Hausbesetzer verdienen Geld mit Airbnb

Bewohner schreiben zur Zwischennutzung gedachte Häuser zur Untermiete aus – verbieten lässt sich das nicht.

Besetztes Haus an der Freiestrasse 134 in Zürich. © Samuel Schalch / Tages-Anzeiger<p class='credit'>(Bild: Besetztes Haus an der Freiestrasse 134 in Zürich. © Samuel Schalch / Tages-Anzeiger)</p>

Besetztes Haus an der Freiestrasse 134 in Zürich. © Samuel Schalch / Tages-Anzeiger

(Bild: Besetztes Haus an der Freiestrasse 134 in Zürich. © Samuel Schalch / Tages-Anzeiger)

Keine Miete zahlen und mit Untervermieten abkassieren, diesen Traum erfüllen sich etliche Hausbesetzer mithilfe der Onlinedienste Airbnb und Wimdu. In der Stadt und im Kanton Zürich verdienen die Bewohner mehrerer Häuser auf diese Weise Geld, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Zimmer in besetzten und zur Zwischennutzung gedachten Häusern gibt es etwa an der Zürcher Goldküste, in Winterthur und in der Stadt Zürich. Das Vorgehen sei in der Hausbesetzerszene in Deutschland weit verbreitet, wie ein Insider der Zeitung sagt. Leute aus linksautonomen Kreisen, die am 1. Mai gegen den Kapitalismus auf die Strasse gingen, würden auf diese Weise Geld machen.

Es resultiert ein Plus

Im Zürcher Kreis 7 bietet ein Student auf Airbnb ein Zimmer für 45 Franken pro Tag an. Es ist nicht abschliessbar und das Badezimmer muss mit anderen Bewohnern geteilt werden. Dafür befindet es sich in der Nähe zur ETH, zum Bellevue und zum See.

Der Altbau aus dem 19. Jahrhundert an der Freiestrasse soll einem Neubau weichen. Vor einem Jahr wurde er von einer Frauengruppe besetzt. Die Eigentümergesellschaft Meili Unternehmungen hat mit der Firma Intermezzo, die sich auf Zwischennutzungen spezialisiert hat, einen temporären Mietvertrag bis zum Baubeginn abgeschlossen.

Das erlaubt Studenten, für wenige hundert Franken pro Monat ein Zimmer zu mieten. Geben sie es über Airbnb weiter, winken bis zu 1000 Franken. Intermezzo-Geschäftsführer Gabriel Jundt hat Verständnis: «Wenn die Mieter vorübergehend ein Zimmer nicht selber bewohnen können, sehe ich kein Problem darin, dass sie sich mit Airbnb über die Runden helfen», sagt er der «NZZ am Sonntag». Allerdings sind für ihn Bedenken gegenüber dieser Praxis nachvollziehbar.

Nichts zu machen

Verbieten lässt sich das Vorgehen kaum. «Wenn wir Hinweise auf unrechtmässige Vermietungen über unsere Plattform erhalten, schreiten wir ein», sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein der Zeitung. In solchen Fällen würden Anzeigen gelöscht. Das kann etwa dann passieren, wenn sich Gäste daran stören, in abbruchreifen Gebäuden zu logieren.

In Zürich sorgten in der Vergangenheit bereits Fälle für Unmut, in denen Bewohner günstige städtische Wohnungen über Airbnb untervermietet hatten und damit Geld verdienten.

Dank einer Verordnungsänderung könnte die Untervermietung auf Platfor­men wie Airbnb künftig noch einfacher werden. Anbieter müssen heute jedes Mal eine Erlaubnis vom Vermieter einholen. Diese soll durch eine generelle Zustimmung ersetzt werden können.

oli

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