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«BZ us dr Box»So werden Berner Masken produziert

Dank Corona brummt das Geschäft mit den Gesichtsmasken. Um sich auf dem Markt behaupten zu können, muss man einfallsreich sein. Und starke Nerven haben.

Von Hand genäht, persönlich gestaltet: Das Unternehmen Flagprint stellt seit kurzem im Liebefeld Masken her.
Von Hand genäht, persönlich gestaltet: Das Unternehmen Flagprint stellt seit kurzem im Liebefeld Masken her.
Foto: Adrian Moser

Druckmaschinen wummern, Nähmaschinen surren: In den Vidmarhallen wird gearbeitet. Die Textildruckerei Flagprint stellt Masken her. Schwarze mit dem Logo eines Yogastudios, farbenfrohe mit einem Blumenmuster, gelb-schwarze mit dem YB-Pokal. Was die Kundschaft wünscht, kann das Team von Geschäftsführer Marc Brawand liefern.

Bekannt ist das Berner Unternehmen eigentlich für Flaggen. Jene grossen Werbebanner, die man etwa bei Skirennen, an Messen oder Events sieht. Als wegen Corona die Grossveranstaltungen ausfielen, ging auch bei Flagprint der Umsatz zurück. Die Not machte erfinderisch – und so stieg Brawand auf Masken um.

In der neusten Ausgabe des Podcasts «BZ us dr Box» sprechen wir mit dem Geschäftsführer über die letzten Monate, über den Weg einer einzelnen Maske und über die Herausforderungen, denen man sich beim Einstieg in das blutjunge Geschäftsfeld stellen muss.

Als Werbegeschenk für Kunden

Die Herstellung von Masken ist ein Business, jung und lukrativ, durch Corona praktisch aus dem nichts entstanden. Weltweit haben sich ihm Konzerne gewidmet, die Produkte kommen aus China, den USA, Europa, der Schweiz. Die Bandbreite an Anbietern ist riesig: Etliche grosse Produzenten kämpfen mitten in der Pandemie um den blutjungen Markt. Aber auch kleine Schneidereien oder Designer bieten die schützende Stoffschicht an.

«Das grosse Geld machen wir mit den Masken nicht», erklärt Marc Brawand, «aber sie helfen uns, die Corona-Defizite ein Stück weit zu kompensieren.» Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, setzen die Könizer auf das sogenannte Branding: Firmen bestellen den Mund- und Nasenschutz, lassen das eigene Logo darauf drucken und verteilen ihn dann an Kunden und Angestellte. «Schutzmasken sind die neuen Kugelschreiber», scherzt Brawand.

Coronavirus, Covid-19. Die Berner Firma Flagprint unter Geschäftsführer Marc Brawand stellt Mund-Nasen-Schützer her.
Coronavirus, Covid-19. Die Berner Firma Flagprint unter Geschäftsführer Marc Brawand stellt Mund-Nasen-Schützer her.
Foto: Adrian Moser / Tamedia AG

In Liebefeld hergestellt werden ausschliesslich Polyestermasken, nach Bedarf wird eine zusätzliche Stoffschicht eingenäht. Wer reine Baumwolle möchte, der bekommt seine Ware aus Portugal: Hier konnte das Berner Unternehmen mit einem grossen Hersteller einen Deal eingehen.

Unrealistische Anforderungen

Egal ob aus Köniz oder Portugal, zertifiziert sind die Stoffmasken nicht. Dies liegt nicht etwa am Unwillen des Herstellers – «ich habe wirklich versucht, mich in diesem Masken-Dschungel zurechtzufinden» –, sondern vielmehr an den geltenden Umständen. «In der Schweiz ist es momentan einfach nicht möglich, Masken zertifizieren zu lassen», erklärt Brawand. Einheitliche Normen werden erst noch erarbeitet.

Im April erarbeitete die «Swiss National Covid-19 Science Task Force» zwar eine Empfehlung, was Gesichtsmasken können müssten. Die darin enthaltenen Anforderungen seien aber nicht realistisch, erklärt Marc Brawand. Einerseits müsse die Maske luftdurchlässig sein, sodass man gut atmen kann. Andererseits sollen Partikel, die grösser als ein Mikrometer sind, herausgefiltert werden. «Ein Widerspruch, den man zumindest bei Stoffmasken nicht lösen kann.»

Statt auf ein Zertifikat setzt das Berner Unternehmen auf einen antimikrobiellen Stoff, hergestellt von der Firma Sanitized aus Burgdorf. «Aber ich betone immer wieder: Eine Maske tragen wir nicht, um uns zu schützen, sondern unsere Mitmenschen», so Marc Brawand. Diesen Zweck erfülle auch eine herkömmliche Maske.

Ausserdem gehe es mittlerweile um mehr als nur um Schutz. «Die Maske wird immer mehr auch zum Accessoire», so der Hersteller aus Liebefeld, «deshalb soll unser Produkt vor allem auch optisch überzeugen.»

An der Maschine wird der Stoff je nach Wunsch des Kunden bedruckt.
An der Maschine wird der Stoff je nach Wunsch des Kunden bedruckt.
Foto: Adrian Moser
Von Hand werden die Stücke zurechtgeschnitten und anschliessend an der Nähmaschine verarbeitet und mit elastischen Bändern versehen.
Von Hand werden die Stücke zurechtgeschnitten und anschliessend an der Nähmaschine verarbeitet und mit elastischen Bändern versehen.
Foto: Adrian Moser
An einer weiteren Station werden die Masken schliesslich luftdicht verpackt und für den Versand vorbereitet.
An einer weiteren Station werden die Masken schliesslich luftdicht verpackt und für den Versand vorbereitet.
Foto: Adrian Moser
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1 Kommentar
    Mark Keller

    «Die Maske wird immer mehr auch zum Accessoire»... Die Maske soll, schützen, das ist die primäre Funktion! Was eine Stoffmaske reinlässt lässt sie auch raus. Wenn eine Stoffmaske, die Anforderungen nicht zu erfüllen mag, dann hat sie auf dem Markt NICHTS verloren! Accessoire hin, Accessoire her.