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Rücktritt in SteffisburgAuch Gemeinderätin Ursulina Huder geht

Nach Stefan Schneeberger (FDP) kündigt auch Ursulina Huder (SP) ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat an. Kommt jetzt die grosse Departements-Rochade?

Ursulina Huder-Guidon tritt Ende 2020 aus dem Gemeinderat zurück.
Ursulina Huder-Guidon tritt Ende 2020 aus dem Gemeinderat zurück.
Foto: PD

Nur zwei Wochen nachdem Sicherheitsvorsteher Stefan Schneeberger (FDP, 61) seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat von Steffisburg per Ende Jahr angekündigt hat, zieht sich ein zweites Urgestein aus der Steffisburger Gemeindepolitik zurück: An der Gemeinderatssitzung vom Montagabend gab Gemeindevizepräsidentin Ursulina Huder (SP, 62) ebenfalls ihren Rücktritt per Ende Jahr bekannt. Das teilte ihre Partei mit.

Ursulina Huder wurde nach einigen Jahren Kommissionsarbeit 1995 in den Grossen Gemeinderat gewählt, welchen sie 2004 präsidierte. Am 1. April 2005 trat sie als Nachfolgerin von Marcus Sartorius das Amt als Gemeinderätin und Vorsteherin des Departements Bildung an. Als erste Frau überhaupt übernahm Ursulina Huder 2011 das Departement Finanzen mit den Bereichen Steuern und Informatik.

Schon länger angedacht

«Für mich war schon bei der letzten Wahl klar, dass ich die Legislatur nicht beenden werde», sagt Ursulina Huder auf Anfrage. «Wir sind ein eingespieltes Team im Gemeinderat», sagt sie weiter «aber es ist klar, dass auch diese Zeit einmal zu Ende geht.» Hinzu komme, dass durchaus denkbar sei, dass nicht alle Mitglieder des Gemeinderates 2022 zu den Wahlen antreten würden. «Auf einen Schlag mehr als den halben Rat zu ersetzen wäre happig - gerade auch mit Blick auf die anstehenden Projekte.»

Gemeint sind unter anderem der Bau der Mehrzweckanlage für Schule, Kultur und Sport bei der Schulanlage Schönau, die Sanierung der Schulanlagen, die Realisierung des Gewerbeparks Raum5 - und nicht zuletzt die Bewältigung der Folgen der Coronakrise, die ihre Spuren in der Gemeindekasse hinterlassen werde, so Huder. Deshalb habe sie sich nach der Rücktrittsankündigung von Stefan Schneeberger entschlossen, ebenfalls Ende Jahr zu gehen. «Damit der Rat nicht mehrmals ein neues Mitglied integrieren muss», wie Ursulina Huder sagt.

Wer folgt nun?

Ein Entscheid, den Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP) nachvollziehen kann. «Die Amtsalters-Struktur im Gemeinderat ist hinlänglich bekannt, weshalb es nicht erstaunt, dass gewisse Ratsmitglieder ihre Prioritäten im Leben neu setzen», sagt er. «Wichtig ist, dass wir im Rat weiterhin über die nötige Stabilität und Kontinuität verfügen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern», so Marti weiter. So gesehen begrüsse er das Vorgehen mit dem doppelten Rücktritt aus dem Gremium.

Bettina Joder Stüdle landete bei den Wahlen 2018 auf der SP-Liste den ersten Ersatzplatz für den Gemeinderat.
Bettina Joder Stüdle landete bei den Wahlen 2018 auf der SP-Liste den ersten Ersatzplatz für den Gemeinderat.
Foto: PD
Gabriela Hug-Wäfler landete bei den Wahlen 2018 auf der SP-Liste den zweiten Ersatzplatz für den Gemeinderat.
Gabriela Hug-Wäfler landete bei den Wahlen 2018 auf der SP-Liste den zweiten Ersatzplatz für den Gemeinderat.
Foto: PD
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Wer an ihrer Stelle neu Einsitz im Gemeinderat von Steffisburg nimmt, ist noch offen. Gemäss Beat Messerli, Präsident der SP Steffisburg, sind Gespräche angelaufen. Bis Mitte November wolle die Partei der Gemeinde den Namen der Nachfolgerin nennen können. Dass es eine Frau sein wird, die für Ursulina Huder nachrückt, scheint sicher. Bei den Wahlen 2018 erreichte Bettina Joder Stüdle den ersten Ersatzplatz, knapp vor Gabriela Hug-Wäfler. Joder Stüdle sass von 1994 bis 2006 im Grossen Gemeinderat (GGR), Hug-Wäfler ist seit Juni 1999 Mitglied im Gemeindeparlament.

Kommt die grosse Rochade?

Bei der FDP landete bei den Wahlen 2018 GGR-Mitglied Konrad Moser auf dem ersten Ersatzplatz für den Gemeinderat - und ist damit in der Poleposition für die Nachfolge von Stefan Schneeberger. Gemäss der Gemeindeverwaltung sollen die Namen beider neuen Ratsmitglieder gleichzeitig kommuniziert werden.

Danach wird der Rat die Departementsverteilung in Absprache mit den neuen Mitgliedern an die Hand nehmen. Eine Aufgabe, die mit dem doppelten Rücktritt nicht einfacher werden dürfte. Auch, weil mit den Finanzen ein Schlüsseldepartement frei wird, in dem ein Ratsmitglied zwar viel Einfluss nehmen kann - sich aber mit Blick auf die trüben finanziellen Aussichten und eine mögliche Steuererhöhung wenig Lorbeeren verdienen kann.