Elf Gründe, warum die Schweiz Serbien schlägt

Mit einem Sieg gegen Serbien steht die Schweiz praktisch sicher im Achtelfinal. Weshalb es klappen wird.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ausgangslage lautet nicht gerade siegen oder fliegen. Aber das Spiel der Schweizer gegen Serbien ist schon ein Final um den Einzug in die WM-Achtelfinals. Und natürlich kennen wir von Bernerzeitung.ch/Newsnet jetzt schon die elf Gründe, warum die Schweizer am Freitag gewinnen werden:

1. Weil Granit Xhaka nicht Rot sieht

Es wird ein hart geführtes Spiel. Also ist es entscheidend, dass die Schweizer ihre Nerven behalten. 2010 stand ein Platzverweis von Valon Behrami gegen Chile am Anfang des geplatzten Achtelfinal-Traums.

Behrami spielt inzwischen viel abgeklärter. Womit Granit Xhaka jener Schweizer ist, der am ehesten gefährdet ist, Rot zu sehen. Von 2014 bis 2017 erhielt der Basler neun Platzverweise. Kürzlich fragte ihn die Schweizer Nationalspielerin Lara Dickenmann im «Magazin», warum er so oft vom Feld geflogen sei. «Keine Ahnung, Dummheit?», antwortete Xhaka.

Aber das ist Vergangenheit. Xhaka hat mit dem Mentalcoach von Arsenal jeden einzelnen seiner Platzverweise analysiert. Inzwischen ist er seit dem 23. Januar 2017 sauber geblieben, also seit 609 Tagen. Das wird auch gegen Serbien so bleiben.

2. Weil Xherdan Shaqiri einen neuen Vertrag braucht

Seit der Abstieg mit Stoke City aus der Premier League feststeht, ist klar, dass Xherdan Shaqiri den Verein wechseln wird. Aber Shaqiri will nicht zu irgendeinem Club. Er hat grosse Ambitionen, weil er sich selbst in der erweiterten Weltklasse sieht – mindestens.

Das muss der 26-Jährige an dieser WM beweisen, wenn er zu einem richtig grossen Namen aus der Premier League gehen will. Das kann der Schweiz gegen die Serben nur entgegenkommen.

Perfekte Flanke: Xherdan Shaqiri bereitet das 1:1 gegen Brasilien vor. (Video: SRF)

3. Weil die Serben total übermotiviert sind

Serbische Profisportler tragen immer die Last ihres Landes auf den Schultern. Ihre Erfolge sollen unter anderem kompensieren, dass es in Serbien wirtschaftlich nicht aufwärtsgeht. Derzeit wird die Partie gegen die Schweiz zusätzlich von der serbischen Presse politisch aufgeladen. Ganz so, als ob Serbien mit einem Sieg über die Schweiz die Wunde schliessen könnte, die die Abspaltung des Kosovo hinterlassen hat.

Die Spieler wissen, dass ihnen eine Niederlage kaum verziehen würde. Ivan Ergic, ehemaliger Nationalspieler des damaligen Serbien-Montenegro, beschreibt es so: «Man sieht, wie die ganze Wut über reale Probleme und die Sorge um eine bessere Zukunft auf die Spieler übertragen werden.»

4. Weil die Schweiz den besseren Goalie hat

Nichts gegen den Goalie-Veteranen Vladimir Stojkovic im serbischen Tor. Der 34-Jährige hat bereits bei 12 Clubs gespielt. Stammkeeper in einer grossen Liga war er aber nie.

Auch Neymar konnte Sommer nicht bezwingen: Der Schweizer Goalie krallt sich in der 88. Minute des Brasilien-Spiels den Kopfball des Superstars.

Da hat Yann Sommer doch viel mehr Klasse. Dass er in Form ist, hat er gegen Brasilien bewiesen. Ausserdem dürfte Sommer mit seinen 29 Jahren durchaus Lust darauf haben, mal etwas anderes zu erleben als Mönchengladbach. Da kann ihm eine starke WM helfen.

