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Top-Smartphone P40 vorgestelltHuawei, die Kamerafirma

Während das US-Embargo den chinesischen Telecomkonzern von allen Google-Diensten abschneidet, setzt Huawei mit den neusten Handys mehr denn je auf Kamerakompetenzen.

Rafael Zeier
Handliches Handy, grosse Kamera: Das P40 Pro macht keinen Hehl daraus, dass die Kamera im Zentrum steht.
Handliches Handy, grosse Kamera: Das P40 Pro macht keinen Hehl daraus, dass die Kamera im Zentrum steht.
Foto: Rafael Zeier

Wer sich die gestrige Corona-bedingte Youtube-Präsentation der neusten Huawei-Smartphones angeschaut hat, hätte meinen können, es handle sich hier um eine Kamerafirma und nicht um einen gigantischen Telecomkonzern aus China.

Die P40 (799 Franken), P40 Pro (999 Franken) und P40 Pro+ (1399 Franken, ab Juni) genannten neuen Kameras des Konzerns bestechen mit grossen Fotosensoren, vielen Objektiven (bis zu fünf) und zehnfachem optischem Zoom. Gerade Letzteres ist eine beeindruckende Ingenieursleistung.

Der optische (nicht digitale) zehnfache Zoom des teuersten Pro+ entspricht laut Huawei einer Brennweite von 240mm. Vereinfacht gesagt: Bei einer traditionellen Kamera wäre das ein ziemlich langes Objektiv. Möglich macht das eine aufwendige Periskop-Konstruktion, die das Licht mit Spiegeln und Prismen ins Innere des Gehäuses leitet.

In Huaweis Produktvideo wird die aufwendige Konstruktion kurz gezeigt:

Das Licht wird über mehrere Stationen ins Innere des Smartphones und auf den Fotosensor geleitet.
Das Licht wird über mehrere Stationen ins Innere des Smartphones und auf den Fotosensor geleitet.
Foto: Huawei

Die eine oder der andere dürfte sich nun fragen, was an zehnfachem Zoom so spektakulär ist, verfügt doch Samsungs neustes Smartphone über einen 100-fach-Zoom. Nun, das Galaxy S20 Ultra hat nur ein optisches Vierfach-Zoom-Objektiv (Das Galaxy S20 Ultra im Test). Um auf 100-fach zu kommen, nutzt Samsung ganz viele Softwaretricks.

Huawei nutzt natürlich auch bei der neuen Kamera wieder reichlich Software-Tricks. In der Vergangenheit hat der Konzern schon mal überbordet und Fotos per Software gar theatralisch nachbearbeitet. Ob das beim P40 die Freude an der an sich spektakulären Hardware trübt, wird ein ausführlicher Test zeigen.

Auch ein Smartphone

Der Clou an Huaweis neusten Kameras ist aber natürlich, dass man damit auch telefonieren, ins Internet und Apps nutzen kann. Schliesslich sind es in erster Linie Smartphones und erst in zweiter Kameras.

Was das Smartphone angeht, fällt vor allem auf, dass alle vier Geräte nun per 5G ins Netz können. Ein Hingucker ist der OLED-Bildschirm, der sich an allen vier Kanten leicht nach unten biegt.

Kameras, wohin das Auge reicht: Der OLED-Bildschirm des P40 Pro wird oben links von einer markanten Doppel-Selfiekamera unterbrochen.
Kameras, wohin das Auge reicht: Der OLED-Bildschirm des P40 Pro wird oben links von einer markanten Doppel-Selfiekamera unterbrochen.
Rafael Zeier

Beim wichtigsten Aspekt eines Smartphones – den Apps – wird es wegen des US-Handelsembargos aber kompliziert. Huawei darf nach wie vor keine Google-Dienste verwenden und ist darum nicht nur von praktischen Apps wie Google Maps oder Google Fotos abgeschnitten, sondern auch vom Google Play Store und damit der einfachsten Methode, Android-Apps zu installieren.

Huawei hat an der Präsentation erneut darauf hingewiesen, dass das Unternehmen Milliarden investiere, um Entwickler zu motivieren, ihre Apps auch in die Huawei App Gallery zu stellen.

Trotzdem fehlen nach wie vor gerade die grossen amerikanischen Apps und lokale Apps. Statt der Migros-App empfiehlt die App Gallery die Migros-Website, und statt der Coop-App kommt eine App mit digitalen Werbebroschüren aus Deutschland.

Trotzdem fällt auf, wie sich Huawei mit Empfehlungen, Alternativen und Links langsam einen Weg um das US-Embargo herum sucht.

Interessantes Detail: Auf dem P40 Pro, das uns Huawei bereits für einen Test ausgeborgt hat, ist Microsoft Office vorinstalliert. Anders als für Google ist das bei Microsoft anscheinend kein Problem. Schliesslich darf Huawei auch weiter Laptops mit Windows verkaufen.

Erster Eindruck

Bei der Hardware gibt es wie gewohnt Höchstnoten für Huawei. Alle drei Varianten des P40 bieten in Sachen Hardware alles, was man für Preise über 500 Franken und über 1000 Franken erwarten kann: schönes Design, genug Speicher, 5G, gute Bildschirme, grosse Akkus und eben eine sehr vielversprechende Kamera.

Bei der Software sieht es anders aus: Das auf Android 10 basierende eigene, Google-freie Betriebssystem macht einen gewohnt guten Eindruck. Aber das Problem mit den Apps dürfte Huawei erneut die Suppe versalzen. Wie schwer sich das US-Embargo auf das neue Flaggschiff von Huawei auswirkt, muss ein ausführlicher Test zum Verkaufsstart Anfang April zeigen.

Es sieht aber schon jetzt ganz danach aus, dass man das Handy nur Technik- und Kamera-Fans empfehlen kann. Für Wenignutzer, die kaum Apps auf ihrem Handy haben und schon gar keine neuen installieren, dürfte das P40 dagegen schlicht zu teuer und darum auch keine Empfehlung sein. Nein, einfach wird es für Huawei heuer nicht.

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