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Sanierung des SaaneviaduktsHier wird die neue Eisenbahnbrücke über die Saane hochgehievt

Ein Riesenkran platzierte am Dienstag eine Stahlbrücke exakt auf ein Gerüst über der Saane. Im Sommer wird die Brücke an ihren Platz im Saaneviadukt geschoben.

Hier wird die neue Stahlkonstruktion durch die Luft gehoben.
Keystone-sda

Sie ist ein wichtiges Puzzleteil bei der Sanierung des Saaneviadukts bei Gümmenen. Und ein grosses und schweres zugleich: die neue Stahlbrücke über die Saane. Sie hat eine Spannweite von 65 Metern und wiegt 340 Tonnen. Sie wurde in den letzten Monaten in Einzelteilen aus Jona nach Gümmenen transportiert und vor Ort in einem Zelt zusammengesetzt. Am Dienstagvormittag war nun ein «grosser Tag auf der Baustelle», wie es Hannes Kobel formulierte, der Gesamtprojektleiter der BLS.

Langsame Bewegungen

Über die Saane ist ein Gerüst aus vier Podesten aufgestellt worden, parallel zum bestehenden Übergang.
Die neue Brücke wird an diesem Vormittag auf das Gerüst gehoben. Dort wird es für den Einbau im Sommer vorbereitet. Dazu war ein imposanter Raupenkran nötig, dessen Dimensionen ihrerseits den normalen Rahmen sprengen: 1200 Tonnen schwer und 56 Meter hoch. Als Gegengewichte hängen 550 Tonnen in Form von Stahlplatten am Gefährt. Mit rund 45 Transporten wurde das Riesending aus der Zentralschweiz herangekarrt.

Die spektakuläre Aktion zog viele Schaulustige an.
Die spektakuläre Aktion zog viele Schaulustige an.
Foto: Raphael Moser

Etwa um 8.30 Uhr hebt der Kran die Brücke langsam vom Boden ab. Die Bewegungen des Auslegers sind von Auge teilweise kaum erkennbar. Auch als sich der Kran ein paar Meter vorwärtsbewegt, geschieht das im Schneckentempo. Die Brücke am Haken darf ja nicht zu schwingen beginnen. Helfer am Boden ziehen an Seilen, um die paar Hundert Tonnen Stahl in die richtige Position zu bringen.

Die Helfer am Boden wirken angesichts der Grösse des Krans ganz klein.
Die Helfer am Boden wirken angesichts der Grösse des Krans ganz klein.
Foto: Raphael Moser

Das ungewöhnliche Spektakel zieht viele Schaulustige an. Mit Kameras oder dem Smartphone verfolgen sie das Prozedere, das rund zweieinhalb Stunden dauert. Etwa um 11 Uhr ist die Stahlbrücke auf drei 20 Meter hohen Podesten über der Saane platziert. Mithilfe eines zweiten Krans wird die Brücke anschliessend noch mehr in Richtung anderes Flussufer in die richtige Position geschoben.

Fünf Wochen Totalsperre

Bis zum Sommer erhält die Brücke eine Abdeckung aus Beton, auf dem Schotter und die Gleise zu liegen kommen. In den Sommerferien wird die Bahnstrecke zwischen Bern Westside und Kerzers während fünf Wochen gesperrt. In dieser Zeit wird die alte Stahlbrücke herausgehoben und die neue hineingeschoben.

In der gleichen Periode wird der denkmalgeschützte Saaneviadukt erneuert und auf Doppelspur ausgebaut. Das knapp 120-jährige Bauwerk erhält breitere Betontröge aus 90 Elementen à 50 Tonnen. Zuvor werden sechs Pfeiler mit Zementinjektionen verstärkt, um das Zusatzgewicht zu tragen. Für die Platzierung dieser Betonelemente muss die Hauptstrasse zwischen Gümmenen und Laupen für einige Tage gesperrt werden.

Die Arbeiten am rund 400 Meter langen Viadukt laufen seit Herbst 2018. Die über hundertjährige Konstruktion auf der Bahnstrecke Bern–Neuenburg weist an Bogen und Pfeilern Frost- und Fugenschäden auf. Der Gleistrog, der zwischen 1958 und 1980 eingebaut wurde, ist nicht mehr dicht, sodass Wasser von oben ins Mauerwerk gelangt. Zudem hat die Stahlfachwerkbrücke das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.

Die Pfeiler des denkmalgeschützten Saaneviadukts müssen für den Doppelspurausbau verstärkt werden.
Die Pfeiler des denkmalgeschützten Saaneviadukts müssen für den Doppelspurausbau verstärkt werden.
Foto: Raphael Moser

Der Natursteinviadukt ist denkmalgeschützt und gilt als Zeuge der industriellen und verkehrstechnischen Entwicklung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Bauwerk ist weitherum sichtbar. Dieser Schutzstatus war für die Projektverantwortlichen eine grosse Herausforderung. Deshalb sei man schon früh mit den zuständigen Kommissionen von Denkmal- und Heimatschutz zusammengesessen, blickt Hannes Kobel zurück. Die besonders wichtige Ansicht von Süden her werde sich kaum verändern, betont der Projektleiter bei der BLS.

Kosten von 53 Millionen Franken

Nach der Sperre im Sommer wird erst ein Gleis befahrbar sein. Die Doppelspur soll im Frühling 2021 in Betrieb genommen werden. Damit wird die ganze Strecke zwischen Bern und Gümmenen zweispurig sein. Sie ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde und erhöht die Fahrplanstabilität. Die BLS betont in einer Mitteilung, dass nicht der Doppelspurausbau im Vordergrund stehe, sondern der Erhalt der Bausubstanz.

Die Sanierungskosten sind mit 53 Millionen Franken budgetiert und werden über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes finanziert.