5. Weil in Serbien der Verband zu viel mitredet

Die Serben sind souverän durch die Qualifikation gestürmt: 21 Punkte, 20:10 Tore in einer Gruppe mit Irland, Österreich und Wales. Trotzdem wurde Nationaltrainer Slavoljub Muslin entlassen. Weil der Verband wollte, dass er auf andere Spieler setzt.

Jetzt gehören Sergej Milinkovic-Savic (Lazio) und Milos Veljkovic (Bremen) zum Kader. Dafür setzt Neo-Trainer Mladen Krstajic auf ein anderes System, als es die Serben aus der Qualifikation kennen. Richtig eingespielt kann das Team deswegen nicht sein.


«Frauen, Männer – ist nicht so easy» Die beste Schweizer Fussballerin sollte den besten Schweizer Fussballer interviewen. Dann hat Granit Xhaka den Spiess umgedreht. (Abo+)


6. Weil hinten links Ricardo Rodriguez spielt

Die rechte Angriffsseite der Serben stellt die Gegner immer wieder vor grösste Probleme. Der Flügel zieht viel in die Mitte, der Aussenverteidiger greift an, als gäbe es kein Morgen, und sorgt für Unordnung. Gut, steht dort bei der Schweiz Ricardo Rodriguez. Der wird auch in diesem Sturm so ruhig bleiben, als stehe er gerade in Badeschlappen in seinem Garten, um die Rosen zu schneiden.

7. Weil dieses Nationalteam wirklich glaubt, dass sie Grosses leisten kann

Von grossen Zielen reden kann jeder. Aber diese Nati ist ehrlich davon überzeugt, dass in ihr etwas Grosses schlummert. Ein Exploit wie die Viertelfinal-Qualifikation etwa. Gegen Serbien wird die Mannschaft beweisen, was in ihr steckt.

8. Valon Behrami

Weil: Valon Behrami!

9. Weil die Schweizer nicht nervös werden, wenn sie in Rückstand geraten

Sie sind gegen WM-Favorit Spanien 0:1 in Rückstand geraten und haben noch das 1:1 erzielt. Sie sind gegen WM-Favorit Brasilien 0:1 in Rückstand geraten und haben noch das 1:1 erzielt.

Egal, dass dabei jeweils auch Glück im Spiel war. Die Schweizer gehen in Kaliningrad mit dem Wissen aufs Feld, dass sie nicht in sich zusammenbrechen, wenn das Spiel nicht von Anfang an nach Plan verläuft.

10. Weil die Schweizer wissen, was 2010 passiert ist

Vor acht Jahren starteten die Schweizer unter Ottmar Hitzfeld noch sensationeller ins Turnier als jetzt mit dem 1:1 gegen Brasilien. Doch damals nützte der 1:0-Sieg über den späteren Weltmeister Spanien nichts, weil das Nationalteam danach gegen Chile und Honduras kein einziges Tor mehr erzielte.

Das wird der heutigen Mannschaft eine Warnung sein.

11. Weil es statistisch unmöglich ist, dass Haris Seferovic weiterhin so ohne Einfluss über das Spielfeld rennt

Der Mann aus Sursee rennt so viel auf dem Feld herum. Da muss ihm doch nach Wahrscheinlichkeitsrechnung einfach mal ein Ball vor dem Tor auf den Kopf fallen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.06.2018, 09:32 Uhr

Artikel zum Thema

«Man sieht, wie die ganze Wut auf die Spieler übertragen wird»

INTERVIEW Ivan Ergic spielte an der WM 2006 für Serbien. Er weiss, was jetzt auf den Spielern lastet, die am Freitag gegen die Schweiz spielen. Mehr...

Starker WM-Auftakt der Schweizer – ein 1:1 gegen Brasilien

VIDEO Hammertor von Zuber, gekämpft bis zum Umfallen, Behrami angeschlagen raus: Wie sich die Petkovic-Jungs einen Punkt verdienten. Mehr...

«Wir sind mit dem Achtelfinal nicht zufrieden»

SonntagsZeitung Vladimir Petkovic wagt eine klare Ansage vor dem Schweizer WM-Start heute gegen Brasilien (20 Uhr). Mehr...

Kommentare

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...