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Auch nach 15 JahrenFutsal total

Mobulu Futsal Uni Bern ist der einzige Schweizer Verein, der seit Gründung der Swiss Futsal League immer in der höchsten Spielklasse agiert hat.

Mobulu Futsal Uni Bern mit Captain Fabian Florin, Goalie Philipp Aranya und Simon Gössi (von links) stand im Derby gegen Meister Futsal Minerva und dessen Captain Yves Mezger auf verlorenem Posten und kassierte eine 1:8-Niederlage.
Mobulu Futsal Uni Bern mit Captain Fabian Florin, Goalie Philipp Aranya und Simon Gössi (von links) stand im Derby gegen Meister Futsal Minerva und dessen Captain Yves Mezger auf verlorenem Posten und kassierte eine 1:8-Niederlage.
Foto: Iris Andermatt

Die 2016 verstorbene Legende Johan Cruyff und seine Kollegen des holländischen Nationalteams begründeten in den 1970er-Jahren den totalen Fussball. Der Grundgedanke dieses auf Kreativität basierenden Stils lag darin, dass alle Akteure zusammen als Einheit angreifen und in der Defensive geschlossen im Verbund verteidigen. Das erforderte von den Spielern Flexibilität und ein hohes taktisches Verständnis, weil das stete Rochieren der Positionen Teil des Konzepts war.

Im Grunde genommen ist Futsal nichts anderes als totaler Fussball. Beim Spiel 5 versus 5 in der Halle glänzen nur Spieler, die das ganze Repertoire beherrschen und fähig sind, flexibel sowohl in der Offensive als auch in der Verteidigung ihren Mann zu stehen. Passend dazu schrieb sich Futsal Uni Bern den Slogan «Futsal total» auf seine Fahnen.

Der Stadtberner Club ist in der Szene eine absolute Institution, gehörte bei der Gründung der Liga im Jahr 2005 zu den Teams der ersten Stunde. Als einziger Verein spielte Mobulu, dessen Clubname auf dem ehemaligen Fussballprofi Mobulu M’Futi (ehemals Sion und Xamax) gründet, in all den Jahren immer in der höchsten Liga. 2015 krönten sich die Berner unter den Fittichen von Coach und Vereinsmitbegründer Kaspar Burkhalter zum bislang einzigen Mal zum Meister. Zudem stellt Mobulu auch die meisten Nationalspieler in der Geschichte des Schweizer Futsals.

Grosses Verletzungspech

Zumindest in dieser Saison dürfte es indes schwierig werden, den Coup von 2015 zu wiederholen. Am Samstag kam Mobulu gegen Meister und Stadtrivale Futsal Minerva 1:8 unter die Räder. «Sie waren klar besser», sagt Mobulu-Präsident Ollin Wilhelm, der im Derby aufgrund einer beispiellosen Verletzungsserie sogar selber im Kader stand. «Ich will nicht jammern, und es soll keine Ausrede sein, aber wir haben im Moment grosse Verletzungssorgen», erklärt Wilhelm, der den Verein seit 2019 präsidiert.

Allein mit Spieler-Trainer Mirko Wilhelm, Ex-Profi Elia Wälty (er spielte in Portugals Profiliga) und Linksfuss Janik Huber fehlen Mobulu derzeit gleich drei langzeitverletzte Nationalspieler, derweil sich auch andere potenzielle Stammspieler noch mit Blessuren herumschlagen . «Das ist Pech und schwierig zu verkraften», sagt Wilhelm, der im Playoff trotzdem den Sprung in den Halbfinal anstrebt (derzeit liegt Mobulu drei Runden vor Ende der regulären Saison auf Rang 7).

Platz für alle

Doch Mobulu ist nicht primär auf Erfolg getrimmt, sondern versteht sich auch als Club, der Futsal weiterbringen will. Und diesbezüglich leisten die Berner vorzügliche Arbeit. Sie gründeten als erster Verein eine U-21-Abteilung und bilden selber junge Akteure aus. «Wir suchten im Kollegenkreis und in Gymnasien nach Spielern, die voll auf Futsal setzen wollten», sagt Wilhelm, der einst selber den Sprung von der Talentschmiede in die erste Equipe vollzogen hat.

Trainiert werden die jungen Futsaler oft von Spielern der ersten Mannschaft, was zeigt, wie kameradschaftlich es bei Mobulu zu und her geht. Auch eine zweite und eine dritte Equipe und ein Frauenteam haben die Berner am Start, wobei vorab bei der ersten Mannschaft und bei der U-21 darauf geachtet wird, dass dasselbe Spielsystem praktiziert wird. «Generell ist bei Mobulu aber jedermann willkommen. Bei uns im Verein hat es Platz sowohl für Plausch- als auch für ambitionierte Nationalspieler», meint Präsident Wilhelm.

Markus Kiser ist Teil der Mobulu-Familie.
Markus Kiser ist Teil der Mobulu-Familie.
Foto: Iris Andermatt

Das Familiäre geht vor

Wie andere Clubs auf ausländische Profis zu setzen, wird bei Mobulu indes auch in Zukunft nie eine Option sein. «Einerseits fehlen uns dazu die finanziellen Mittel, andererseits würden wir so wohl auch unseren familiären Charakter verlieren. Bei uns spielen viele Akteure, die schon lange sehr gut miteinander befreundet sind, das ist nicht überall so», sagt Wilhelm.

Als Elia Wälty einst in Portugal spielte, besuchten ihn ein Dutzend Mobulu-Akteure auf der Iberischen Halbinsel. Nachdem sich Janik Huber unlängst die Bänder gerissen hatte, wurde ein Plakat mit der Aufschrift «Gute Besserung, Hubi» gebastelt. Es sind kleine Dinge, die zeigen, wie familiär Mobulu tickt. «Wir wollen so professionell wie möglich sein, aber das Familiäre im Verein wird immer genauso wichtig bleiben», sagt Präsident Wilhelm.