Geschmacklos? Pleite-Banker planen Party

Mit dem Plan einer grossen Sause in London am 10. Jahrestag des Lehman-Crashs sorgen Ex-Mitarbeiter für Aufruhr.

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Am 15. September 2018 jährt sich die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die 2008 die globalen Finanzmärkte erschütterte, zum zehnten Mal. Die Fotos der Mitarbeiter, die an dem Tag mit Bürokisten aus dem Unternehmensgebäude strömten, stehen noch heute sinnbildlich für den Crash. So haben die neusten Pläne der ehemaligen Lehman-Banker für einen Aufschrei gesorgt. Denn zum 10. Jahrestag ihrer Pleite planen sie eine grosse Reunions-Party.

Zahlreiche Ex-Mitarbeiter wollen sich zu einem Treffen in London wiedervereinen – und stossen damit vor allem in Grossbritannien auf harsche Kritik. Der finanzpolitische Sprecher der oppositionellen Labour-Partei, John McDonnell, sprach von «widerlichen» Neuigkeiten, nachdem die Website «Financial News» am Montag berichtet hatte, dass sich ehemalige Lehman-Banker in London zu Cocktails und Canapés treffen wollten. Gemäss dem Bericht werden rund 200 Leute erwartet.

Strengste Geheimhaltung

«Es ist kaum zu glauben, dass unsere letzten Lehman-Tage jetzt schon zehn Jahre her sind», zitierte die Zeitung aus der Einladung. In der E-Mail an frühere «Lehmann Brothers & Sisters» heisst es demnach, dass es keinen besseren Weg gebe, den zehnten Jahrestag zu feiern, als «alle, von früheren Geschäftsführern bis zu Analysten, wieder zusammenzubringen». Denn eines der besten Dinge bei Lehman damals seien «die Leute» gewesen. Weitere Zusammenkünfte sind in New York und Hongkong geplant.

Die Organisatoren sollen sich der heiklen Situation bewusst sein. So erfolgte die Planung unter strengster Geheimhaltung und der Ort der Veranstaltung wird nicht bekannt gegeben. Gemäss der Zeitung war einmal The Conduit Club im Stadtteil Mayfair als Location vorgesehen.

«Widerlich» oder «lächerlich»?

Labour-Politiker McDonnell kritisierte das Treffen als «hochgradig unangemessen» und «widerlich», nachdem Menschen ein Jahrzehnt lang unter wirtschaftspolitischen Sparmassnahmen als Folge der Finanzkrise hätten leiden müssen. Auf Twitter äussert er gar den Vorschlag, dass alle britischen Steuerzahler, die für die Folgen aufkommen mussten, zu der Sause eingeladen werden sollen:

Sein Parteifreund Alistair Darling, zum Zeitpunkt der Krise britischer Finanzminister, erklärte hingegen, dass es «lächerlich» wäre, zu sagen, die Banker dürften sich nicht treffen. Viele der Ex-Lehman-Mitarbeiter seien «völlig unschuldig», sagte er. «Und ehrlich gesagt: Bei allen Problemen, die wir heute haben, ist ein Haufen Leute, die ein Glas Wein zusammen trinken, das geringste davon.»

Lehman Brothers wurde 1850 von den aus Deutschland emigrierten Lehman-Brüdern gegründet und stieg in den nächsten 158 Jahren ihres Bestehens zur viertgrössten US-Investmentbank auf. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise musste die Bank Insolvenz anmelden, nachdem sie in grossem Stil mit auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren spekuliert hatte. Bis kurz vor der Lehman-Pleite erhielten die drei US-Grossbanken Bear Stearns, Fannie Mae und Freddy Mac gemäss des Grundsatzes «too big to fail» noch staatliche Finanzhilfe. Ebenso in der Schweiz die UBS.

Bildstrecke: Christieauktion der Lehman-Schätze Ende September 2010

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sep/Mit Material der AFP

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