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Bessere Bahn- und BusangeboteAb 2022 ist der Moonliner nicht mehr teurer

Kein Nachtzuschlag mehr, Halbstundentakt bis Mitternacht im Oberaargau und mehr Züge zwischen Thun und dem Emmental: das Kantonsparlament baut den ÖV aus.

Kein Anstehen mehr, um den Zuschlag zu bezahlen: Die Nachtbusse gehören ab 2022 zum Grundangebot.
Kein Anstehen mehr, um den Zuschlag zu bezahlen: Die Nachtbusse gehören ab 2022 zum Grundangebot.
Foto: pd

Das Kantonsparlament hat das Angebot des öffentlichen Regionalverkehrs für die kommenden vier Jahre beschlossen. Es ging dabei teilweise über die Vorschläge des Regierungsrats hinaus.

Unbestritten war die Abschaffung des Nachtzuschlags: Das Nachtbusangebot wird 2022 neu ins kantonale Grundangebot aufgenommen. Dies wurde von allen Fraktionen im Grossen Rat ausdrücklich begrüsst. Nachtbusse können künftig ohne Zuschlag genutzt werden.

Bern folgt damit anderen Kantonen. Vor einem Jahr hatte zum Beispiel der Zürcher Kantonsrat beschlossen, dass der «Nachtfünfliber» im Verkehrsverbund ZVV nicht mehr einkassiert wird. Nachbarkantone wie Solothurn und Freiburg sind ebenfalls daran, beim Nachtnetz ab 2022 die üblichen Fahrausweise zu akzeptieren.

Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung des Nachtangebots. Die ungedeckten Kosten zulasten von Kanton Bern und Gemeinden werden auf rund 1 Million Franken pro Jahr veranschlagt. Erwartet wird jedoch eine Zunahme der Nachfrage, womit die ungedeckten Kosten mittelfristig sinken sollen. Zudem warb der Regierungsrat damit, dass sich die Verkehrssicherheit verbessern werde, da insbesondere junge Leute nachts vermehrt mit dem ÖV anstatt mit dem Auto unterwegs sein würden.

Keine Direktverbindung Biel–Thun

Neu ins Berner Grundangebot aufgenommen werden zudem die Goldenpass-Express-Bahnlinie zwischen Zweisimmen und Gstaad sowie einige Buslinien. Dazu gehören beispielsweise der Bürgerbus zwischen Münsingen und Worb, die Buslinie Bellmund–Lyss und die Verbindung zwischen Kirchberg, Neuhof und Aefligen.

Bei Linien mit einer starken Nachfrage, zum Beispiel zwischen Biel und Meinisberg, wird der Takt verdichtet. Im Gegenzug werden einzelne wenig frequentierte Linien wie Melchnau–Grossdietwil und Rumisberg–Wolfisberg eingestellt.

Nicht in den Angebotsbeschluss aufgenommen hat die Regierung eine direkte Bahnverbindung von Biel nach Thun via Bern-Wankdorf. Diese Linie hatte der Grosse Rat gefordert und eine entsprechende Motion überwiesen. Der Regierungsrat begründet den Verzicht mit hohen Kosten und einer voraussichtlich bescheidenen Nachfrage.

Verbesserungen im Oberaargau

Eine Mehrheit der vorberatenden Kommission stellte den Antrag für einen integralen Halbstundentakt auf der Interregiostrecke Bern–Burgdorf–Herzogenbuchsee–Langenthal bis Mitternacht.

Das Oberaargau warte schon lange auf dringende Angebotsverbesserungen, betonte der SP-Grossrat und Langenthaler Stadtpräsident Reto Müller. Nun sei es endlich an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Das tat der Rat dann auch mit 110 zu 44 Stimmen.

Der «Sündenfall»

Deutlich mehr Gegenwind hatte ein Minderheitsantrag aus den Reihen der Kommission. Er forderte einen Angebotsausbau auf der Bahnstrecke Burgdorf–Konolfingen–Thun. Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) warnte vor einem solchen Schritt.

Auf dieser Bahnstrecke seien Nachfrage und Kostendeckungsgrad heute ausreichend. Mit einem Ausbau des Angebots könnten diese Werte unter das geforderte Minimum sinken. Das Angebot müsste im nächsten Beschluss bereits wieder reduziert werden. Neuhaus bezeichnete dies als «Sündenfall» im öffentlichen Verkehr. Auch verschiedene Fraktionssprecher warnten vor einer Annahme des Antrags. Ungeachtet dessen nahm der Rat auch diesen Antrag mit 87 zu 65 Stimmen bei 2 Enthaltungen an.

Der Angebotsbeschluss führt voraussichtlich zu Abgeltungen an die Transportunternehmen von durchschnittlich 280 Millionen Franken pro Jahr. Am Mittwoch wird der Grosse Rat auch noch über den Rahmenkredit für Investitionsbeiträge an den öffentlichen Verkehr beraten.

jw/sda