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Maradona-Show, Doppeladler-Skandal und der Kroaten-Knipser

Bald ist die Weltmeisterschaft vorbei, Zeit, zurückzuschauen. Das waren die lustigsten, skurrilsten und denkwürdigsten Szenen der Endrunde.

Granit Xhaka trifft gegen Serbien und zeigt danach den Doppeladler. Video: SRF

Natürlich sind noch zwei Spiele zu absolvieren. Natürlich steht der grösste Moment der WM noch bevor, der, wenn entweder Luka Modric oder Hugo Lloris den WM-Pokal in Moskau stemmt. Dennoch darf zurückgeschaut werden. Auf eine WM, die skurrile, lustige und denkwürdige Momente lieferte. Von abgehobenen Vögeln, schmerzhaften Pfostenschüssen und speziellen Einwürfen. Diese Szenen bleiben in Erinnerung:

Die WM-Vögel

Von Adlern, Tauben und Schwalben

Wir möchten das Thema schnell hinter uns bringen, darum schliessen wir es gleich zu Beginn ab. Die Vögel flogen in Russland, hoch die Adler, tief die Schwalben. Ein brasilianischer Kommentator vermutete auch, eine Friedenstaube gesichtet zu haben, als Granit Xhaka sein Tor gegen Serbien bejubelte. Nun, es war ein Adler, ein doppelter sogar, der da über den Rasen segelte und eine schweizweite Debatte über Doppelbürger auslöste.

Wenn der Herbst anbricht, fliegen auch die Schwalben in den Süden. Das gelbe Exemplar, das kürzlich in Russland gesichtet wurde, hatte es aber etwas gar eilig. Neymar flog und flog. Vielleicht war es in Russland zu kalt für den Hoffnungsträger Brasiliens, und so machte er sich bereits nach dem Viertelfinal auf in Richtung Heimat. Wenigstens musste die Vogelwarte Sempach beim Rückflug nicht einspringen.

Neymar arbeitete an der WM an seinem Image. Leider negativ. Video: Tamedia

Fifa-Chef Gianni Infantino spricht über Neymar und bricht in Gelächter aus. (13. Juli 2018) Video: Omnisport

Die teuren VIPs

Dasein + Zusatzleistungen

Mehrere Tausend Dollar soll die Fifa ihren prominenten Vorzeigegästen bezahlt haben, damit sie in Russland in den Stadien erscheinen. Rivaldo, Drogba oder Matthäus erfüllten ihre Aufgabe. Die Kolumbianer René Higuita und Carlos Valderrama entzückten nur schon mit ihrer Präsenz und ihrer Haarpracht. Einer aber bot seinem Auftraggeber Zusatzleistungen: Diego Maradona. Er bot dem Zuschauer eine Mischung aus grotesken Tänzen, Gottesanbetungen und ausgestreckten Mittelfingern.

Der Höhepunkt der Maradona-Show. Video: SRF

Einen prominenten Gast hatte auch die Schweizer Nationalmannschaft. Nein, nicht Alain Berset, sondern Lara Gut. Sie bekam von der Fifa aber kein Geld, wohl zu unbekannt. Oder wie die Legende zu einem weltweit verbreiteten Bild des Paars sagte: «Valon Behrami hugs a Swiss woman».

Der Kroaten-Knipser

Begraben und doch professionell

Dieser Mann muss befördert werden! Zu was auch immer, aber wer seine Arbeit mit einer solchen Professionalität verrichtet, während er von einer Horde wild gewordener Kroaten überfallen wird, der hat eine Belohnung verdient. Als Mario Mandzukic das 2:1 gegen England erzielt, macht er sich auf, um vor seinen Fans zu jubeln. Weil das der Rest seiner Mannschaft auch tut, begraben die Kroaten den Fotografen Yuri Cortez unter sich. Auslöser Mandzukic hilft Cortez auf. Das Resultat: herausragende Bilder und ein Sorry-Küsschen von Verteidiger Vida. Das war es wert.

