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Virtuelle KonzerteFünf musikalische Trouvaillen im Netz

In der Krise ist der Einfallsreichtum der Künstlerinnen und Künstler grenzenlos. Nun findet gar das erste digitale Musikfestival statt.

Was in der Corona-Krise längst klar geworden ist: Um Kultur zu erleben, muss man nicht unbedingt aus dem Haus. Wie Pilze schiessen sie derzeit aus dem virtuellen Boden: die Konzerte ab Livestream, die Musikvideos, die kurzen Spots mit musikalischem Inhalt. So überrascht es nicht, dass heute Abend auch das erste digitale Musikfestival startet.

Zur öden Wochenmitte hier eine Auswahl an Trouvaillen aus der regional-digitalen Musikkultur.

Swiss Sofa Festival

The Two Romans aus Thun: Samuele (links) und Mattia Zanella
The Two Romans aus Thun: Samuele (links) und Mattia Zanella
Anne-Marie Günter

Im Line-up des ersten rein digitalen Musikfestivals ist nicht gerade viel Bern zu finden ausser freilich den Initianten: Die beiden Musiker der Thuner Band The Two Romans lassen ab heute bis und mit Freitag jeden Abend von 18 bis 20.30 Uhr Schweizer Musiker hinter der Kamera versammeln. Die 20-minütigen Konzerte werden auf dem Instagram-Kanal des Festivals (nur über die Smartphone-App) gestreamt.

Nach dem Konzert folgt eine kurze Frage-und-Antwort-Runde mit den jeweiligen Künstlern. Die Konzerte sind kostenlos, laufen aber nach dem Kollektenprinzip. Die Zuhörerinnen und Zuhörer können über Twint einen Beitrag spenden. Das Geld wird zu gleichen Teilen an alle auftretenden Bands verteilt. Zudem gehen 10 Prozent aller Spenden an die Glückskette.

Das Line-Up kann sich sehen lassen: Bastian Baker, Marius Bear, 77 Bombay Street, Sensu, Native, Ginger & the Alchemists, Juldem, Nick Mellow, Aliose, Jay Jules, Caroline Alves und natürlich The Two Romans, die jeden Abend ein Set spielen.

Canzoni

Einem, den es ganz offensichtlich unter den Fingerkuppen juckt, ist Mario Capitanio. Der umtriebige Berner Gitarrist schleicht derzeit durch das stille und halb leere Bern und lockt mit seinen Canzoni die eingesperrten Bernerinnen und Berner an die Fenster. Auf Facebook sind seine nächtlichen Spaziergänge ein kleiner Renner.

Skurrile Video-Aktion

Eskimo – Manuel Kollbrunner und Simon Vogt.
Eskimo – Manuel Kollbrunner und Simon Vogt.
Martin Burkhalter

Etwa ein halbes Jahr ist es her, dass die Köpfe hinter der ehemaligen Band Pablopolar, Manuel Kollbrunner und Simon Vogt, mit dem eigentümlichen Projekt Eskimo aus der Versenkung aufgetaucht sind und mit dem Album «Hans» gleich ein neues Genre erfunden haben: den Agglo-Mundartpop.

Auch ihnen hat das Coronavirus freilich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Freitag erscheint nun trotzdem eine neue Single. Sie heisst «Frauida» und kritisiert die Selbstdarstellermentalität und Heuchelei in den sozialen Medien. Für die Veröffentlichung haben sich Eskimo etwas Passendes überlegt. Wer das Instagram-Konto der Band liked, soll ein persönlich zugeschnittenes Video und die neue Single zugestellt bekommen.

Der virtuelle Chor

Der Gustav-Akademie-Absolvent Andres Piller
Der Gustav-Akademie-Absolvent Andres Piller
PD

Auch die Talentschmiede des Freiburger Popsängers Gustav hat derzeit nicht viel zu lachen. Alle Treffen und öffentlichen Auftritte sind abgesagt oder verschoben. Nun hat aber Andres Piller, ein Absolvent der Gustav-Akademie von 2019, ein Stück für einen virtuellen Chor komponiert. Das Prinzip ist simpel. Wer Teil des Chors sein will, kann die Partitur auf der Website herunterladen, die Audiodateien anhören, die Stimme aufnehmen und danach die Aufnahme an Piller schicken. Er wird die einzelnen Stimmen dann zu einem Chor zusammensetzen.

Aufs Dach

Der Bieler DJ und Musikproduzent Cee-Roo hat mit vier befreundeten Musikern noch einen anderen Weg gefunden, um aus der Quarantäne heraus Musik zu machen: Fünf Musiker auf fünf Dächern, so lautet das Konzept. Hier gehts zum Artikel.