenpersonal› nicht anpassen. Sollte sich in der Praxis zeigen, dass es Probleme gibt, kommen wir darauf zurück», sagt der Seco-Sprecher. Da das Seco nicht die Kompetenz hat, diese mangelhafte Einteilung im Gastgewerbe zu korrigieren, fordert Gastrosuisse nun den Bundesrat auf, diesen Missstand zu beheben.

Fünf Arbeitstage exklusiv

Die meldepflichtigen offenen Stellen bleiben inländischen Stellensuchenden für 5 Arbeitstage exklusiv vorbehalten. Für Platzer ist das ein Problem: «Wegen dieser Regelungen dürfen wir Köche erst auf dem freien Markt suchen, wenn die Sperrfrist abgelaufen ist.» Kündige ein Koch vor Weihnachten, könne es wegen der Feiertage und der Meldebestätigung bis zwei Wochen dauern, bis der Arbeitgeber aktiv werden könne. Im Januar sei dann die Hochsaison vorbei.

Derzeit ermittelt das Seco, in welchen Berufen eine Arbeitslosenquote von mindestens 8 Prozent vorliegt. Die Ergebnisse sollen Ende April auf der Website www.arbeit.swiss aufgeschaltet werden. Arbeitgeber können dann herausfinden, ob eine frei werdende Stelle meldepflichtig ist oder nicht. Je nachdem, wie eine Kategorie definiert wird, fällt sie unter die Meldepflicht. Die Arbeitgeber haben wegen des Aufwands ein Interesse daran, dass wenige Berufe betroffen sind. Seco-Sprecher Maienfisch sagt: «Wer eine meldepflichtige Stelle vorsätzlich nicht meldet, muss mit hohen Bussen von 40'000 Franken rechnen.»

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