Der Fotograf, der diese Bilder schoss, war mittendrin, statt nur dabei. Nicht nur Torschütze Mario Mandzukic (r.) wurde von seinen Teamkollegen niedergerungen, sondern auch AFP-Fotograf Yuri Cortez.
Der Fotograf, der diese Bilder schoss, war mittendrin, statt nur dabei. Nicht nur Torschütze Mario Mandzukic (r.) wurde von seinen Teamkollegen niedergerungen, sondern auch AFP-Fotograf Yuri Cortez.
Yuri Cortez, AFP
«Sie kamen immer näher und brachten mich zu Fall», schilderte der Fotograf später die Situation.
«Sie kamen immer näher und brachten mich zu Fall», schilderte der Fotograf später die Situation.
Yuri Cortez, AFP
Zuvor waren die Spieler noch übereinander hergefallen – und Cortez schoss seine Fotos aus der Ferne.
Zuvor waren die Spieler noch übereinander hergefallen – und Cortez schoss seine Fotos aus der Ferne.
Yuri Cortez, AFP
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Die Fotos des kroatischen Jubels aus nächster Nähe.

Der Purzelbaum

Den Moment genutzt

Milad Mohammadi ist Aussenverteidiger. Er spielt für den Iran. Im Spiel gegen Spanien tut er das 21 Minuten lang. Voraussetzungen, die nicht gerade dafür sprechen, dass Mohammadi an dieser WM als Torschütze in Erinnerung bleiben wird. So lässt sich der Schlaue in der letzten Minute des Spiels etwas ganz Spezielles einfallen. Seinen langen Anlauf beim letzten Einwurf des Spiels schmückt er mit einem Überschlag, bei dem Giulia Steingruber vor Neid erblassen würde. Der Schiedsrichter lässt diese Art von Ausführung nicht zu. Schade eigentlich. Nun, immerhin hat Mohammadi seine kurze Zeit auf der grossen Bühne genutzt. Das Video ging viral.

Die wenigen Sekunden Berühmtheit von Mohammadi. Video: SRF

It’s coming home

Oder auch nicht

Ganz England war begeistert. Von Sieg zu Sieg wuchs die Vorfreude. Das verlorene Kind, in dem Fall der Fussball, sollte heimkehren in sein Mutterland. «It’s coming home», das Lied der Band Lightning Seeds stand nach 22 Jahren wieder an der Spitze der englischen Charts, der Spruch wurde zu einem beliebten Tattoo-Sujet. Mittlerweile wissen wir: Der Fussball geht nicht nach Hause, er geht nach Frankreich oder Kroatien. Und gleichzeitig fragen wir uns, wie es wohl aussehen würde, wenn sich zahlreiche Schweizer Baschis «Bring en hei» auf die Wade tätowieren liessen.

Der Videobeweis

Alles gar nicht so schlimm

Schlecht: Die Ergebnisse der ersten Tests des Videobeweises am Confed Cup 2017, Fehlentscheide, Spielerverwechslungen, nicht gesehene Tätlichkeiten, das volle Programm und ein Beleg dafür, dass diese neue Technologie nichts im Fussball verloren hat. Schlecht aber auch: Die Tatsache, dass es in der vergangenen Champions-League-Saison keinen Videobeweis gab. Erneute grobe Fehlentscheide und ein Beleg dafür, dass es ihn eben doch braucht, diesen VAR.

Und so wusste man vor der WM nicht, was man nun davon halten sollte, wenn die Fifa es noch einmal probiert und in Moskau ein paar Männer in Schiedsrichterkluft vor die Bildschirme setzt. So ganz funktionierte der VAR dann nicht immer – wir erinnern an Lichtsteiners und Schärs Niederringen des Serben Mitrovic im eigenen Strafraum –, aber nach einigen Aufregern in der Gruppenphase scheint er doch akzeptiert. Ab den Achtelfinals war der Videobeweis kaum mehr Thema.

