Thomas Zurbuchen: «Die Sterne sind mir wichtig»

Bern

Die Grundlagenforschung und mögliches Leben auf anderen Planeten sind für den Wissenschaftschef der Nasa wichtige Themen. Grösstes Projekt ist ein bemannter Flug zum Mars.

Thomas Zurbuchen war am Montag Gast am Spirit of Bern.

Thomas Zurbuchen war am Montag Gast am Spirit of Bern.

(Bild: Beat Mathys)

Herr Zurbuchen, was ist das für ein Gefühl, wenn man morgens aufwacht und weiss, dass man Wissenschaftsdirektor der grössten Weltraumorganisation der Welt ist?Thomas Zurbuchen:Wenn ich mir morgens die Augen reibe, denke ich schon manchmal, wie unwahrscheinlich eigentlich meine Stelle ist. Unsere über hundert Missionen erkunden die Erde, die Planeten und die Sterne – und ich sehe täglich, wie wir Forschungsgeschichte machen.

Was tun Sie am Tag als Erstes?Ich gehe in den Kraftraum und dann so schnell wie möglich zur Arbeit. Ich wohne derzeit neben der grossen Wiese beim Capitol, die das Washingtoner Memorial mit dem Lincoln Memorial verbindet. Ich gehe zu Fuss zur Arbeit, es ist eigentlich eine historische Wanderung.

Seit Oktober 2016 sind Sie Wissenschaftsdirektor der Nasa. Was haben Sie in diesen ersten Monaten getan?Ich habe von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends gearbeitet. Ich verbringe die Zeit mit den geplanten Missionen und fälle die meisten Entscheide. Ich habe auch mit der Regierung, dem Kongress, zu tun. Zudem verbringe ich viel Zeit mit Studierenden.

Sie verfügen über ein jährliches Budget von fünf Milliarden ­Dollar. Was macht man mit so viel Geld?Etwa eine halbe Milliarde Dollar ist für die Entwicklung neuer Technologien, etwa neue Satellitensysteme, vorgesehen. Bis zu anderthalb Milliarden gehen direkt an die Forscher für die Entwicklung neuer Theorien. Der Rest des Geldes wird für die Missionen und für die Raketen für diese Missionen eingesetzt.

Die Nasa hat grosse Pläne, unter anderem eine bemannte Marsmission. Ist das für Astronauten eine Reise ohne Wiederkehr?Unser Plan ist es, Astronauten auf den Mars zu schicken und sie heil wieder nach Hause zu bringen.

Die Berner Weltraumforscherin Kathrin Altwegg hat aber einmal gesagt, dass wegen der enormen Strahlenbelastung kein Mensch einen Flug zum Mars überleben werde.Sie hat insofern recht, als die Strahlenbelastung eines der grössten Probleme ist, welche die Marsmission lösen muss. Es gibt technologische Lösungen, aber sie kosten viel Geld und sind noch entwicklungsfähig.

Welche Art Weltraumforschung finden Sie persönlich am spannendsten?Eine hohe Priorität haben das Verstehen der Erde sowie der Schutz von Leben auf der Erde. Zweitens: das Finden von Leben ausserhalb der Erde. Und drittens glaube ich an die Stärke der Grundlagenforschung in allen Bereichen.

Wie gross ist der Einfluss des ­jeweiligen US-Präsidenten auf die Pläne der Nasa?Er ist gross. Jedes Budget beginnt bei der Exekutive. Und mit der Legislative wird dann so lange verhandelt, bis ein Kompromiss gefunden werden kann.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie als Schüler in Heiligenschwendi jeweils in der freien Natur den Himmel beobachtet haben. Tun Sie das heute noch?Ja, absolut! Die Sterne sind mir wichtig. Es gibt kaum etwas anderes im Leben, das uns mehr Ehrfurcht einflösst, als das Beobachten des Universums. Je mehr man weiss, desto grösser der Eindruck. Ich besuche Heiligenschwendi übrigens immer noch ein- bis dreimal pro Jahr.

Dieses Interviewwurde schriftlich geführt. Ein Face-to-Face-Interview war Thomas Zurbuchen aus terminlichen Gründen nicht möglich.

Berner Zeitung

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