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Nun wartet Sion auf YBGeniestreich im Abnützungskampf

Die Young Boys tun sich im Cupviertelfinal in Luzern schwer. Sie setzen sich nach Verlängerung dennoch
verdient 2:1 durch. Die Breite ihres Kaders gibt den Ausschlag.

Erst in der Verlängerung können die Young Boys den FC Luzern niederringen. Gianluca Gaudino schiesst YB mit einem Traumtor in den Halbfinal.
Video: SRF

Die Szenen, die sich in der Schlussphase des Cupviertelfinals in Luzern abspielen, sind sinnbildlich für den intensiven Saisonschlussspurt. Gesund kann dieser nicht sein, aber unterhaltsam.

Am Boden liegen zwei Spieler des Heimteams: müde, abgekämpft und verletzt. Innenverteidiger Stefan Knezevic muss ausgewechselt werden. Derweil hüpft das Publikum. Es ist zufrieden mit dem Dargebotenen: Der Aussenseiter hält mit, ja er liebäugelt gar mit der Überraschung.

Knezevic ist nicht der Erste, der an diesem heissen, herrlichen Sommerabend mit einer Blessur ausscheidet. YB-Captain Fabian Lustenberger blieb zur Pause mit Adduktorenbeschwerden in der Kabine, für ihn kam Cédric Zesiger. Es ist die 14. Partie in knapp 50 Tagen, das happige Programm macht sich bemerkbar – bei den Spielern, im Geschehen. Nie ist das Tempo hoch, selten ist das Niveau ansprechend. Längst ist es beim Stand von 1:1 ein Abnützungskampf. Bei Luzern scheidet auch noch Ryder Matos aus, er ist der elfte Verletzte bei den Zentralschweizern. Eine ganze Mannschaft fehlt.

Vom Heimteam kommt nichts mehr. Die Young Boys, lange pomadig, drängen jetzt, dank der Breite in ihrem Kader, die Auswechslungen ohne Qualitätsverlust erlaubt, auf die späte Entscheidung: Jean-Pierre Nsame bietet sich eine Kopfballchance. Doch selbst dem Kameruner, der den Meister mit seinen Treffern durch die ganze Saison getragen hat, ist die Erschöpfung anzumerken. Und als auch noch Michel Aebischer mit einem Kopfball verfehlt, ist klar: Der Cupviertelfinal geht in die Verlängerung. Als wäre die Belastung nicht schon genug hoch. YB-Mittelfeldspieler Gianluca Gaudino wird danach von einem enorm schweren Spiel sprechen. «Hinter uns liegt eine lange Saison. Und es war heute erneut heiss.»

Nsames 39. Treffer

Dabei zeigte sich Gerardo Seoane vor dem Spiel zuversichtlich, dass in den Körpern und Köpfen seiner Spieler genügend Saft vorhanden sei. Der YB-Trainer versuchte, die Kräfte zu managen, in dem er im Vergleich zum 3:1 gegen St. Gallen am Montag auf 7 Positionen wechselt. Bis auf den verletzten Stürmer Meschack Elia sind alle dabei, die in den letzten Wochen beim Gewinn des Meistertitels entscheidend mitgewirkt hatten.

Es ist die beste YB-Elf, aber es fehlt ihr drei Tage nach der Meisterfeier an mentaler Frische. Schon nach vier Minuten ist David von Ballmoos gefordert, weil Mohamed Camara halbherzig klärt und der Ball zu Matos kommt, der mit einer Direktabnahme am YB-Goalie scheitert. Camaras Darbietung ist sinnbildlich für die Mängel der Young Boys in der ersten Halbzeit.

Der Guineer kommt mehrmals einen Schritt zu spät, er handelt kaum einmal gedankenschnell. Nach 12 Minuten kann Pascal Schürpf dem Innenverteidiger entwischen, er verfehlt mit seinem Kopf das Tor deutlich. Aber nach gut einer halben Stunde ist es der eine Fehler Camaras zu viel. Diesmal verliert er an der Mittellinie den Ball, Francesco Margiotta trifft wunderbar aus der Distanz, von Ballmoos streckt sich vergebens.

Die Führung ist verdient, weil das Heimteam spritziger ist, geradliniger, gefährlicher. Margiotta prüfte kurz vor dem 1:0 von Ballmoos schon einmal. Die Führung hält jedoch nicht lange Bestand: Miralem Sulejmani schnippelt den Eckball unverkennbar an, Jean-Pierre Nsame wuchtet sich in der Mitte unverkennbar frei und trifft mit dem Kopf zum 1:1 (35. Minute). Es ist wettbewerbsübergreifend der 39. Treffer des Kameruners.

Gaudinos Glanzpunkt

Und es ist immer noch das letzte Tor, als das Spiel in die Verlängerung geht. Die Trainer dürfen nun ein sechstes Mal wechseln, Seoane bringt Ulisses Garcia. Derweil belässt es Fabio Celestini bei drei Auswechslungen, seine Bank gibt nicht mehr her.

Der Qualitätsunterschied macht sich jetzt deutlich bemerkbar. Die Young Boys drücken. Sie scheitern aber Mal für Mal am herausragenden Luzerner Goalie Marius Müller. Und sie kämpfen längst selbst mit Abnützungserscheinungen, Camara muss sich mit Krämpfen pflegen lassen, weil YB nicht mehr wechseln kann, gibt der Innenverteidiger nun die Sturmspitze.

Doch als das Penaltyschiessen immer näher rückt, ist es der eingewechselte Gianluca Gaudino, der in der 116. Minute mit einer Direktabnahme trifft. Ein Geniestreich im Abnützungskampf, der Meister jubelt ausgelassen und steht wenig später im Halbfinal, weil Goalie von Ballmoos auch die letzten Luzerner Schüsse durch Lino Lang und Blessing Eleke pariert. «Im Cup zählt nur das Weiterkommen», sagt der Goalie, der einer der Matchwinner bei YB ist. Der andere, Gaudino, spricht von einer «tollen Teamleistung».

Am Sonntag kommt es schon zum Halbfinal, YB empfängt den FC Sion, der gleichzeitig Rapperswil bezwang (16 Uhr). Der Schlussspurt ist nicht zu Ende, der Abnützungskampf geht weiter.