Pfosten-Slapstick

Dein Freund – und Feind

Vielleicht wäre es ohne den Pfosten anders ausgegangen. Harry Kane hätte gegen Kroatien das 2:0 erzielt (womit wir wieder bei «It’s coming home» wären), und England stünde jetzt im Final. Aber in dieser 30. Minute ist er halt doch da, der Pfosten. Kane trifft ihn nach 30 Minuten aus spitzem Winkel. Der Pfosten, Freund der Kroaten, ärgster Feind der Engländer. Das ändert sich später, als auch Perisic an ihm scheitert.

Der Pfosten kann aber auch wehtun. Keiner weiss es besser als Michy Batshuayi. Der Belgier will den Ball nach dem 1:0 gegen England in der Gruppenphase ins Tor dreschen. Vom Pfosten fliegt dieser aber «fadegrad» in sein Gesicht. Manchmal aber, da hilft die Torumrandung auch jenem, der sie trifft. Bryan Luiz schiesst seinen Penalty gegen die Schweiz an die Latte, via Yann Sommers Hinterkopf gibt es doch noch den Ausgleich für Costa Rica.

Michy Batshuayis Slapstick-Einlage. Das schmerzt. Video: SRF

Der einsame Portugiese

Du sollst nicht jubeln!

José Fonte tat der Fussballwelt kurz so richtig leid. Nach einem seiner drei Treffer gegen Spanien wies ihn Cristiano Ronaldo streng an, gefälligst das Spielfeld nicht zu verlassen. Und so bejubelten Ronaldo und Kollegen neben der Auslinie das Tor, während der arme Fonte ganz allein auf dem Platz stehen blieb und zusah. Mobbing bei den Portugiesen? Nein, keine Angst, die skurrile Aktion ist einem Irrglauben geschuldet. Dieser besagt, dass, wenn alle Spieler den Platz verlassen, um zu jubeln, der Gegner weiterspielen kann. Stimmt nicht, trotzdem machte das Gerücht die Runde.

Panama sah seine Chance gegen England kommen, als der Gegner jubelte. Der Schiedsrichter unterband den Angriff. Im Halbfinal war es dann – wie ironisch – England, das bei Abwesenheit des Gegners einen Angriff starten wollte. Natürlich auch ohne Erfolg. Woher das Gerücht kommt? Unbekannt, es sorgte aber für einige Lacher.

Die Panama-Premiere

Achtung, Erdbeben!

Wir bleiben bei Panama. Der grösste Aussenseiter dieser WM schlug sich doch eigentlich gar nicht so schlecht. Brasilien beispielsweise hat vor vier Jahren 14 Tore kassiert. Da ist Panama mit 11 Gegentreffern in drei Spielen gut dabei. Zu feiern gab es bei den Mittelamerikanern dann auch etwas. Das erste Tor löste grossen Jubel aus. Dumm nur, dass es beim Stand von 0:6 für England fiel. Das minderte die Freude nicht.

Vielleicht ist es auch besser, dass es für Panama bei diesem Tor (und dem gegen Tunesien) blieb. Als Mexiko beispielsweise die Deutschen schlug, lösten Fans durch ihre Feste ein Erdbeben aus. Kaum auszumalen, was passiert wäre, wenn Panama eine Runde überstanden hätte.

Panamas erstes Tor an einer Weltmeisterschaft. Video: SRF

Der Fluch

Und der Sündenbock

Der Fluch des Titelverteidigers, er wird langsam unheimlich. Frankreich scheiterte 2002 in dieser Rolle in der Vorrunde, Italien 2010 und Spanien 2014. Nun erwischte es auch Deutschland. In der Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea als Letzter. Die deutschen Medien suchen nach Gründen, Oliver Bierhoff findet einen in Özil und stellt diesen als Sündenbock hin.

Ob es die Deutschen wegen Özils Erdogan-Fotos nicht schafften? Kaum, schliesslich haben auch die anderen zehn gegen Mexiko und Südkorea nicht getroffen. Und so feierten die Asiaten ihren grössten Erfolg seit Platz vier an der WM 2002. Obwohl sie ausgeschieden waren. Zelebrieren darf man einen solchen Gewinn trotzdem. Vor allem, wenn man es so schön tut wie Heung-min Son und Kollegen.

Heung-min Son mit der Entscheidung gegen Deutschland. Video: SRF

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