Eine Seilbahn für die Wellenreiter

Dank einer Ausnahmebewilligung dürfen Wakeboarder am Züri-Fäscht einen Wasserskilift aufstellen. Sie erhoffen sich einen Schub für ihre Pläne einer fixen Anlage. Bisherige Anläufe dazu scheiterten.

Das Spektakel Wakeboarden soll am Züri-Fäscht Stimmung für eine Liftanlage im Raum Zürich machen: Wakeboarder bei der Roten Fabrik in Zürich.

Das Spektakel Wakeboarden soll am Züri-Fäscht Stimmung für eine Liftanlage im Raum Zürich machen: Wakeboarder bei der Roten Fabrik in Zürich.

(Bild: Keystone)

Martin Huber@tagesanzeiger

Sie sind die Flugkünstler auf den Seen: Wakeboarder, Anhänger einer Sportart, die eine Mischung aus Wasserskifahren und Wellenreiten darstellt. Sie lassen sich von einem Motorboot übers Wasser ziehen, wobei sie das Kielwasser (engl. wake) für Sprünge nutzen. Auch am Züri-Fäscht vom kommenden Wochenende ist die boomende Trendsportart präsent: Auf der Limmat zwischen Rathaus- und Münsterbrücke messen sich Profifahrer in Show-Wettkämpfen. Dabei lassen sie sich nicht von Booten ziehen, sondern von einem eigens installierten Lift. Dieser katapultiert die Athleten über schwimmende Hindernisse. Möglich ist der Lift dank einer Ausnahmebewilligung, wie Roland Stahel vom OK sagt: «Am Züri-Fäscht sind Dinge möglich, die sonst nie eine Bewilligung erhielten.»

Die Organisatoren des Wakeboard-Events versprechen sich davon einen neuen Schub für ein altes Anliegen: einen fix installierten Wasserskilift. «Wir wollen den vielen Ski- und Snowboardfans eine Alternative für den Sommer bieten», sagt Micha Federle, der den Anlass am Züri-Fäscht mitorganisiert. Bisher existiert lediglich in Estavayer-le-Lac am Neuenburgersee ein Wasserskilift – ein Unikum aus dem Jahr 1964. Viele Zürcher Wakeboarder weichen auf Liftanlagen im nahen Ausland aus. Vor allem in Deutschland sind in den letzten Jahren zahlreiche Wakeboardlifts entstanden. Mittlerweile gibt es dort über 90 solcher Anlagen, viele davon auf Baggerseen. Auch in Österreich, Italien und Frankreich werden zahlreiche Anlagen erfolgreich betrieben, so Federle. Trotz Kosten von 300'000 bis 400'000 Euro für den Lift. Die strombetriebenen und leisen Lifte seien eine ökologisch sinnvolle Alternative zum Motorboot. Federle: «Wir möchten zeigen, dass der Sport durchaus umweltbewusst sein kann.»

Grosses Interesse am Lift

Mehrere Projekte für einen Wakeboardlift in der Deutschschweiz sind bisher gescheitert. «Leider haben oft einzelne Parteien in den Gemeinden Angst vor zu viel Trubel und Emissionen», sagt Federle. So kam letztes Jahr das Aus für eine geplante Anlage in einem künstlichen See in Ruswil LU – die Regierung sagte Nein. Zuvor hatten sich in Lungern-Schönbüel OW Pläne für eine Anlage auf einem Stausee zerschlagen. Im Kanton Zürich bemühte sich Federle vor drei Jahren selber für den Bau eines Wasserskilifts in Wettswil. Erfolglos. Das betroffene Gebiet lag in einer Freihaltezone. «Die Suche nach geeigneten Standorten läuft weiter», zeigt sich der Wakeboard-Enthusiast unbeirrt. Vor rund sechs Jahren scheiterte auch ein Wakeboardlift-Projekt in einem Industriegebiet bei Rümlang. Der damalige Promotor Sascha Vuckovic: «Das Projekt war weit gediehen, aber dann unterlag es in der Gemeindeabstimmung knapp.»

Kleiner Lichtblick für die Szene: Seit zwei Wochen ist in Weesen SG am Walensee ein mobiler Wakeboardlift in Betrieb, dank einer Ausnahmebewilligung für rund einen Monat. «Ein längerer Betrieb ist nicht möglich, das bräuchte eine Baubewilligung», sagt Lift-Initiant Tobias Müller, der eine Wakeboardschule in Stäfa betreibt. Das Interesse am Lift sei gross. Für Müller ist das Bedürfnis nach einer solchen Sportanlage klar vorhanden: «Wir müssen die Jungen hier abholen und verhindern, dass sie mit dem Auto ins Ausland fahren.»

Strenge Auflagen des Kantons

Tobias Müller würde den Lift liebend gerne auf dem Zürichsee, dem Greifensee oder einem Baggersee in der Nähe installieren. Aber die Chancen dafür beurteilt er als gering: «Mit 99-prozentiger Sicherheit würde das abgelehnt.» Zu streng seien die Auflagen punkto Naturschutz, Lärm, Schiffsverkehr und Wellenschlag. Zudem gebe es gerade am Zürichseeufer viel privates Land und nur wenige öffentliche Plätze, die geeignet wären.

Das zuständige kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) ist skeptisch: «Aufgrund der bereits heute sehr starken Beanspruchung des Zürichsees ist die Baudirektion bezüglich Bewilligung von neuen Freizeitinfrastrukturen sehr zurückhaltend», sagt Sprecher Wolfgang Bollack. Diese bedingten in der Regel auch Erschliessungseinrichtungen an Land und brächten Immissionen sowie eine Beeinträchtigung der Unterwasserfauna und -flora mit sich. Ein Entscheid über die Bewilligungsfähigkeit eines Wakeboardlifts sei allerdings nur aufgrund eines konkreten Projekts möglich, so Bollack. «Neue Trendsportarten haben in Zürich meist einen schweren Stand», sagt Tobias Müller. Er erinnert an die Pläne für eine Surfwelle in der Limmat und an das jahrelange Warten auf eine Skateranlage. «Es braucht einen langen Atem.»

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt