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Sommerserie: Von Porto nach Bern«Ich hatte Angst, einkaufen zu gehen»

Alexandra Dias (49) kam als Gymnasiastin das erste Mal in die Schweiz. Heute arbeitet sie als Betriebsassistentin der Cafeteria und Mensa der Uni Bern.

Alexandra Dias wollte schon als Kind nach Bern.
Alexandra Dias wollte schon als Kind nach Bern.
Foto: Adrian Moser

Ich kam nicht aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz, sondern wegen meines Grossvaters. Er stellte mir die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, einmal für ein paar Monate in der Schweiz oder in Frankreich zu arbeiten. Mir hat die Idee gefallen. Wenige Wochen später war es so weit. Ich sass mit anderen Portugiesen in einem Bus, und wir fuhren Richtung Schweiz. Damals war ich einundzwanzig Jahre alt und besuchte das Gymnasium.

«Die Feiertage verbrachte ich in meinem Zimmer und hörte Radio. Ich fühlte mich alleine und verloren.»

Alexandra Dias

Bei meinem Arbeitgeber in Lengnau bei Biel wurde ich abgesetzt. Der Chef kochte mir etwas zu essen und zeigte mir mein Zimmer. Die nächsten drei Monate arbeitete ich im Gewächshaus seiner Gärtnerei. Die Arbeit gefiel mir, der Chef und die Arbeitskollegen waren nett. Einige Freundschaften sind bis heute geblieben. Zum Glück konnte ich mich auf Französisch verständigen, das hatte ich am Gymnasium gelernt. Was ich jedoch nicht konnte, war Deutsch. Ich wusste nicht einmal, dass man diese Sprache in der Schweiz spricht. Ich war ahnungslos.

Grüessech und Merci

Angst hatte ich vor dem Einkaufen. Ich wollte keine Fehler machen, so ging ich erst mal in den Coop und beobachtete, wie sich die Menschen verhalten. Ich sah, dass es nicht schwierig ist, und merkte mir, dass ich an der Kasse erst Grüessech und dann Merci sagen muss. So schaffte ich es nach einiger Zeit, mir Bananen zu kaufen.

Die ersten Wochen plagte mich das Heimweh. Ich war ständig traurig. Es war auch noch Weihnachtszeit, und ich erinnere mich, wie ich die Feiertage in meinem Zimmer verbrachte und Radio hörte. Ich fühlte mich alleine und verloren. Das änderte sich aber ein paar Tage später. An Silvester nahmen mich die jüngeren Arbeitskollegen mit zum Feiern. Von da an war ich am Wochenende mit ihnen zusammen, bis mein Arbeitsaufenthalt abgelaufen war und ich zurück nach Porto musste. Ja, es war ein Müssen, denn ich hatte mich mittlerweile eingelebt.

«Während der Zimmerstunde löste ich Kreuzworträtsel, um Deutsch zu lernen.»

Alexandra Dias

In Porto beendete ich das Gymnasium und kehrte nach zwei Jahren zurück in die Schweiz. Eine Zeit lang reiste ich als Saisonnier hin und her, arbeitete im Gastgewerbe in Grindelwald und in Mühleweg. Während der Zimmerstunde löste ich Kreuzworträtsel, um Deutsch zu lernen. Immer wieder traf ich auf Leute, die mir halfen, mich in der Schweiz zu integrieren. Die Chefin in Grindelwald hat mit mir Deutsch gelernt, und der Chef in Mühleweg verhalf mir zu einer Arbeitsbewilligung, die für fünf Jahre galt. Heute arbeite ich als Betriebsassistentin der Cafeteria und Mensa der Uni Bern. Das macht mich stolz.

Integration fiel leicht

Ich wollte übrigens schon als Kind nach Bern, auch wenn ich nicht wusste, wo die Stadt liegt. Meine Mutter hatte ein Buch, in dem die Hauptstädte Europas abgebildet waren. Die Bilder von Bern, sie zeigten die Altstadt von oben und wie sich die Aare wie zwei Arme um die Stadt legt, gefielen mir.

Dass es mir recht leicht gefallen ist, mich hier zu integrieren, hat vielleicht damit zu tun, dass ich aus Portugal stamme. Wir Portugiesen müssen nicht, wie Menschen aus anderen Ländern, gegen Vorurteile ankämpfen.