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BienenliebeGeplatzter Honigtraum

Imkerin Laura Fehlmann hat eine wichtige Lektion gelernt: Jedes Bienenvolk hat seinen eigenen Charakter.

Imkerin Laura Fehlmann hat sich vergebens auf die erste Honigernte gefreut.
Imkerin Laura Fehlmann hat sich vergebens auf die erste Honigernte gefreut.
Foto: Nicole Philipp

Zuerst die gute Nachricht: Die zwei eigenen Völker leben sich gut ein. Eine Kontrolle zeigt, dass sie fleissig Nachwuchs produzieren. Und Honig für den Winter. Damit die beiden Jungvölker sich vermehren und Widerstandskraft entwickeln, werden sie mit 72-prozentigem Zuckerwasser gefüttert. Denn die Tierchen müssen stressige Behandlungen gegen die feindliche Varroa-Milbe überstehen. Das ist ein Parasit, der in Drohnenwaben heranwächst und sich nach dem Schlüpfen auf dem Körper der Bienen einrichtet und so überlebt. Diese Milben werden bekämpft, indem im Abstand von mehreren Wochen über den Waben Oxal- und Ameisensäure verdampft oder versprüht wird. Diese Mittel töten Parasiten und andere Erreger. Die Bienen reagieren auf die Behandlungen mit Stress. Sie versuchen, vor der übersäuerten Luft zu flüchten oder sie mit den Flügeln wegzufächeln. Sie wissen natürlich nicht, dass Varroa-Milben für Bienen tödlich sind und ganze Völker ausradieren können.

Die schlechte Nachricht: Anders als erhofft fiel die Honigernte leider aus. Weil das Ferienvolk seine Waben schon gut mit Honig gefüllt hatte, setzte ich ihm eine sogenannte Honigzarge auf die Bienenkiste und war überzeugt, dass die fleissigen Tierchen diese Waben auch noch füllen werden. Optimistisch organisierte ich nach einem Monat mit meiner Imkerkollegin das Schleudern, kaufte Gläser. Der Schleudertermin war gesetzt, aber es kam anders.

Als ich die Honigwaben zum Schleudern aus der Zarge holen wollte, erwartete mich eine grosse Leere. Die Bienen hatten die neuen Honigwaben ignoriert und dafür ihre Wintervorräte weiter aufgestockt, ein klarer Fall von verweigerter Kollaboration mit dem Menschen. Aber solches gilt es zu akzeptieren.

Die Rache: Dass sie die ganze Honigproduktion für sich behalten dürfen, rief bei den Bienen jedoch nicht etwa Dankbarkeit hervor. Im Gegenteil. Der gescheiterte Versuch, ihnen den Honig zu rauben, provozierte sie zu Attacken. Ich rannte davon und rettete mich ins Haus, um die Verfolgerinnen los zu werden. Meinen Helfer verfolgten sie bis in sein Auto, das er fluchend wieder verliess, weil sie mitgeflogen waren. Ein paar Stiche kriegten wir beide ab. Danach war es mir nur recht, dass das Ferienvolk wieder zum rechtmässigen Besitzer zurückging.

Fazit: In den wenigen Monaten als Imkerin habe ich drei Dinge gelernt, die ich nie vergessen werde: 1. Jedes Bienenvolk hat seinen eigenen Charakter. 2. Wir Menschen können planen, müssen uns aber den natürlichen Gegebenheiten fügen. 3. Bienen stechen. Allerdings reagieren nicht alle Völker gleich. Einige sind aggressiv, andere unglaublich ruhig. Bin ich froh, dass meine eigenen Völker sanftmütig sind. Ihr freundliches Summen begleitet mich, wenn ich im Garten arbeite, und ich bin überzeugt, dass unsere Liebe von Dauer ist. Meine liebevolle Pflege ist natürlich nicht uneigennützig. Sie ist befeuert von der Hoffnung, im nächsten Frühling Honig ernten zu können.