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Unzufrieden mit Corona-PolitikGastroarbeitende streiken und ziehen durch Bern

138 Berner Gastrobetriebe fordern die Politik auf, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen – oder einen bezahlten Lockdown.

Berner Gastrobetriebe müssen ab heute bereits um 19 Uhr die Türen schliessen. Ein rentabler Betrieb ist so für viele nicht mehr möglich.
Berner Gastrobetriebe müssen ab heute bereits um 19 Uhr die Türen schliessen. Ein rentabler Betrieb ist so für viele nicht mehr möglich.
Foto: Jürg Spori
Die Message ist klar: Mit der aktuellen Corona-Politik ist die Gastronomie nicht mehr lange überlebensfähig.
Die Message ist klar: Mit der aktuellen Corona-Politik ist die Gastronomie nicht mehr lange überlebensfähig.
Foto: Jürg Spori
Die Demonstrierenden machten mit Kochutensilien wie Töpfen, Kochlöffeln und Pfannendeckeln Lärm.
Die Demonstrierenden machten mit Kochutensilien wie Töpfen, Kochlöffeln und Pfannendeckeln Lärm.
Foto: Jürg Spori
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Am Samstagnachmittag erlebte die Stadt Bern einen Protest der aussergewöhnlichen Sorte. Hunderte Beschäftigte der Berner Gastroszene gingen auf die Strasse und machten mit ihren Küchenutensilien gehörig Lärm. Die Corona-Politik des Bundesrats sowie der Berner Regierung hat viele von ihnen in existenzielle Nöte gebracht. Einerseits verhindern die restriktiven Massnahmen einen rentablen Betrieb. Andererseits ist die Politik nicht dazu bereit – wie noch im Frühling –, die Restaurants zu schliessen und sie dafür fair zu entschädigen.

Die Corona-Politik hatte sogar direkte Auswirkungen auf die Demo. Weil der Bundesrat am Freitag nicht nur die Auflagen für Restaurants verschärfte, sondern auch jene für politische Kundgebungen, musste das Gastro-Streikkomitee kurzfristig erfinderisch werden. Statt gemeinsam auf einem Platz zu demonstrieren, teilten sie sich in kleinere Gruppen à 50 Personen auf. Diese verteilten sich in Folge quer über die ganze Innenstadt. Sie nahmen den Bundesplatz, den Kornhausplatz, den Hirschengraben, den Casinoplatz, die Kleine Schanze sowie den Bahnhofplatz in Beschlag. Vor der Heiliggeistkirche warfen einige Demonstrierende Teller auf den Boden: Es sei «viel Geschirr zerschlagen» worden.

Jedoch waren einige Gruppen dann doch deutlich grösser als 50 Personen. Alleine auf dem Bundesplatz demonstrierten über 200 Leute. Die Kantonspolizei Bern liess die friedlichen Demonstrierenden aber gewähren. Die Organisatoren des Gastro-Streikkomitees hatten sich im Vorfeld eine Bewilligung von der Stadt eingeholt – ursprünglich für eine Kundgebung auf dem Bahnhofplatz.

Kanton und Bund lassen Mieter im Stich

Seinen Ursprung hatte der Gastrostreik bei eher linken und alternativen Beizern in der Stadt Bern. Jedoch haben sich innerhalb von wenigen Tagen 138 Berner Gastrobetriebe aus dem ganzen Kanton den Forderungen des Komitees angeschlossen. Eines der Anliegen ist, dass Arbeitnehmende mit einem Lohn von unter 4000 Franken eine Kurzarbeitsentschädigung von 100 statt 80 Prozent erhalten. Wegen der tiefen Löhne und des Ausfalls des Trinkgelds kommen manche fast nicht mehr über die Runden.

Weiter fordert das Gastro-Streikkomitee ein Entgegenkommen bei den Restaurantmieten. Das nationale Parlament liess eine entsprechende Vorlage während der Wintersession abschiffen. Der Kanton Bern hat – im Gegensatz zu anderen Kantonen – noch keine Lösungen für Gewerbemieter gefunden.

Während einige Beizer den Streik zwar ideell unterstützten, hatten ihre Betriebe dennoch weiter offen. Andere, wie etwa die Reitschule oder die Turnhalle, teilten nicht nur die Forderungen, sondern streikten tatsächlich. Ihre Türe waren am Samstag die ganze Zeit über geschlossen.

Weit über hundert Berner Restaurantbetreiber haben genug von den ständig ändernden Corona-Massnahmen: Zusammen mit Sympathisanten demonstrierten sie am Samstag in Bern für faire Rahmenbedingungen.
Video: Keystone-SDA
17 Kommentare
    Silvia Brun

    Die meisten Betriebe, die jetzt zugehen, wären auch sonst bald am Ende gewesen. Sie sind nicht wegen der Coronakrise eingegangen, sondern höchstens zufälligerweise während dieser.