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Sommerserie: Grenzen im Innern (5)Heimat ist auch eine Entscheidung

15 Jahre lebt unsere Ostschweizer Autorin schon in Bern. Trotzdem stellt sie noch immer kulturelle Unterschiede fest. Zum Beispiel auf Ausflügen.

Ausflug mit dem Poschi in Bern: Unsere Autorin stellt sich bei kleinen Ortschaften oft die Frage, wo sie wohl auf der Landkarte zu finden wären.
Ausflug mit dem Poschi in Bern: Unsere Autorin stellt sich bei kleinen Ortschaften oft die Frage, wo sie wohl auf der Landkarte zu finden wären.
Foto: Tamedia

Die Stadt Bern ist für michwie für viele andere Zugezogene die absolute Wahlheimat. Hier fühle ich mich wohl, hier möchte ich leben. Dennoch beschleicht mich bei meinen Besuchen in der Ostschweiz jedes Mal eine Nostalgie, wie man sie nur an Orten erlebt, wo man seine Kindheit verbracht hat.

Wenn ich zum Beispiel im Zug von Wil nach St. Gallen fahre, kommt mir zu jedem kleinen Bahnhof auf der Strecke eine Anekdote in den Sinn. In Algetshausen habe ich einst an einem verschlafenen Sonntagnachmittag mit Freunden zwei Stunden lang auf die nächste Verbindung gewartet, in Uzwil verpasste ich einmal aus lauter Dummheit den letzten Zug, und meine Mutter musste mich stinksauer mit dem Auto abholen – und da kommt Gossau, wo meine Grosseltern lebten.

Wenn ich dagegen im Kanton Bern einen Ausflug mache, denke ich häufig: «Ah, Mühlethurnen. Wo genau liegt das schon wieder auf der Landkarte?» Das ist natürlich schade, und trotzdem geniesse ich es auch, neue Orte zu entdecken, die noch nicht mit alten Emotionen aufgeladen sind.

Heimat ist ja nicht nur dort, wo viele Erinnerungen hochkommen, manchmal schmerzhafte. Sondern auch die Region, die man sich bewusst ausgesucht hat, um neue Anekdoten zu erleben.