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Ski-Weltcup AdelbodenGemeinde bittet das Gewerbe zur Kasse

Mit einer höheren Tourismusförderabgabe will die Gemeinde den Ski-Weltcup Adelboden unterstützen. Auch weitere Massnahmen sind in Planung.

Der Ski-Weltcup am Chuenisbärgli fand 2020 bei bestem Wetter statt – das bescherte den Organisatoren höhere Einnahmen.
Der Ski-Weltcup am Chuenisbärgli fand 2020 bei bestem Wetter statt – das bescherte den Organisatoren höhere Einnahmen.
Foto: Christian Pfander

Zehntausende Menschen strömen übers Weltcup-Wochenende jeweils nach Adelboden, Hunderttausende verfolgen die Rennen am Fernsehen mit. Eine Goldgrube, würde man meinen. Doch die Organisatoren schreiben seit 2016 Jahr für Jahr rote Zahlen. Selbst 2019 betrug das Defizit gut 200’000 Franken – und das, obwohl die Bedingungen am Rennwochenende top waren.

Geschäftsführer Christian Haueter sprach Ende 2019 offen von strukturellen Problemen und schlug Alarm, weil für 2020 wiederum ein Defizit budgetiert war. Ein Defizit, das die Grossveranstaltung im Lohnerdorf grundlegend gefährdet hätte. Nur eine kurzfristige Finanzspritze von mehreren Organisationen und Privaten gab den Weltcupmachern genügend Spielraum für die Durchführung 2020.

Höhere Abgaben für den Weltcup

Um den Weltcup mittel- bis langfristig zu sichern, waren und sind aber weitere Schritte nötig. Einen solchen hat nun die Gemeinde getan: Der Gemeinderat hat entschieden, die Tourismusförderabgabe (TFA) ab Januar 2021 befristet für zwei Jahre um 15 Prozent anzuheben. Das zusätzliche Geld – nach Angaben der Gemeinde rund 50’000 Franken pro Jahr – soll zweckgebunden dem Weltcup zugutekommen.

Das bedingt eine Anpassung der TFA-Verordnung. Die Beschwerdefrist dazu verstreicht am 9. Juli. Mit allzu viel Widerstand ist aber nicht zu rechnen: Die Gewerbetreibenden, welche die TFA entrichten, haben sich anlässlich eines runden Tischs mit grosser Mehrheit hinter den Weltcup gestellt.

Das zusätzliche Geld soll zweckgebunden dem Weltcup zugutekommen.

Bei einer Erhöhung der TFA soll es indes nicht bleiben: An der Gemeindeversammlung vom 28. August wird die Adelbodner Bevölkerung über weitere Massnahmen befinden. Zu deren Inhalt will sich der Gemeinderat aber erst Ende Juli äussern, wenn die Traktanden für die Versammlung publiziert werden. Naheliegend wäre die Erhöhung der fixen Gemeindebeiträge an die Sportveranstaltung.

«Müssen kostengünstiger produzieren»

Christian Haueter, Geschäftsführer der Ski-Weltcup Adelboden AG, zeigt sich erfreut über die Unterstützung. Gleichzeitig betont er, dass seine Firma damit nicht von der Pflicht befreit sei, die Ertrags- und Kostenstruktur zu optimieren. «Etwas salopp ausgedrückt, müssen wir unser Produkt kostengünstiger und effizienter produzieren.»

Auf der Einnahmeseite sei es unter anderem das Ziel, die jährlichen Beiträge breiter abzustützen. Dafür sei man nicht nur mit der Gemeinde im Gespräch, sondern auch mit weiteren Akteuren. So werden die Weltcupmacher demnächst auch ein Gesuch beim Kanton um einen Beitrag gemäss Tourismusentwicklungsgesetz (TEG) einreichen.

«Etwas salopp ausgedrückt, müssen wir unser Produkt kostengünstiger produzieren.»

Christian Haueter, Geschäftsführer Ski-Weltcup Adelboden AG

Doch auch sonstige Organisationen und Private hätten der Veranstaltung zusätzliche Unterstützung zugesichert. «Seit dem runden Tisch erfahren wir grosse Wertschätzung; das freut uns sehr», sagt Haueter. Und: «Ich bin zuversichtlich, dass wir den Weltcup auf finanziell sicherere Beine stellen können.»

Besser als befürchtet

Die diesjährige Durchführung der Weltcuprennen gibt Haueter allen Grund zur Zuversicht: «Wir hatten perfekte Bedingungen beim Auf- und Abbau und beim Rennen selber», sagt der 37-Jährige. Insgesamt seien dadurch weniger Aufwände und mehr Erträge angefallen als budgetiert.

Zwar liegt die Jahresrechnung noch nicht vor, doch Haueter geht davon aus, dass sie besser schliesst als mit dem budgetierten Defizit von 350’000 Franken. Die Fans der Rennen am Chuenisbärgli dürften angesichts dieser jüngsten Entwicklungen aufatmen.