Haus für psychisch kranke Gewalttäter

WaldauGestern wurde ein Haus eingeweiht, auf das

Gefängnisdirektoren, Regierungsstatthalter und Psychiater im Kanton Bern seit Jahrzehnten gewartet haben: eine Station für psychisch Kranke im Strafvollzug und gewalt-bereite Personen.

Barbara Egger war noch Grossrätin, als sie erstmals hörte, wie nötig eine forensisch-psychiatrische Station im Kanton Bern wäre. Seit 2002 ist sie Regierungsrätin, und gestern freute sie sich als Baudirektorin, «dass wir die Lücke in diesem Bereich endlich schliessen können». In der Wald-au, auf dem Gelände der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD), wurde die lang ersehnte Station offiziell eingeweiht. Sie bietet Platz für 14 Patientinnen und Patienten. Diese setzen sich aus zwei Gruppen zusammen: einerseits aus psychisch kranken Menschen im Strafvollzug, die «nicht hafter-stehungsfähig sind». Aus Menschen also, die aus psychischen Gründen «die Rahmenbedingungen der Haft nicht ertragen», wie UPD-Chefin Regula Mader erklärt. Andererseits ist die Station auch für «überdurchschnittlich gewaltbereite und gewalttätige Menschen» geeignet, für die ein Fürsorgerischer Freiheitsentzug (FFE) angeordnet wurde. Mangels Alternativen werden FFE-Patienten heute zuweilen in Gefängnissen untergebracht. Gleichzeitig müssten gewaltbereite Menschen auf den Akutstationen psychiatrischer Kliniken behandelt werden, wodurch die Freiheiten anderer Patienten aus Sicherheitsgründen eingeschränkt würden, sagte Regula Mader. Sie verspricht sich deshalb «mehr Sicherheit für alle», wenn besonders gewalttätige Personen künftig in der forensisch-psychiatrischen Station untergebracht werden können. Ab NovemberSicher sind sich die Fachleute: Die 14 Plätze werden rasch besetzt sein. Am 1.November werden die ersten Patientinnen und Patienten einziehen. Sie werden auf acht Einzel- und drei Zweibettzimmer aufgeteilt. Man werde jeweils genau prüfen, wen man in einem Zweibettzimmer unterbringen könne, sagte Mader. Aber gerade bei schwer Suizidgefährdeten könne es hilfreich sein, sie nicht allein in einem Zimmer unterzubringen. Kein Gefängnis, aberIn der neuen Station soll zwar laut Regula Mader «keine Gefängnisatmosphäre herrschen». Doch ein Entweichen aus der geschlossenen Station sollte den Patientinnen und Patienten nicht möglich sein. Dafür garantieren nebst anderen baulichen Massnahmen etwa Gitterzäune um das Areal, eine Sicherheitsschleuse beim Eingang, bruchfeste Fensterscheiben in sämtlichen Räumen und Sicherheitsleute. 30 Tage. Und dann? Mader rechnet mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 30 Tagen. «Das ist keine besonders lange Zeit», weiss sie. Deshalb werde die UPD die Stellen, welche Patienten zuweisen werden, «in die Pflicht nehmen»: «Wir werden mit ihnen Behandlungsvereinbarungen treffen, die eine Rücknahmeverpflichtung beinhalten», sagte sie. Demnach müssten das Potenzial für Gewalttaten in durchschnittlich 30 Tagen gesenkt und die Hafterstehungsfähigkeit hergestellt sein. Markus Grossenbacher, Präsident der Regierungsstatthalter des Kantons Bern, sieht in der neuen Station eine hochwill-kommene neue Anlaufstelle zur Krisenintervention. Doch er befürchtet, dass damit noch nicht alle Probleme gelöst sind. Er bezweifelt, dass es genügend «Anschlusslösungen» geben wird für die aus der forensisch-psychiatrischen Station entlassenen Patienten. Regula Mader bestätigt: Für Straftäter, die eine forensisch-therapeutische Langzeitbehandlung nötig hätten, existiere im Kanton Bern nach wie vor kein spezialisiertes Angebot. Susanne Graf>

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