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Das 1. virtuelle Radrennen«Ich bin absolut am Limit gefahren»

Gino Mäder hat für das 1. virtuelle Rennen der Tour de Suisse nur lobende Worte übrig. Der Oberaargauer musste aber auf der Rolle leiden.

Der 23-jährige Berner Radprofi Gino Mäder fährt für das südafrikanische Team NTT.
Der 23-jährige Berner Radprofi Gino Mäder fährt für das südafrikanische Team NTT.
Foto: nttprocycling

Die Corona-Krise macht auch erfinderisch. «The Digital Swiss 5» nennt sich die virtuelle Variante der Tour de Suisse. 57 Fahrer aus 19 Teams haben sich am Mittwoch bei der Premiere von Agarn nach Leukerbad gemessen. Der Australier Rohan Dennis drückte auf der Rolle in seinem spanischen Domizil rund sechs Watt pro Kilogramm und war nach 53 Minuten im Ziel. Der Oberaargauer Gino Mäder benötigte für die 26 Kilometer rund sechseinhalb Minuten länger und belegte Rang 27. Mäder wird am Sonntag auch noch das fünfte und letzte Rennen der ersten virtuellen Tour de Suisse bestreiten.

Gino Mäder, kam für Sie Rennfeeling auf?

Absolut. Wir haben uns auch wie auf ein richtiges Rennen vorbereitet und sind sogar Ausscheidungen gefahren, um zu ermitteln, welche drei Fahrer starten können. Im Rennen waren wir auch wie richtig mit dem Trainer verbunden und erhielten Anweisungen.

SRF hat das Rennen live übertragen, hatten Sie dieselben Bilder?

Ja, ich denke schon. Aber ehrlich gesagt konnte ich mich nicht auf den Bildschirm konzentrieren, ich hatte genug mit mir selber zu kämpfen.

Das heisst, Sie wussten während des Rennens nicht, welche Position Sie belegten?

Doch, ungefähr schon. Aber taktieren und sich auf Positionskämpfe konzentrieren kann man nicht. Als ich zwar meinen Teamkollegen Louis Meintjes ins Bild kommen sah, gab mir das schon Motivation, an ihm dranzubleiben. Grundsätzlich ist es jedoch wie ein Zeitfahren, jeder fährt für sich und gegen die Uhr. Ich habe mir vor dem Start einen Plan zurechtgelegt, welche Passage oder Steigung ich mit welcher Leistung absolvieren will. Letztlich war es eine Stunde Vollgas, ich bin absolut am Limit gefahren. Ich bin überzeugt, dass jeder Fahrer nach spätestens 40 Minuten am Anschlag war. Auf jeden Fall war es für mich enorm intensiv und ein sehr gutes Training.

Normal trainieren Sie aber nicht auf der Rolle?

Den Spaniern bleibt bei der aktuellen Ausgangssperre keine andere Wahl. Ich bin jedoch zu Hause in Zürich und darf draussen trainieren. Da müsste jemand schon sehr gute Argumente haben, um mich zu einem Training auf der Rolle zu überreden.

Welches Fazit ziehen Sie nach der virtuellen Premiere?

Es hat Spass gemacht und ist eine coole Sache. Aktuell ist es die beste Variante für den Radsport. Und unsere Sportart hat auf diese Weise den Vorteil, dass sich die weltbesten Fahrer miteinander messen können.

Wie sehen Sie die Zukunft solcher virtuellen Rennen?

Sie können eine gute Ergänzung bleiben, aber dass sie die Zukunft des Radsports sind, ist nicht realistisch.