Zum Hauptinhalt springen

Regierungsrat interveniertGVB muss Hausratversicherung aufgeben

Die Gebäudeversicherung Bern ist mit ihrer neuen Tochtergesellschaft zu weit über ihr Monopol hinaus aktiv geworden.

Am Sitz der GVB in Ittigen wurde ein Team mit dem Projekt Mica betraut.
Am Sitz der GVB in Ittigen wurde ein Team mit dem Projekt Mica betraut.
Foto: PD

Anfang Jahr hat die GVB – ohne es an die grosse Glocke zu hängen – damit begonnen, Hausratversicherungen anzubieten. Dies online über die neu gegründete Tochtergesellschaft Mica Insurance. Grossrat Peter Dütschler (FDP, Hünibach) reklamierte mit einer Motion, die Konkurrenzierung privater Hausratversicherer durch den Gebäudeversicherungsmonopolisten sei nicht zulässig.

Der Regierungsrat gibt ihm nun recht. Das Gebäudeversicherungsgesetz biete der GVB für separat angebotene Hausrats-, Privathaftplicht oder auch Motorfahrzeugversicherungen keine genügende gesetzliche Grundlage. Denn diese Geschäfte hätten «keinen sachlichen Zusammenhang» zur monopolisierten Kerntätigkeit der GVB, heisst es in der am Montag publizierten Antwort zum Vorstoss.

Bei der GVB müssen alle Gebäude im Kanton gegen Feuer- und Elementarschäden versichert sein. Allerdings darf die Gruppe seit zehn Jahren über ihre Privatversicherungstochter Zusatzpolicen für Gebäude anbieten, etwa zur Deckung von Wasserschäden. Auch dies war schon umstritten, wurde vom Bundesgericht aber genehmigt.

«Glasklarer Verstoss»

Wegen der Expansion bei den Hausratversicherungen hat die Wirtschaftsdirektion von Regierungspräsident Christoph Ammann (SP) bei der GVB nun interveniert. Das öffentlich-rechtliche Berner Unternehmen, bei dem Stefan Dürig Anfang Jahr die Gruppenleitung von Ueli Winzenried übernommen hat, sicherte zu, das Pilotprojekt Mica sofort einzustellen.

Der Regierungsrat findet es unnötig, die gesetzlichen Grundlagen anzupassen, da sie bereits hinreichend präzise seien. Motionär Dütschler hatte eine klärende Ergänzung des Gesetzes vorgeschlagen. Dütschler ist jetzt «sehr zufrieden» mit der Intervention der Kantonsregierung. Das Gesetz sei offensichtlich glasklar, sodass es eher fraglich sei, warum die GVB die Expansion überhaupt versucht habe.

Erfahrungen gesammelt

Die GVB teilt auf Anfrage mit, das Start-up Mica Insurance sei von der GVB Privatversicherung AG mit dem Ziel gestartet worden, schnell neue Erfahrungen im Bereich der digitalen Versicherungsdienstleistungen zu sammeln. Man führe das Angebot nun nicht weiter.

Die Kosten für das Projekt werden nicht genannt. Die gemachten digitalen Erfahrungen sollen aber in laufende und zukünftige Projekte einfliessen. Dazu zählen zum Beispiel via Smartphone-App steuerbare Rauchmelder. Schliesslich bietet die Gruppe auch Dienstleistungen rund ums Haus an.

Die GVB erzielte im vergangenen Jahr hohe Überschüsse. Der Gewinn kletterte von 1,1 Millionen Franken im Vorjahr auf 14,7 Millionen Franken. Grund sind deutlich gesunkene Feuer- und Elementarschäden und das stark verbesserte Ergebnis der Kapitalanlagen. Wegen der vorteilhaften Entwicklungen hat die Gruppe die Überschussbeteiligung für die Kunden auf rekordhohe 70 Millionen Franken erhöht.

3 Kommentare
    A. Arn

    Wie heisst es so schön: Schuster bleib bei deinen Leisten. Wieso muss diese Unternehmen überall mitmischen, die sollen sich ihrer Aufgabe widmen. Brauchen sie etwa einen Zustupf um ihre Feste zu finanzieren.