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Lehrmittel in der KritikGrosser Rat fordert Alternative zu «Mille feuilles»

Die Schulen im Kanton Bern sollen im Französisch-Unterricht künftig zwischen zwei verschiedenen Lehrmitteln auswählen können. Das Kantonsparlament hat am Dienstag zwei entsprechende Vorstösse überwiesen.

Eltern und Lehrkräfte fordern seit langem eine Alternative zu «Mille feuilles».
Eltern und Lehrkräfte fordern seit langem eine Alternative zu «Mille feuilles».
Daniel Desborough

Heute werden alle Dritt- bis Sechstklässler mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» unterrichtet. Ab der siebten Klasse folgt «Clin d'oeil». Auf die beiden Lehrmittel haben sich sechs Kantone, darunter Bern, einst im Rahmen des Projekts Passepartout verständigt.

Heute werden alle Dritt- bis Sechstklässler mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» unterrichtet. Ab der siebten Klasse folgt «Clin d'oeil». Auf die beiden Lehrmittel haben sich sechs Kantone, darunter Bern, einst im Rahmen des Projekts Passepartout verständigt.

Kritik kommt seit langem von Eltern und Lehrkräften. In Basel-Land sprach sich das Volk letzten November für mehr Lehrmittelfreiheit aus.

Auch der bernische Grosse Rat wünscht sich eine Alternative, wie am Dienstag deutlich wurde. Mit 107 zu 7 Stimmen bei 28 Enthaltungen überwies er eine Motion von Sabina Geissbühler-Strupler (SVP), die mindestens ein zusätzliches Lehrmittel fordert. Deutlich stellte er sich auch hinter eine ähnliche Motion von Michael Ritter (GLP).

Geissbühler-Strupler rief die Kritik an den heutigen Lehrmitteln in Erinnerung: Sie seien unstrukturiert, vernachlässigten die Grammatik und auch den Wortschatz. Die Resultate in Sachen Leseverstehen, Hörverstehen und Sprechen seien ungenügend.

Nein-Stimmen und Enthaltungen kamen aus dem Lager von Grünen und SP. Es sei nicht die Flughöhe des Parlaments, ein bestimmtes Französisch-Lehrmittel zu bewerten. Dafür gebe es Experten. Der Grosse Rat wolle ja auch nicht entscheiden, welches Dialysegerät das Inselspital beschaffen solle.

Arbeitsgruppe am Werk

So oder so: Die Vorstösse rennen offene Türen ein. Bildungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) versicherte, eine breit aufgestellte Arbeitsgruppe sei längst «intensiv und ergebnisoffen» am Werk.

Ganz einfach sei das Problem nicht zu lösen: Manche Lehrkräfte fänden «Mille feuilles» gut, andere nicht – und manchen sei die überarbeitete Version noch nicht bekannt. Hinzu komme, dass eine Alternative noch nicht erhältlich sei.

Aber immerhin ist sie in Sicht: Der Verlag Klett und Balmer plant die Herausgabe von «Ça roule» ab dem Schuljahr 2021/22. Ein Jahr später soll ein Lehrmittel für die Siebt- bis Neuntklässler folgen. Ob diese Lehrmittel zum Zug kommen werden oder andere, wird sich zeigen.

Keine freie Wahl

Der Begriff «Wahlobligatorium» stellt klar, dass die Schulen nicht irgendein Lehrmittel auswählen können, sondern nur eines, das im Lehrmittelverzeichnis aufgeführt ist. Diese Vorgabe gilt für die Fremdsprachen und auch für die Mathematik.

«Das Wichtigste ist, dass die Kinder gerne französisch lernen», stellte Bildungsdirektorin Häsler fest. Dafür brauche es ein geeignetes Lehrmittel – und Lehrkräfte, welche gerne Französischunterricht erteilten.

chh/sda