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BAG-Koch entwarnt«Grosseltern dürfen Enkel ohne Gefahr in die Arme nehmen»

Der Coronavirus-Experte sagt, weshalb Kleinkinder keine Gefahr für Grosseltern sind, ob das auch für Jugendliche gilt, und weshalb man die Enkel trotzdem nicht hüten sollte.

Daniel Koch, der Covid-19-Delegierte des Bundes, ist überzeugt, dass Grosseltern bei der Umarmung ihrer Enkelkinder nichts riskieren, solange sie sich an die anderen Vorschriften halten. (Archivbild)
Daniel Koch, der Covid-19-Delegierte des Bundes, ist überzeugt, dass Grosseltern bei der Umarmung ihrer Enkelkinder nichts riskieren, solange sie sich an die anderen Vorschriften halten. (Archivbild)
KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Gute Nachrichten für Grosseltern und ihre Enkelkinder: Nach Angaben von Daniel Koch, dem Covid-19-Delegierten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), dürfen Grosseltern ihre Enkel «auch wieder einmal in die Arme nehmen». Aber immer mit Abstand zur mittleren Generation.

Hüten hingegen sollten Grosseltern noch nicht, sagte Koch in einem Interview mit dem Magazin «Grosseltern», das auf der Webseite in Teilen veröffentlicht wurde. Und auch von ungezwungenem Zusammensein, wie zum Beispiel beim Grillieren im Wald, rät Koch vorläufig noch ab. Denn dabei bestehe die Gefahr, dass man sehr schnell in alte Verhaltensmuster verfalle und den Abstand vergesse.

Deshalb sollten sich die Generationen weiterhin separieren. Denn das Problem seien die Eltern, sie übertrügen das Virus und nicht die kleinen Kinder. Diese seien keine Träger und erkrankten auch recht selten. Also dürften die Grosseltern die kleinen Kinder wieder einmal umarmen, solange sie Abstand zu der mittleren Generation hielten, sagte Koch. «Da riskieren sie nichts».

«Kinder geben Virus nicht weiter»

An der nachmittäglichen Medienkonferenz bestätigte Koch seine Angaben aus dem Interview erneut. Es gebe praktisch keine Daten, die zeigen, dass Kinder das Virus übertragen haben. Infizierte Kinder wurden praktisch immer von ihren Eltern angesteckt, nicht von Altersgenossen. Kleine Kinder seien für die Grosseltern und Risikopatienten deshalb keine Gefahr, sagte der BAG-Delegierte. Körperkontakt sei deshalb völlig legitim, es könne auch nicht vorkommen, dass ein Kind das Virus quasi noch auf sich trage, nachdem es von den Eltern berührt worden sei und dieses so weitergeben könne.

Koch warnt aber auch: «Wenn die Kinder grösser werden, so ab 10 Jahren, steigt das Risiko leicht an und bei Jugendlichen ist das Risiko wieder gegeben, dort ist der Kontakt nicht mehr erwünscht.» Auf Nachfrage präzisierte Koch die Grenze von 10 Jahren und meinte: «Teenager ab der 8. oder 9. Klasse infizieren sich etwas häufiger, aber auch dann ist es noch extrem selten.» Bei kleineren Kindern sei das Risiko sicher nicht gegeben.

Hüten führt zu Kontakt mit Eltern

Trotzdem rät Koch derzeit davon ab, die Enkel zu hüten. Nicht wegen dem Kontakt, sondern weil die Kinder von ihren Eltern gebracht werden müssten und das führe wieder zu mehr Kontakt zwischen Grosseltern und Eltern. Und das wolle man nicht. Beim ersten Mal gehe das vielleicht mit den zwei Metern Abstand, beim zweiten Mal käme man sich aber schon näher und gewöhne sich an den Kontakt und schon bald trinke man zusammen Kaffee. Das wolle man vermeiden, die Generationen dürfen sich nicht vermischen. Aber mal die Enkel an sich drücken, das gehe.

Koch räumt auf Anfrage ein, dass es wohl schon Situationen geben könnte, wo ein Kind die letzten 50 Meter vom Auto der Eltern zum Haus der Grosseltern alleine laufe und es so nicht zu einem gefährlichen Kontakt komme. Aber das sei nicht bei allen möglich. Allgemein wolle man jetzt nicht zum Hüten raten, weil das zum unerwünschten Vermischen der Generationen führe.

Ältere sollen noch «ein wenig warten»

Den über 65-Jährigen empfiehlt Koch generell, trotz der partiellen Öffnung des Lockdowns, im Moment «vielleicht wirklich nicht grad unbedingt zum Coiffeur» zu gehen. Natürlich dürften sie raus und die Sonne geniessen. Aber alles andere sollten sie vermeiden. «Es lohnt sich, ein wenig zu warten, sagte Koch. In ein paar Wochen könne man vieles besser abschätzen. Wenn es so weiter gehe, wie in den letzten Wochen, dann werde das Risiko immer kleiner. «Und wenn das Risiko wirklich klein ist, dann wird auch vieles wieder normaler».

Koch geht deswegen auch davon aus, dass Enkelhüten ein Thema werden könnte, bevor eine Impfung gegen Covid-19 gefunden ist. Zwar müssten wir wahrscheinlich noch für eine Weile auf das Händeschütteln und das Zusammenstehen mit vielen verschiedenen Menschen verzichten.

Wenn man im Sommer aber sehe, dass das Risiko auch für die älteren Personen wieder genug klein sei und man die Ansteckungen unter Kontrolle habe, soll auch das Leben der älteren Bevölkerung wieder möglichst normal sein. «Sachen, die sehr wichtig sind fürs Leben, wie eben die eigenen Grosskinder zu hüten, sollen dann möglich sein», sagte Koch.

sda/anf