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Kolumne NachspielIch abonniere dich, überall

Stalke ich jemanden, wenn ich ihm auf all seinen Social Media Kanälen folge? Eine schwierige Frage. Etwas könnte helfen.

Mittlerweile sind wir auf unzähligen Plattformen gleichzeitig unterwegs. Das birgt ungeahnte Gefahren.
Mittlerweile sind wir auf unzähligen Plattformen gleichzeitig unterwegs. Das birgt ungeahnte Gefahren.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Kürzlich habe ich jemanden kennen gelernt. Also nicht Date-mässig, einfach so ganz normal. Eine neue Person. Man unterhielt sich übers Wandern, über Bier, über die Arbeit. Und darüber, wer was wo postet. Die selbstgeschriebenen Artikel postet er auf Twitter. Ich auf Twitter und Instagram. Nein, meinte er, Instagram sei eher für Privates, Wanderfotos oder so.

Weil wir beide kurz nach jung sind, ist Facebook für uns auch noch ein Ding, stellten wir fest. Unweigerlich überlegte ich, ob es zu viel wäre, wenn ich der neuen Bekanntschaft auf Twitter und Instagram folgen würde. Und auf Facebook. Und Linkedin. Vielleicht hat er auch ein Tiktok-Profil, einen Youtube-Channel, einen eigenen Podcast, Pinterest?

Zwei Kanäle schienen mir intuitiv akzeptabel. Aber drei oder sogar mehr? Stalking bedeutet, eine Person willentlich zu verfolgen, und das wiederholt. Auf Social Media folgt man nur willentlich. Trotzdem stelle ich mir vor, wie das aussieht, wenn plötzlich sieben Meldungen aufploppen «Aleksandra Hiltmann folgt Ihnen jetzt». Nein. Das ist gruselig.

Die Stalker? Das sind die anderen

Alternative? Ich müsste mich entscheiden, auf welcher Ebene ich das Dasein dieser Person virtuell (und ganz legal) beobachten möchte – beruflich, privat, kreativ, professionell. Ich entscheide mich aber nicht gerne. Lieber hätte ich jemanden kennen gelernt, der auf allen Kanälen alles postet, dann würde ein Kanal auch reichen. Recherchen und Katzenfotos sind sowieso eine gute Kombo, finde ich.

Jedenfalls meine ich: Es sollte eine Art Abo geben. Ich abonniere dich, einmal, überall. Die betreffende Person sollte dann eine Mail kriegen, in der steht: «Sie wurden abonniert.» Auf keinen Fall sollte zu jedem Kanal einzeln eine Meldung auftauchen. Das würde das Abo dann regeln.

Auch müsste ich nicht alle Plattformen einzeln durchsuchen. Denn die Leute geben sich oft viele verschiedene Namen – je nach Kanal den passenden, mal hip, mal seriös. Auch das würde das Abo regeln. Und dann würde ich mich aufs Sofa legen und mir Stalking-Dokus und -Serien, etwa «You» auf Netflix, ansehen und denken: DIE spinnen. Ich nicht. Aber noch gibts das Abo nicht.